Ganz stark eine schwierige Zeit gemeistert

Interview mit Daniel Jud, Geschäftsführer der Presswerk Struthütten GmbH

Die Presswerk Struthütten GmbH (PWS) ist als Erstausrüster für die Automobilindustrie auf komplexe Umformteile und Baugruppen spezialisiert. Das mittelständische Unternehmen verarbeitet Edelstähle unterschiedlichster Güte, unlegierte Stähle, Aluminium und Titan und realisiert als Entwicklungspartner komplette Projekte von der individuellen Problemlösung bis zum maßgeschneiderten Bauteil. Außerdem verfügt PWS über einen eigenen Werkzeugbau.

„Damit können wir Prototypen möglichst seriennah herstellen“, erklärt Geschäftsführer Daniel Jud, der das Unternehmen in vierter Generation leitet. „Mein Urgroßvater hat die Firma 1939 gegründet. Schon damals haben wir Umformwerkzeuge hergestellt.“

Feuer vernichtet komplettes Werk

Kurz nachdem Daniel Jud im Jahr 2015 im Alter von gerade einmal 28 in das Familienunternehmen eingestiegen war – Großvater und Vater sind beide früh verstorben –, und fünf Millionen EUR in eine neue 800-Tonnen-Doppel-Servopresse investiert wurden, wurde ein Werk durch ein verheerendes Feuer komplett zerstört.

„Es war alles weg und wir standen vor einem riesigen Haufen Asche“, beschreibt Daniel Jud das Unglück. „Dank unserer Versicherung ging das schnell, dank unserem Lieferanten konnten wir schon nach wenigen Tagen wieder schweißen. Dann haben wir sukzessive Anlagen zusammengesucht, um ein Jahr lang in einer Ausweichimmobilie zu fertigen. Parallel haben wir die Ruine abgerissen und neu gebaut. Nach einem Jahr haben wir dann groß Eröffnung feiern können, 2.000 m² Produktionsfläche wieder aufgebaut. Zuvor, von Januar bis April in der Ausweichsituation, haben wir rund um die Uhr gefertigt, händisch, primitiv, weil es keine Vollautomatik mehr gab. Unser Team hat sich in der Situation hervorragend bewährt, und auch unsere Kunden waren sehr beeindruckt. Wir haben es geschafft, immer zu liefern, und sind massiv gestärkt aus der Krise hervorgegangen.“ Heute erwirtschaften bei PWS rund 200 Mitarbeiter einen Umsatz in Höhe von 50 Millionen EUR.

Kernkompetenz Umformtechnik

Die Kernkompetenz von PWS liegt im Bereich Umformtechnik, insbesondere für Abgassysteme für Pkw und Lkw – im Prinzip für alles was fährt. „Wir sind im Tiefziehbereich unterwegs und haben uns entsprechend technisch aufgestellt“, erläutert Daniel Jud. „Wir können von klein bis groß alles fertigen und zu komplexen Baugruppen zusammenschweißen. Wir haben auch unseren eigenen Werkzeugbau. Wir wollen möglichst viel Kompetenz im eigenen Haus haben, um schnell und flexibel zu sein.“

PWS beliefert unter anderem die gesamte Volkswagen-Gruppe, aber auch große Zulieferer wie zum Beispiel den Abgasfilter-Spezialisten Boysen. „Qualität ist dabei natürlich das A und O“, sagt Daniel Jud, der als junger Chef den Spagat zu bewältigen hat zwischen Tradition bewahren und Neues wagen. „Ich werde öfters gefragt von Kunden oder Lieferanten, wie lange ich denn schon im Unternehmen sei. Dann sage ich 32 Jahre, da gucken die erstmal groß, aber es ist tatsächlich so. Von Kind an hat mir das Spaß gemacht. Ich liebe Technik und hatte Lust einzusteigen.“

Daniel Jud
„Wir sind massiv gestärkt aus der Krise hervorgegangen.“ Daniel JudGeschäftsführer

Trotz zunehmender E-Mobilität wird der Verbrennungsmotor uns noch eine ganze Weile begleiten. „Verbrennungsmotoren kann man noch nicht loswerden, aber sauber bekommen“, so Daniel Jud. „Da entwickeln unsere Kunden Lösungen und die sind ziemlich komplex in den Bauteilen. Und an dieser Stelle setzen wir an und entwickeln zum Beispiel Mischer, die im Abgasrohr sitzen.“

Dabei ist PWS in der Lage, alles abzudecken, vom Prototypen bis zur Serienfertigung im Millionen-Stück-Bereich. „Wir sind da sehr flexibel“, erklärt Daniel Jud. „Das gilt auch für unser weiteres Wachstum. Viele reden ja immer über Umsatz, aber das ist nicht unsere Priorität. Wir wollen das Niveau halten und ein Familienunternehmen bleiben, das ist und bleibt unser vorrangiges Ziel.“

