Der unsichtbare Marktführer

Interview mit Serdar Baysan, Geschäftsführer der German Special Alloys GmbH

Die Entwicklung zum Marktführer verlief außergewöhnlich. Serdar Baysan absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Zahntechnikermeister, musste seine handwerkliche Tätigkeit jedoch aufgrund eines Karpaltunnelsyndroms aufgeben. 2008 gründete er selbst eine eigene Dentalmarke. Die entscheidende Wende kam 2011 auf einer Kölner Fachmesse, als ihn Dr. Hans-Werner Gundlach – bis dahin Konkurrent – ansprach. Aus der Konkurrenz entwickelte sich eine strategische Partnerschaft. 2015 gründeten beide gemeinsam die German Special Alloys GmbH.

Der unsichtbare Marktführer

Das Geschäftsmodell des Unternehmens basiert auf einer Position im Hintergrund der Wertschöpfungskette. Die German Special Alloys GmbH produziert keine Endprodukte für Zahnärzte oder Patienten,

sondern beliefert etablierte Dentalmarken mit Speziallegierungen. Mit hoch automatisierten Produktionsanlagen verarbeitet das zehnköpfige Team seltene Erden wie Kobalt, Molybdän und Wolfram zu hochpräzisen Legierungen. Den entscheidenden Wettbewerbsvorteil erlangte das Unternehmen durch verschärfte EU-Regulierungen ab 2016. Die neuen Zertifizierungsanforderungen für Medizinprodukte zwangen zahlreiche Mitbewerber dazu, ihre Produktpaletten zu reduzieren oder auf vollständig zertifizierte Hersteller zurückzugreifen. German Special Alloys positionierte sich als erstes Unternehmen der Branche mit direkter Produktion und vollständiger Medizinproduktzulassung. Das führte dazu, dass die bisherige Konkurrenz nicht mehr mithalten konnte.

Kreislaufwirtschaft und Zukunftsperspektiven

Ein strategischer Fokus liegt auf Kreislaufwirtschaft. Das Unternehmen nimmt außer frischen Rohstoffen auch teilweise recycelte Stoffe aus verschiedenen Quellen durch Großhändler zurück und führt diese Materialien mit erlaubter Menge dem Produktionskreislauf, je nach chemischer Analyse, wieder zu. Dies reduziert die Abhängigkeit von volatilen Rohstoffmärkten, die derzeit durch geopolitische Spannungen geprägt sind. Insbesondere Kobalt, das 60% der Produktion ausmacht, unterliegt starken Preisschwankungen. Für die Zukunft plant Serdar Baysan ein moderates organisches Wachstum bei gleichzeitiger Konzentration auf das Kerngeschäft. Eine Veräußerung an die asiatische Konkurrenz schließt er kategorisch aus. Die größte Herausforderung sieht er jedoch, in der Nachfolgeplanung. Um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden, setzt das Unternehmen auf flexible Arbeitszeitmodelle, überdurchschnittliche Vergütung und moderne Kommunikationsstrukturen. Der Hidden Champion aus Willich beweist damit: Erfolg in einer Nischenbranche erfordert nicht nur technologisches Know-how, sondern auch den richtigen Umgang mit den Mitarbeitern und der nächsten Generation.

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