„Unternehmen schaffen Wohlstand – nicht Politik“

Interview mit Jens Lange, CEO der Heinrich Huhn Gruppe

Wirtschaftsforum: Herr Lange, Heinrich Huhn ist ein Traditionsunternehmen. Ist es bis heute seinen Kernbereichen treu geblieben?

Jens Lange: Richtig, das Unternehmen wurde 1912 gegründet. Seitdem sind wir in der Metallumformung tätig. Traditionell sind wir ein Automobilzulieferer, und das wird auch so bleiben. Aufgrund der seit mehreren Jahren vorhandenen Veränderungen in der Automobilbranche prüfen wir derzeit den Einstieg in andere herausfordernde Industriebereiche wie zum Beispiel die Luftfahrt. Wie alle anderen Automobilzulieferer auch, ist die Huhn-Gruppe den derzeitigen Unwägbarkeiten unterworfen und muss sich diesen nachträglich auch stellen. Für die Huhn-Gruppe bedeutet dies Diversifikation. Das heißt für uns im Detail Erweiterung unseres Produktportfolios, Ausbau unserer Engineering- und Testmöglichkeiten.

Wir müssen über unsere Komfortzone hinausdenken und Altbewährtes infrage stellen. Ein weiterer Gedanke ist, internationaler zu werden. Wir sind in Deutschland zu Hause, wissen aber, dass dies zur Zukunftssicherung nicht mehr langt. Wir müssen uns zügig den neuen Gegebenheiten anpassen.

Wirtschaftsforum: Was ist aus Ihrer Sicht so problematisch am Standort Deutschland?

Jens Lange: Nachhaltigkeit ist für Huhn, beziehungsweise die gesamte Branche, enorm wichtig. Das heißt die gesamte Branche muss sich transformieren. Leider wird in Berlin jedoch eine Politik ohne die Wirtschaft und die Menschen gemacht. Die Politik handelt aktuell nicht logisch, sondern ideologisch. Aus einem Motivationssystem ist ein Verbotssystem geworden. Die Politik sollte vernünftige Rahmenbedingungen für die Wirtschaft schaffen, denn Politik schafft keinen Wohlstand – Unternehmen und deren Mitarbeiter schaffen Wohlstand. Mein Wunsch wäre die Rückkehr zu einer liberalen Wirtschaftspolitik.

Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen derzeit aufgestellt?

Jens Lange: Wir haben Standorte in Deutschland und in der Slowakei. Im nächsten Jahr werden wir eine Produktionsstätte in Mexiko eröffnen. Insgesamt beschäftigt Huhn rund 500 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 125 Millionen EUR. Dazu muss man wissen: Bis 2021 befand sich das Unternehmen in Familienbesitz, ging jedoch im Zuge einer Insolvenz an Berylls Equity Partners über. Wir sind durch Restrukturierungsmaßnahmen schnell aus der Krise herausgekommen und konnten bereits in 2022 ein erhebliches Wachstum vorweisen.

Wirtschaftsforum: Was sind und waren Ihre Aufgaben bei diesem Neustart?

Jens Lange: Ich bin im Juli 2022 ins Unternehmen gekommen, nachdem ich als Maschinenbauingenieur bereits 25 Jahre in der Automobilindustrie tätig war. Nach der Insolvenz war ich als Fels in der Brandung gefordert, um den Mitarbeitern einen Halt zu geben. Durch eine klare Vision und Strategie konnte ich Unsicherheit durch Optimismus ersetzen. In einer solchen unsicheren Zeit wollen die Menschen wissen, wohin die Reise geht. Ich sehe mich als Integrator, Motivator und Visionär, und ich möchte den Beschäftigten ein Vorbild sein. Dazu muss man sich auch selbstkritisch hinterfragen. Viele unserer Mitarbeiter haben die Herausforderung angenommen.

Wirtschaftsforum: Was planen und erwarten Sie für die Zukunft?

Jens Lange: Als Heinrich Huhn Gruppe wollen wir uns global positionieren. Der Standort Mexiko ist wichtig für unsere langfristige Wachstumsstrategie. Was unser Portfolio angeht, wird der Bereich der Bauteile für Infotainmentsysteme weiterwachsen. Die Zukunft liegt in der neuen Antriebstechnologie. Hier wollen wir den Hochvolt-Batterie-Bereich für uns erschließen. Daneben werden wir weiterhin für die Automobilindus-trie in den Bereichen Fahrwerkkomponenten, Lenkungs- und Bremssysteme tätig sein.

