Alles rein, alles nachhaltig: Reinigung im Sinne der Umwelt

Interview mit Rudolf und Verena Bund, Geschäftsführer der REMSGOLD Chemie GmbH & Co. KG

1962 von Karl-Heinz Häberle gegründet, begann REMSGOLD im schwäbischen Winterbach mit der Produktion von Reinigungsmitteln. Rudolf Bund kaufte 1983 das Unternehmen und übernahm die Geschäftsführung. Seitdem hat er eine Reihe von Veränderungen angestoßen. „Wir sind in die Gastronomie gegangen, später auch in Hotels, Kantinen, Altenheime und Krankenhäuser, überall dorthin, wo Menschen außer Haus versorgt werden“, erzählt er.

Rudolf Bund erkannte, dass die reine Herstellung von Reinigungsmitteln für ein mittelständisches Unternehmen langfristig nicht erfolgreich sein würde. Daher stieg REMSGOLD in den Servicebereich ein, unter anderem mit dem Einbau von Dosiergeräten an Spülmaschinen, Wartungen und Kundenschulungen. Über den Service ist das Unternehmen gewachsen.

Ende der 1980er-Jahre kam das Private Label-Geschäft hinzu. 1993 wurde die Tochtergesellschaft AlmaWin zur Herstellung von ökologischen und nachhaltigen Wasch- und Reinigungsmitteln gegründet. „Sie hat sich gut entwickelt und ist im privaten Sektor für Endverbraucher tätig“, berichtet Rudolf Bund.

Ökologische Produkte

Nachhaltigkeit hat sich REMSGOLD schon seit Langem auf die Fahnen geschrieben – und sie wird immer wichtiger, wie Geschäftsführerin Verena Bund betont. Vor fünf Jahren ist sie ins Familienunternehmen eingestiegen und leitet die Firma heute gemeinsam mit ihrem Vater.

Sie erklärt: „Wir sind EMAS-zertifiziert, das ist die höchste europäische Auszeichnung für Umweltmanagement, und werden alle zwei Jahre auditiert.“ Auch die Produkte selbst werden immer nachhaltiger. Inzwischen werden 75% der erdölchemischen Rohstoffe durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt; die Marke BIOclean PROfessional ist es bereits vollständig.

„Die Verpackungen stellen wir nach und nach auf 100% Recyclingmaterial um, und die Etiketten werden mit Mineraldruckfarben bedruckt. Wir verfolgen in dieser Hinsicht viele Ansatzpunkte, auch die Verbesserung der Rohstoffe“, so Verena Bund. Im Unternehmen soll Nachhaltigkeit auch gelebt werden. „Uns ist es wichtig, die Mitarbeiter dafür zu sensibilisieren“, betont sie. REMSGOLD ist sehr innovativ. Vor zwei Jahren wurde an einem zweiten Standort ein neues Lager- und Verwaltungsgebäude fertiggestellt und bezogen. Auch der Bau einer neuen Produktion ist geplant.

Nutzen statt wegwerfen

REMSGOLD beschäftigt rund 170 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz liegt bei knapp 20 Millionen EUR. Geboomt habe das Geschäft in der Coronazeit, als alle im Homeoffice waren, berichtet Verena Bund: „Zu der Zeit wurden Haus und Keller auf Vordermann gebracht. Davon haben wir profitiert. Desinfektion war stark nachgefragt. Wir haben eine neue Linie auf den Markt gebracht und auch Standsäulen für Spender angeboten.“

REMSGOLD ist mit seinen Produkten im hochpreisigen Segment angesiedelt. „Mit unserem Nachhaltigkeitsgedanken grenzen wir uns ab“, erklärt die Juniorchefin. Im Verpflegungsbereich konzentriert sich REMSGOLD auf Großküchen, unter anderem auf die Geschirrreinigung, und bietet auch ein breites Sortiment im Bereich Housekeeping und Desinfektion.

„Wir haben auch Spezialitäten wie Reinigungsprodukte und Entkalker für Kaffeevollautomaten, sowie Waschmittel für den Großverbraucher“, so Rudolf Bund. Seine Tochter nennt ein Beispiel für Innovation im Bereich nachhaltige Produkte: „Der Orangenöl-Reiniger ist unser Power-Produkt. Die Schalen, in der die Terpene enthalten sind, stammen aus der Saftproduktion, beispielsweise in Brasilien. Diese Terpene lösen extrem gut Verschmutzungen, zum Beispiel von Lacken, Fetten oder Kaugummi.“ Ein besonderer Umstand ist, dass die Rohstoffe wieder in den Kreislauf zurück geführt werden.

