Schwärmen für Stahl

Interview mit Stefan Berger, Geschäftsführer der Danieli Germany GmbH

„Unser Ziel ist es, neue Verfahren zu entwickeln, um die Eigenschaften des Stahls zu verbessern“, beschreibt Stefan Berger eine der Aufgaben der Danieli Germany GmbH. „So sparen wir zum Beispiel im Herstellungsprozess durch gezielte Kühlsysteme teure Legierungselemente ein. Außerdem haben wir einen Fokus auf Green Technology, also auf Verfahren und Methoden zur Energieeinsparung. Dazu gehören unter anderem Schmiersysteme im Walzwerk, die das Drehmoment reduzieren, wodurch die Energieeffizienz erhöht wird.“

Eigenes Stahlwerk

Ein Teil von Danieli Germany gehört innerhalb des Konzerns zum Produktbereich Danieli Wean United. Diese Marke der Danieli Gruppe ist in der Sparte der Flachwalzwerke tätig.

„Wir haben ein Projekt in den Niederlanden, bei dem wir innerhalb der Danieli Gruppe einen kompletten Antriebsstrang modernisieren“, beschreibt Stefan Berger einen aktuellen Auftrag. „Vom Hauptantriebsmotor bis zu den Walzen. Außerdem leisten wir technologische Unterstützung für ein dreistelliges Millionenprojekt in den USA, den Umbau einer Dünnbrammengieß- und -walzanlage.“

Das Leistungsspektrum von Danieli betrifft die gesamte Prozesskette der Eisen- und Stahlerzeugung, vom Hochofen bis zur Bandveredelungsanlage. Nachdem der Stahl zu Brammen gegossen wurde, werden die Brammen zu Dickblechen oder Coils im Warmwalzwerk ausgewalzt. Dem schließt sich der Kaltwalzprozess mit anschließender Veredelung in Bandbehandlungslinien bis hin zur Lackieranlage an. Von den mehr als 10.000 Beschäftigten der Firmengruppe arbeitet der größte Teil im Anlagenbau in Nordostitalien in der Nähe von Udine.Von den 11.000 Beschäftigten der Firmengruppe arbeitet der größte Teil im Anlagenbau in Nordostitalien in der Nähe von Udine.

„Wir haben auch eine eigene Stahlproduktion mit knapp 2.000 Beschäftigten in Udine, wo Sonderstähle gefertigt werden“, betont der Geschäftsführer. „Darüber hinaus betreiben wir eigene Werkstätten am Hauptsitz in Italien sowie in Thailand, China, Indien und Russland sowie im Iran. Unsere besondere Stärke ist unsere praxisorientierte Herangehensweise.“

Stefan Berger, Geschäftsführer
„Unsere besondere Stärke ist unsere praxisorientierte Herangehensweise.“ Stefan BergerGeschäftsführer

Drei Standorte

Duisburg ist einer der drei Standorte von Danieli in Deutschland. 2015 kam Stefan Berger gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Christian Bilgen zu Danieli mit dem Auftrag, in Duisburg ein Kompetenz-Center für Flachwalzwerke aufzubauen.

Neben der praxisorientierten Herangehensweise hat die beiden Ingenieure der besondere Fokus auf F+E überzeugt. So steht am Hauptsitz in Italien das Danieli Research Center, DRC. „DRC ist ein Forschungs- und Entwicklungszentrum, in dem Prototypen gebaut werden, um Verfahren zu testen“, erläutert Stefan Berger.

Am größten deutschen Standort im sauerländischen Meinerzhagen, bei Danieli Fröhling, arbeiten 120 der insgesamt 155 Beschäftigten von Danieli Germany. Das 1947 von Josef Fröhling gegründete Unternehmen ist auf Kaltwalzwerke und Präzisionslängsteilanlagen für NE- und FE-Legierungen spezialisiert und gehört seit 1999 zur Danieli Gruppe. Auf einem Grundstück von 20.000 m2 steht die 2.800 m2 große Montagehalle.

„Hier montieren wir Walzwerke, Längsteilanlagen, Automotive Recoiling Lines, Trommelscheren und weitere Hochleistungsmaschinen. Weitestgehend alle Anlagen unseres Produktportfolios werden komplett vormontiert und in Betrieb gesetzt, das heißt die Funktionen vor Auslieferung zum Kunden geprüft und mit Material getestet. Das verkürzt den Montage- und Inbetriebnahmeaufwand beim Kunden und die Anlagen gehen schneller in Produktion.“

Der dritte Standort in Deutschland liegt im hessischen Kassel mit einem Servicebüro von Danieli Centro Recycling, dem Unternehmensbereich Schrottverarbeitung für den deutschsprachigen Raum. Insgesamt erzielt Danieli Germany einen Umsatz von 60 Millionen EUR.

Erste QSP-DUE®

„Wir müssen dem Kunden ein ganzheitliches Konzept anbieten“, weiß Stefan Berger. „So bauen wir nicht nur die Maschinen, sondern statten sie mit eigener Elektrik und Automatisierung aus und verbinden sie mit unserem Prozess-Know-how zu einer ganzheitlichen Lösung. Das Ganze funktioniert aber nur, wenn wir mit dem Kunden ein interdisziplinäres Team bilden. Aus diesem Grund ist die Kunden- und Lösungsorientierung so wichtig.“

Rund 80 bis 90% der Produkte von Danieli Germany gehen in den weltweiten Export. Innovation ist eine der zentralen Kompetenzen innerhalb der Danieli-Gruppe. „Wir haben mit unserer QSP-DUE® zudem die erste Dünnbrammengieß- und -walzanlage für Coil-to-coil und Endlosbetrieb in Betrieb genommen“, sagt der Geschäftsführer. „Ihr sollen weitere folgen, daher sind wir dabei unsere Abläufe zu verbessern und unsere Produkte noch weiter zu optimieren.“

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