Mehr zum Thema Automobil & Fahrzeugbau

„Ein Apartment auf Rädern“

Interview mit Franz Wieth, Geschäftsführer der PROTEC GmbH & Co. KG

„Ein Apartment auf Rädern“

Wer im Wohnmobil unterwegs ist, kennt das Dilemma: Entweder man fährt ein kompaktes, wendiges Fahrzeug und verzichtet auf Platz – oder man wählt den Luxusliner in Omnibusgröße, der in jeder…

Werkstätten im Takt der Technik

Interview mit Nicole Wolter, Geschäftsführerin und Andreas Wittig, Head of Product Portfolio Management der WABCOWÜRTH­ Workshop ServicesGmbH

Werkstätten im Takt der Technik

Die WABCOWÜRTH Workshop ServicesGmbH mit Sitz in Künzelsau ist ein international tätiger Anbieter von Diagnose- und Servicelösungen für Nutzfahrzeuge. Geschäftsführerin Nicole Wolter und Andreas Wittig, verantwortlich für das Product Portfolio…

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Interview mit Viktoria Steiner, Geschäftsführerin der raro plastics GmbH

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Die raro plastics GmbH steht für Präzision, Flexibilität und gewachsene Kompetenz in der Kunststoffverarbeitung. Geschäftsführerin Viktoria Steiner führt das Unternehmen mit hohem technischem Verständnis und klarem Blick für Kundenbedürfnisse. Im…

Spannendes aus der Region Kreis Olpe

Aus Geist Materie schaffen

Interview mit Michael Hümmeler, Gründer der LMD Innovator GmbH und André Hümmeler, Geschäftsführer der LMD GmbH

Aus Geist Materie schaffen

20 Jahre Innovation und Pioniergeist feierte die LMD GmbH mit Sitz in Lennestadt im Sauerland in diesem Jahr. Die Spezialisten für digitale Fertigung sehen sich als Problemlöser für ihre Kunden,…

Wasser ist Leben – sichere Trinkwasserversorgung

Interview mit Martin Lange, Geschäftsleitung, Vertrieb und Marketing der BEULCO GmbH & Co. KG

Wasser ist Leben – sichere Trinkwasserversorgung

Im Zuge des Klimawandels entsteht ein neues Bewusstsein für den Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen. Dazu zählt auch der Umgang mit Wasser, respektive Trinkwasser. Die BEULCO GmbH & Co. KG…

150 Jahre Erfahrung  in der Stahllogistik

Interview mit Steffen Siebel, Geschäftsführer der Gerhard Siebel GmbH

150 Jahre Erfahrung in der Stahllogistik

Stahlkomponenten weisen schon aus Sicherheitsgründen wesentlich komplexere Transportanforderungen auf als etwa Palettenware, betont Steffen Siebel, der nach dem Tod seines Vaters vor vier Jahren die Geschäftsführung seines 76 Lkw starken…

Das könnte Sie auch interessieren

Wenn Technik Kultur berührt

Interview mit Franca Borzaga, Gründungspartnerin und Mitglied des Verwaltungsrats Metal Working S.r.l.

Wenn Technik Kultur berührt

Aufzüge sind Alltagsinfrastruktur – bis sie plötzlich zum Prestigeprojekt werden: etwa dann, wenn ein Lift ins Kolosseum integriert werden soll, ohne jahrtausendealte Mauern anzutasten. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich…

Vier Säulen, ein Fundament

Interview mit Boris Wehner, Geschäftsführer der Wehner Metalltechnik GmbH & Co. KG

Vier Säulen, ein Fundament

Wenn auf Straßen Öl ausläuft, rücken Spezialmaschinen aus. Sie kommen nicht selten aus dem Hause Wehner Metalltechnik. Was als Kfz-Betrieb begann, hat sich über Jahrzehnte zu einem vielseitigen Metallverarbeitungsunternehmen entwickelt,…

Vom Familienbetrieb zur  Industriegruppe: Schornsteintechnik im strategischen Aufbruch

Interview mit Antonio ­Cervino, Geschäftsführer der Steegmüller Kaminoflex GmbH

Vom Familienbetrieb zur Industriegruppe: Schornsteintechnik im strategischen Aufbruch

Volatile Energiemärkte, politische Unsicherheiten und steigende Qualitätsanforderungen prägen die Schornsteinbranche. Die Steegmüller Kaminoflex GmbH steht für Systemkompetenz und Fertigungstiefe. Mit der Integration in die italienische EXPO Inox Gruppe beginnt ein…

TOP