„Wir denken nicht im Quartal, sondern in Generationen“

Interview mit Thomas Fischer, Geschäftsführer der MBI Deutschland GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Fischer, die Wurzeln Ihres Unternehmens liegen in Italien. Wie ist die MBI Deutschland GmbH entstanden?

Thomas Fischer: MBI Deutschland ist eine Tochter von Mantovanibenne aus Italien, einem Familienunternehmen, das 1963 gegründet wurde. Angefangen hat alles mit Baggerlöffeln – der Name „Benne“ steht ja genau dafür. In den 80er-Jahren kam dann der Fokus auf hydraulische Abbruchwerkzeuge. 2013 haben wir hier in Dresden die deutsche Gesellschaft gegründet, zum 50-jährigen Jubiläum des Mutterhauses. Heute betreuen wir von hier aus Deutschland, Österreich, Teile der Schweiz sowie Polen und Tschechien.

Wirtschaftsforum: Wofür steht MBI inhaltlich? Was ist Ihr Kerngeschäft?

Thomas Fischer: Unser Schwerpunkt liegt im Abbruch, Recycling und Materialumschlag. Wir liefern Schrottscheren, Pulverisierer und Abbruchzangen – Anbaugeräte für Bagger vom Mini- bis zum Großgerät. Das Besondere: Wir können praktisch jede Maschinengröße bedienen. Es gibt kaum einen Bagger, für den wir keine Lösung hätten. Und das ist in unserer Branche wirklich viel wert.

Wirtschaftsforum: Sie sind ein kleines Team. Wie funktioniert das in einem so großen Markt?

Thomas Fischer: Wir sind schlank aufgestellt – zwei Mitarbeiter und ich. Produziert wird in Italien. Wir verstehen uns als Großhändler mit starkem Support aus dem Werk. Unsere Struktur zwingt uns, schnell zu sein. Und genau das schätzen unsere Kunden: kurze Wege, direkte Ansprechpartner, keine Konzernschleifen.

Wirtschaftsforum: Geschwindigkeit als Erfolgsfaktor?

Thomas Fischer: Absolut. Gerade in der Corona-Zeit hat sich das gezeigt. Während viele Wettbewerber auf Kurzarbeit oder Homeoffice umgestellt haben, waren wir durchgehend erreichbar. Keine Abwesenheitsnotizen, kein Stillstand. Das hat Vertrauen geschaffen – und neue Partnerschaften. Wir haben damals nicht gebremst, sondern eher noch eine Schippe draufgelegt.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Sie darüber hinaus vom Wettbewerb?

Thomas Fischer: Ich höre immer wieder von Kunden: Eure Flexibilität ist anders. Wir denken eher wie eine Manufaktur als wie ein Konzern. Wenn ein Kunde einen Sonderwunsch hat, gehen wir ins Gespräch. Wir probieren Dinge aus, entwickeln mit ihm weiter. Und wir denken langfristig. Nicht im Quartal, sondern in fünf oder zehn Jahren. Hinter der Marke steht eine Familie – und die ist greifbar.

Wirtschaftsforum: Qualität spielt bei Ihnen eine zentrale Rolle?

Thomas Fischer: Ja, das war schon die Haltung des Firmengründers Alberto Mantovani: Qualität an erster Stelle. Wir wollen nicht das Gerät bauen, das kurzfristig die höchste Kraft hat, sondern das langlebigste. „Total Cost of Ownership“ ist da das Stichwort. Vielleicht sind wir in der Anschaffung nicht die günstigsten – aber über die Jahre gerechnet oft die wirtschaftlichste Lösung. Wir haben Maschinen im Einsatz, die über 20 Jahre alt sind und noch zuverlässig arbeiten. Das spricht für sich.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist in Ihrer Branche kein Selbstläufer. Wie gehen Sie damit um?

Thomas Fischer: Für uns beginnt Nachhaltigkeit bei der Langlebigkeit. Wir liefern Ersatzteile auch für sehr alte Geräte, bieten Werksüberholungen an und setzen auf möglichst langlebige Konstruktionen. Außerdem verwenden wir wasserbasierte Lacke statt chemischer Beschichtungen – auch wenn das nicht immer der bequemste Weg ist. Es geht um Verantwortung. Und die muss man auch leben.

Wirtschaftsforum: Wohin entwickelt sich der Markt?

Thomas Fischer: Unsere Geräte werden intelligenter. Wir arbeiten daran, dass sie mit dem Bagger kommunizieren, Verschleiß frühzeitig erkennen und Ressourcen sparen. Gleichzeitig beschäftigt uns die Elektrifizierung. Hydraulik ist stark, aber irgendwann stößt man physikalisch an Grenzen. Wenn die Trägermaschinen elektrischer werden, müssen auch wir neue Konzepte denken. Da sind wir dran – mit viel Herzblut.