Wachsen und noch nachhaltiger werden

REMSGOLD zeichne besonders aus, dass man seine Kunden gut kenne und unterstütze und enge Kontakte pflege, sagt Verena Bund. „Dazu kommt die Qualität und der nachhaltige Ansatz, der bei uns echt ist. Wir betreiben kein Greenwashing“, betont sie. Ihr Vater fügt hinzu: „Die Kunden suchen sich immer den Partner aus, mit dem sie gut arbeiten können. Viele sind schon seit 20 Jahren bei uns.“

Er plant für das Unternehmen weiteres Wachstum – „obwohl die Umstände schwierig sind.“ Dazu werden die richtigen Talente benötigt. „Unsere Mitarbeiter sind ein tolles Team, das uns auch in den schweren letzten zwei Jahren nicht im Stich gelassen hat“, hebt er hervor. Verena Bund macht deutlich, dass man neben einer stärkeren Marktdurchdringung vor allem noch nachhaltiger werden möchte. Sie denkt auch an eine eigene App für noch besseren Service.

Mehr zum Thema Chemie

Dynamisch im Markt, stabil im Fundament

Interview mit Luca Niero, Sales SOP/Export Sulphuric Acid SOP der Marchi Industriale S.p.A.

Dynamisch im Markt, stabil im Fundament

Die Chemieindustrie steht unter permanentem Kosten- und Innovationsdruck. Rohstoffmärkte sind global vernetzt, Lieferketten sensibel, Energieeffizienz ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Die Marchi Industriale S.p.A. mit Sitz in Marano Veneziano, Italien, begegnet diesem…

Regulatorische Sicherheit für die Chemieindustrie

Interview mit Dr. Michael Cleuvers, Geschäftsführer der knoell Germany GmbH

Regulatorische Sicherheit für die Chemieindustrie

In einer zunehmend komplexen, globalisierten Industrie wird der verantwortungsvolle Umgang mit Risiken zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Die knoell Germany GmbH unterstützt Unternehmen dabei, regulatorische Anforderungen vorausschauend umzusetzen und Risiken für…

Vom Nebenprodukt zum Wertstoff

Interview mit Beatrice Buzzella, Vorsitzende und Geschäftsführerin der Green Oleo S.p.A.

Vom Nebenprodukt zum Wertstoff

Was passiert, wenn ein Industrieunternehmen radikal umdenkt? Green Oleo aus dem norditalienischen Cremona hat genau das getan. Das Unternehmen, das früher klassische oleochemische Produkte herstellte, verarbeitet heute pflanzliche und tierische…

Spannendes aus der Region Rems-Murr-Kreis

Factoring geht nicht ohne Vertrauen

Interview mit Adelheid Wolf, Geschäftsführerin der adesion Factoring GmbH

Factoring geht nicht ohne Vertrauen

Adelheid Wolf hat ihre gesamte Karriere im Factoring verbracht. Als Geschäftsführerin und Mitunternehmerin bei adesion Factoring will sie ihre Kunden durch dieses wirkmächtige Finanzierungsinstrument systematisch bei deren weiterem Wachstum unterstützen.…

Auf zu neuen Synergien

Interview mit Carlo Buck, Geschäftsführer der United Machining Germany GmbH

Auf zu neuen Synergien

In Schorndorf, rund 30 km östlich von Stuttgart, befindet sich der Sitz eines Unternehmens, das Tradition, Innovationskraft und partnerschaftliches Denken erfolgreich miteinander verbindet: die United Machining Germany GmbH. Seit über…

Schwere Lasten, große Ambitionen

Interview mit Florian Guttenberger, Geschäftsführer der YOKE GmbH & Co. KG

Schwere Lasten, große Ambitionen

Die Produkte sind oft unscheinbar, ihre Bedeutung jedoch groß. Wenn tonnenschwere Lasten bewegt oder Menschen in der Höhe gesichert werden müssen, kommt spezialisierte Technik zum Einsatz. Florian Guttenberger treibt bei…

Das könnte Sie auch interessieren

Abfall neu und nachhaltig gedacht

Interview mit Andreas Opelt, CEO der Saubermacher Dienstleistungs AG

Abfall neu und nachhaltig gedacht

Die Abfallwirtschaft ist weit mehr als die reine Entsorgung von Abfällen – sie ist ein zentraler Baustein für eine nachhaltige Zukunft. Im Fokus steht die Kreislaufwirtschaft, die darauf abzielt, Materialien…

Zukunftsfähige Städte aus Konversionsflächen

Interview mit Davut Deletioglu, Geschäftsführer und Max Deletioglu, Verantwortlich für Betriebskonzepte und Nachhaltigkeitsstrategien der 3iPro GmbH

Zukunftsfähige Städte aus Konversionsflächen

Zwischen Konversion, Nachhaltigkeit und neuen Arbeitswelten entstehen in Mannheim Immobilienprojekte mit Vorbildcharakter. Wie die 3iPro GmbH ökologische Standards frühzeitig in die Planung integriert und welche Perspektiven sich daraus ergeben, erläutern…

TOP