Grüne Gase: Wenn aus Biogas nachhaltige Energieträger werden

Interview mit Dr. Stefanie Kesting, Geschäftsführerin der ARCANUM Energy Systems GmbH & Co. KG

Es muss nicht immer der ganz große Wurf sein, wenn man heute über die Unabhängigkeit von Öl und Gas nachdenkt, sondern häufig sind es die kleinen Schritte und Lösungen, die helfen, langfristig unabhängig von diesen fossilen Brennstoffen zu werden. Die Technologien gibt es schon und auch die Unternehmen sind bereit für alternative Energien.

„Wir müssen vor allem positiver denken und nachhaltige Industrien fördern“, so Dr. Stefanie Kesting, die seit Februar Geschäftsführerin von ARCANUM ist und das Ziel des Unternehmens, einen Beitrag zu einer umweltfreundlichen und CO2-neutralen Gesellschaft zu leisten, hervorhebt. „Biomethananlagen, auf die wir unser Augenmerk richten, können entsprechend fortentwickelt werden, um die erneuerbare Energie zu liefern, die Öl und Gas ersetzen kann. Biomethan hat ein Riesenpotenzial, einen Beitrag zur Dekarbonisierung von Industrie und Mobilität zu leisten. Mit einer Erhöhung der derzeitig produzierten Biomethan-Menge auf etwa 100 TWh bis 2030 könnte perspektivisch ein Fünftel der russischen Erdgaslieferungen in Deutschland ersetzt werden.“

Das passende Know-how

Die Welt unabhängiger von klassischen Energieträgern zu machen, das ist schon lange das Bestreben der ARCANUM, die seit 2005 Anlagen und Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien initiiert, plant und umsetzt.

„Innerhalb der NEUMAN & ESSER GROUP bieten wir Komplettlösungen rund um die Produktion und Nutzung Grüner Gase für die Dekarbonisierung verschiedener Sektoren. Industrien wie zum Beispiel Glas- oder Zementproduktion und die Stahlherstellung, aber auch ÖPNV-Betriebe, Stadtwerke oder Kommunen müssen sich der Dekarbonisierung stellen. Oft sind Grüne Gase hier die beste Lösung. Und genau hier kommen wir ins Spiel und verbinden technisches und betriebswirtschaftliches Know-how bei der Planung und Umsetzung von Wasserstoff- sowie Biogas- beziehungsweise Biomethananlagen, die CO2-neutrale Energieträger produzieren.“

Führend am Markt

ARCANUM ist ein umfassender Lösungsanbieter für Biogasaufbereitungsanlagen für Biomethan, grünes CO2, BioLNG, BioCNG und grünen Wasserstoff. Herstellerunabhängig und technologieübergreifend werden Aufbereitungs- und Veredelungsanlagen projektiert, realisiert und im laufenden Betrieb umfassend betreut. Dabei steht die langfristige Wirtschaftlichkeit des Standortes mit all seinen Stoffströmen im Vordergrund. Deshalb wird auch die Vermarktung der Grünen Gase von ARCANUM mitgedacht und in der Unternehmensgruppe realisiert.

„Mit dieser kompletten Wertschöpfungskette sind wir am Markt einzigartig aufgestellt und durch das Gesamtangebot sind wir vielen weit voraus“, sagt Dr. Stefanie Kesting. „Durch den Krieg in der Ukraine und die daraus resultierenden Energieprobleme sind wir mit unserem Angebot in den Fokus gerückt. Wir können auch Kunden bedienen, die eine Idee, aber noch keine fertige Spezifikation für eine Anlage oder eine Kalkulation haben.“

Hinzu kommt, dass durch aktualisierte EU-Direktiven für erneuerbare Energien (RED 2), Grüne Gase insbesondere im Kraftstoffmarkt platziert werden können – eine Zertifizierung für Nachhaltigkeit vorausgesetzt. Da viele Zielgruppen, die ARCANUM bedient, wie Energieversorger, Kommunen, Landwirte sowie Industrie- und Gewerbebetriebe, hier bisher nur unzureichende Hilfe erfahren, sieht es die ARCANUM als ihre Aufgabe, diese Projekte vom betriebswirtschaftlichen und technischen Ansatz zu unterstützen und zu verwirklichen.

Alternativen gibt es schon

„Viele Kunden suchen dieses Rundum-sorglos-Paket. Sie brauchen Unterstützung. Es ist hier viel Beratung nötig. Wir haben uns lange überlegt, was wir als Unternehmen tun können, um Interessenten zu fördern, und gehen proaktiv an den Markt heran“, erläutert Dr. Stefanie Kesting. „Es muss in die Köpfe herein, dass es Alternativen gibt und dass wir Schritt für Schritt unabhängig von den bisherigen Gasströmen werden können.“

Dr. Stefanie Kesting, ARCANUM Energy Systems
„Es muss in die Köpfe herein, dass es Alternativen gibt und dass wir Schritt für Schritt unabhängig von den bisherigen Gasströmen werden können.“ Dr. Stefanie KestingGeschäftsführerin

Mit ihren über 1.300 Mitarbeitern ist die NEA GROUP heute weltweit tätig. In Deutschland betreut ARCANUM mehr als 40 Anlagen und bedient einen großen Kundenstamm. Die fortschreitende Internationalisierung ist aktuell ein wichtiges Thema. „Wir schließen Kooperationen, wenn es sich anbietet, und arbeiten gern mit Partnerunternehmen zusammen. Es ist oft besser, mit einem Partner mit lokalem Know-how zusammenzuarbeiten, als allein in einem Land unterwegs zu sein“, so Dr. Stefanie Kesting. „Wir gehen gern mit Partnern in neue Märkte, sind in vielen Ländern vertreten und können auf Vertriebskanäle zurückgreifen.“

Wichtige Märkte sind neben den USA und Asien auch Brasilien, Frankreich, und Osteuropa. Selbst aus dem Mittleren Osten, dem klassischen Erdölproduzenten, kommen Anfragen, denn auch hier erkennt man den Wandel und investiert in neue Techniken.

„Zusammenarbeit und Austausch sind wichtiger als je zuvor, um unsere Dienstleistung so schnell wie möglich noch bekannter zu machen. Die vorhandene Gasinfrastruktur können wir nutzen. CO2-mindernde Verfahren sind möglich, man kann umstellen. All das muss in den Köpfen der Menschen ankommen“, betont Dr. Stefanie Kesting. „Ich selbst bin für unsere Unternehmensgruppe optimistisch. Wir möchten nachhaltige Industrien fördern, damit wesentliche Wertschöpfungsstufen für die künftigen Clean Tech-Industrien nicht abwandern. Technik und Wertschöpfung müssen hier in Europa bleiben. Das Know-how für diese Technologien gibt es in Deutschland und in Europa. Diese Chance sollte viel stärker in den Fokus rücken.“

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