Wirtschaftsforum: Ihr persönlicher Antrieb?

Thomas Fischer: Ich mag ehrliche Technik. Und ehrliche Beziehungen. Wir wollen gesund wachsen, unser Händlernetz weiter ausbauen und unsere Partner stärken. Der Markt ist anspruchsvoll, aber wer stabil arbeitet und langfristig denkt, hat gute Chancen. Genau das ist unser Weg.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

Von der Kerntechnologie bis zur Anwendung: Was Sauermanns Pumpen weltweit so erfolgreich macht

Interview mit Jeroen Keizer, General Manager von Sauermann Deutschland

Von der Kerntechnologie bis zur Anwendung: Was Sauermanns Pumpen weltweit so erfolgreich macht

Sauermann Deutschland ist Teil einer international aufgestellten Unternehmensgruppe mit französischen Wurzeln und jahrzehntelanger Erfahrung in der Entwicklung und Fertigung von Produkten und Dienstleistungen für die Industrie und den HVACR Markt.…

Nachhaltiges ultrareines Wasser für Pharma und Energie

Interview mit Pieter Hack, Geschäftsführer der Pure Water Group

Nachhaltiges ultrareines Wasser für Pharma und Energie

Mit den Lösungen der Pure Water Group wird aus Leitungswasser, je nach Anwendungsfall gegebenenfalls nach Umkehrosmose, ultrareines Wasser ohne Bakterien, Viren und Salze. Wie das Unternehmen mit einer entsprechenden Weiterentwicklung…

Flexibilität schlägt Standardisierung

Interview mit Thomas Kern, Prokurist der Automatic-Systeme Dreher GmbH

Flexibilität schlägt Standardisierung

Von der Stahlrolle zum Hitzeschutzschild oder Karosserieteilen bis hin zu Fensterbeschlägen: Überall wo Blech gebogen wird, kommen Lösungen der Automatic-Systeme Dreher GmbH zum Einsatz. Das 1968 gegründete Unternehmen hat sich…

Spannendes aus der Region Dresden

Next Level cAIRe, damit alle Patienten durchatmen können

Interview mit Torsten Bochannek, Geschäftsführer der Fachkrankenhaus Coswig GmbH

Next Level cAIRe, damit alle Patienten durchatmen können

Das Fachkrankenhaus Coswig hat sich auf die Behandlung des gesamten Krankheitsspektrums in der Pneumologie und Thoraxchirurgie bis hin zum Weaning spezialisiert und erreicht damit Jahr um Jahr hohe Fallzahlen an…

Mit Radiopharmaka Leben verbessern

Interview mit Jens Junker, CEO der ROTOP Pharmaka GmbH

Mit Radiopharmaka Leben verbessern

Am Standort der ROTOP Pharmaka GmbH in Dresden wird bereits seit 1958 im Bereich der Nuklearmedizin geforscht. Heute produziert das Unternehmen Pharmazeutika für die nuklearmedizinische Diagnostik, unter anderem im Bereich…

Wege aus dem Wettbewerbsdruck: Automatisieren, diversifizieren, vorangehen

Interview mit Dr. Ronald Bernstein, Geschäftsführer der BERGI-PLAST GmbH

Wege aus dem Wettbewerbsdruck: Automatisieren, diversifizieren, vorangehen

Steigende Kosten, globaler Wettbewerbsdruck und der rasche technologische Wandel fordern die Kunststoffindustrie heraus. Die BERGI-PLAST GmbH aus Bad Gottleuba-Berggießhübel begegnet diesen Entwicklungen mit konsequenter Automatisierung, digitaler Weiterentwicklung und einem klaren…

Das könnte Sie auch interessieren

Sicherheit in Reinform

Interview mit Dr. Simon Dietz, Geschäftsführer der GfPS mbH

Sicherheit in Reinform

„Love it, change it or leave it.“ Dieses von Henry Ford stammende Zitat ist für Dr. Simon Dietz, Geschäftsführer der GfPS mbH aus Aachen, ein wichtiger Leitspruch. In dem auf…

IT-Komplettanbieter mit familiären Werten

Interview mit Dr. Benjamin Strehl, Geschäftsführer der USU GmbH

IT-Komplettanbieter mit familiären Werten

Wer als Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig bleiben will, muss die digitale Transformation aktiv gestalten. Dabei geht es um mehr als ein technologisches Update; es geht um einen tiefgreifenden Wandel, der alle…

Großbau auf sicherer Basis

Interview mit Thomas Meyer, Gründer und Geschäftsführer der Meyer Erdbau GmbH

Großbau auf sicherer Basis

Bevor Bauwerke entstehen, müssen komplexe Aufgaben im Untergrund gelöst werden – präzise, terminsicher und in großen Dimensionen. Genau hier liegt die Stärke der Meyer Erdbau GmbH mit Sitz in Schönwalde-Glien…

TOP