Zukunft in Stahl – nachhaltig, digital und partnerschaftlich

Interview mit Gregory Rombaut, Sales- und Marketingmanager der KS Service Center B.V.

Gegründet 1975 mit dem Schwerpunkt auf Stahlprofile, entwickelte sich die KS Service Center B.V. früh weiter. Um unabhängiger und effizienter zu arbeiten, wurde eine eigene Slitting Line installiert – der Grundstein des heutigen Unternehmens. Seit 2018 agiert das Unternehmen als eigenständige Einheit innerhalb der KS Industries Gruppe, zu der inzwischen acht spezialisierte Firmen gehören. KS Service Center beschäftigt rund 45 Mitarbeiter und produziert derzeit jährlich 140.000 t Stahl. Im Zentrum stehen Stahlbänder und -bleche, mit Fokus auf metallisch beschichtete Varianten wie Zink-Magnesium sowie gebeizten Stahl. Die Kunden kommen überwiegend aus der Bauindustrie, der Solarbranche, der Lagertechnik und – in kleinerem Umfang – aus der Landwirtschaft. „Mit unserer Dekollier- und Scherenlinie können wir schnell und präzise auf individuelle Kundenwünsche eingehen“, sagt Gregory Rombaut. „Doch was uns wirklich auszeichnet, ist unser Anspruch auf langfristige Partnerschaften. Über 90% unserer Kunden begleiten uns seit mehr als fünf Jahren.“ Ein weiterer Schwerpunkt ist die umfassende Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens – intern wie extern.

„Stahl gehört zu den CO2-intensivsten Industrien weltweit. Auch wenn wir ihn nicht selbst herstellen, tragen wir Verantwortung für unseren Beitrag“, betont Gregory Rombaut. Bereits heute stammen rund 30% des Strombedarfs aus der hauseigenen Photovoltaikanlage, der Rest aus zertifiziertem Grünstrom. Die gesamte Fahrzeugflotte ist elek­trisch, ebenso wie die innerbetrieblich eingesetzten Gabelstapler. Der Werksverkehr läuft mit Biodiesel, alle Stahlreste werden konsequent recycelt. Zudem wurde die Zulieferung der Stahlcoils von rund 40 Lkw-Fahrten pro Woche auf den umweltfreundlicheren Bahntransport umgestellt – möglich durch eine Kooperation mit einem benachbarten Güterbahnhof. Auch in anderen Bereichen setzt KS auf Energieeffizienz: Die Beleuchtung reagiert automatisch, die Gebäude werden rein elektrisch beheizt. Verpackungen bestehen ausschließlich aus zertifizierten Materialien. „Wir sind ISO 14001 zertifiziert und in der niederländischen CO2-Prestatieladder auf Stufe 3 eingestuft“, sagt Gregory Rombaut. „Doch wichtiger als Zertifikate ist unser Handeln. Nachhaltigkeit fließt bei uns in jede unternehmerische Entscheidung ein.“ Diese Haltung ist fest in der Unternehmensphilosophie verankert – auch durch CEO Leendert Noordzij, Sohn des Firmengründers. „Er ist ethisch davon überzeugt, dass wir unseren Beitrag leisten müssen – für unseren Planeten und für die nächsten Generationen“, so Gregory Rombaut. „Und wir glauben, dass Nachhaltigkeit künftig nicht nur eine Haltung ist, sondern ein echtes Verkaufsargument.“ Ein weiterer Vorteil ist das enge Netzwerk innerhalb der KS-Gruppe, das den Kunden echten Mehrwert bietet – etwa durch gezielte Verbindungen zu passenden Partnern oder Schwesterunternehmen. Zu den wichtigsten Märkten außerhalb der Niederlande zählen Belgien, Frankreich, Deutschland sowie Länder in Osteuropa, darunter Polen, Tschechien, Ungarn und Rumänien.

Digitalisierung, Marktbedingungen und Ausblick

Trotz starker Position bleibt der Markt herausfordernd. Vor der Pandemie war der Stahlmarkt vergleichsweise stabil – heute ist er hochgradig volatil. Preisschwankungen erschweren die Planung, geopolitische Unsicherheiten sowie eine spürbare Zurückhaltung im Bauwesen und zunehmend auch in der Solarbranche belasten das Geschäft. Besonders deutlich zeigt sich dies im niederländischen Solarsektor: Nach einer Phase starker Nachfrage ist der Markt inzwischen gesättigt, und es gilt neue Absatzmärkte zu erschließen. Parallel steigt der Preisdruck – Kunden verhandeln intensiver und zeigen sich deutlich kostenbewusster. „In Europa gelten strenge Umweltvorgaben, CO2-Zertifikate und hohe Energiekosten – das ist richtig und notwendig. Aber es erschwert den Wettbewerb mit Anbietern aus Regionen wie Asien oder Amerika, wo solche Regelungen oft fehlen“, betont Gregory Rombaut.Die Antwort des Unternehmens liegt in Effizienz, Schnelligkeit und Digitalisierung.

Intern arbeitet KS Service Center nahezu papierlos. Prozesse sind digital abgebildet, die internen Systeme vernetzt. Der nächste Schritt: Ein digitales Kundenportal, das aktuell getestet wird. Es soll künftig Bestellungen, Rechnungen und Zertifikate digital und rund um die Uhr zugänglich machen. „Parallel dazu bereiten wir gezielt KI-Projekte in unseren drei Kernbereichen – Vertrieb, Operations und Finanzen – vor“, erklärt Gregory Rombaut. „So wollen wir KI sowohl in unserer Lagerverwaltung als auch in unserer Umsatzprognose implementieren. Unser Ziel ist, nicht nur schneller, sondern auch intelligenter zu arbeiten.“ Auch Marketing und Außenauftritt entwickeln sich weiter. Neue Broschüren, ein Relaunch der Website sowie die Teilnahme an Branchenmessen wie der Blechexpo stärken das Profil als Premiumanbieter. Doch technische Innovation allein reicht nicht – es braucht auch ein Umdenken. Langfristig verfolgt die KS Service Center B.V. das Ziel, möglichst bald CO2-neutral zu arbeiten. Zwar ist das Interesse an nachhaltigem Stahl groß, doch der nötige Aufpreis sorgt vielerorts noch für Zurückhaltung. Umso wichtiger ist es dem Unternehmen, die ethische Notwendigkeit mit wirtschaftlicher Weitsicht zu verbinden – durch gezielte Investitionen und dauerhafte Kundenbeziehungen. Viele dieser Kontakte bestehen seit Jahren und basieren auf Vertrauen, nicht nur auf dem Preis. „Wer Verantwortung übernimmt, gewinnt auch Vertrauen“, fasst es Gregory Rombaut zusammen.

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