Der Status des Familienbetriebs hilft außerdem bei der Nachwuchssuche. „Wir haben einen guten Ruf, dadurch bekommen wir regelmäßig gute Bewerbungen“, so Daniel Jud. „Wir helfen zudem bei privaten Problemen. Bei uns ist immer jemand ansprechbar. Die meisten fühlen sich wohler in einer überschaubaren Familie als in einem großen Konzern.“

Mehr zum Thema Industrielle Zulieferer

„Es gibt spannende Märkte jenseits der LED“

Interview mit Dr. Stefan Tews, Geschäftsführer der Litec-LLL GmbH

„Es gibt spannende Märkte jenseits der LED“

Einst als Ausgründung der Universität Greifswald entstanden, hat sich Litec-LLL über die Jahre eine spannende Nische im Leuchtstoffmarkt erarbeitet. Dabei setzt das Unternehmen vor allem auf Kunden, die für ihre…

Stille Helfer made in Switzerland

Interview mit Sandro Meier, Geschäftsführer der Hefe Schweiz AG

Stille Helfer made in Switzerland

Backhefe ist ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Lebensmittelherstellung und spielt insbesondere im Bäckerhandwerk eine zentrale Rolle. Der kleine Würfel ist ein lebender Zellorganismus, ein stiller Helfer, der Brot locker, aromatisch…

Die Kunst der feinen Drähte

Interview mit Sebastian Ablas, Geschäftsführer der Heinrich Stamm GmbH

Die Kunst der feinen Drähte

Präzision im Mikrometerbereich, jahrhundertealte Erfahrung und ein klarer Fokus auf Innovation: Die Heinrich Stamm GmbH aus Iserlohn zählt zu den Spezialisten der internationalen Drahtindustrie. Das traditionsreiche Unternehmen entwickelt und produziert…

Spannendes aus der Region Kreis Siegen-Wittgenstein

Zukunft im Maschinenbau gestalten

Interview mit Robert Nijland, Geschäftsführer und Sven Buchen, Technischer Vertrieb der DALEX Automation & Welding GmbH

Zukunft im Maschinenbau gestalten

Energiepreise, Investitionszurückhaltung und strukturelle Veränderungen stellen den Maschinenbau vor große Herausforderungen. Die DALEX Automation & Welding GmbH begegnet diesem Wandel mit einer umfassenden Neuaufstellung – von der ausgelagerten Fertigung bis…

Sie lassen niemanden fallen

Interview mit Michael Schüler, Technik- und Produktmanager bei Etanco, sowie mit Julian Wagner, Vertriebsleiter beim gleichen Unternehmen

Sie lassen niemanden fallen

Sicherheit, die funktioniert, entscheidet sich nicht im Katalog, sondern auf der Baustelle. Als Teil der Simpson Strong-Tie GmbH verbindet Etanco internationale Strukturen mit praxisnaher Technik und persönlicher Beratung. Wie die…

150 Jahre Erfahrung  in der Stahllogistik

Interview mit Steffen Siebel, Geschäftsführer der Gerhard Siebel GmbH

150 Jahre Erfahrung in der Stahllogistik

Stahlkomponenten weisen schon aus Sicherheitsgründen wesentlich komplexere Transportanforderungen auf als etwa Palettenware, betont Steffen Siebel, der nach dem Tod seines Vaters vor vier Jahren die Geschäftsführung seines 76 Lkw starken…

Das könnte Sie auch interessieren

Zwischen Genuss und Gesundheit: Neue Wege in der Spirituosenwelt

Interview mit Micaela Pallini, Geschäftsführerin der Pallini S.p.A.

Zwischen Genuss und Gesundheit: Neue Wege in der Spirituosenwelt

Die Spirituosenbranche befindet sich im Wandel: Neue Konsumgewohnheiten, steigende Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen und wachsende Anforderungen an Nachhaltigkeit prägen den Markt. Gleichzeitig bleiben die Herkunft und die Qualität eines Produkts…

BMW im Herzen, Weitblick im Gepäck

Interview mit Julian Schnapp, Prokurist der Autohaus Sperber GmbH & Co. KG

BMW im Herzen, Weitblick im Gepäck

Steigende Kosten, neue Marken, unsichere Politik – der Autohandel ist kein einfaches Pflaster. Autohaus Sperber aus Bamberg trotzt dem Gegenwind: Mit durchschnittlich 10 bis 12% Wachstum pro Jahr…

Fahrzeuge umfassend ­betreut

Interview mit Ingo Bessler, Geschäftsführender Gesellschafter der TÜ Technische Überwachung Taunus GmbH & Co. KG

Fahrzeuge umfassend ­betreut

Die Hauptuntersuchung ist für viele Autofahrer ein ungeliebter Pflichttermin. Die TÜ Technische Überwachung Taunus aus Oberursel zeigt jedoch, dass sich technisches Prüfgeschäft auch anders gestalten lässt: persönlicher, verständlicher und serviceorientierter.…

TOP