Teilhaben und gemeinsam verändern

Interview mit Stephan Frense, Geschäftsführer der ARGE NETZ GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Frense, die ARGE NETZ ist eine in Norddeutschland führende mittelständische Unternehmensgruppe im Bereich der erneuerbaren Energien. Wie sahen die wichtigsten Entwicklungsschritte bis heute aus?

Stephan Frense: Die Geschichte der ARGE NETZ begann 2009 mit dem Zusammenschluss einiger Bürgerwindparkbetreiber und war damals ein Novum in Schleswig-Holstein. Das ursprüngliche Ziel war, eine Alternative zur bestehenden Netzstruktur zu schaffen. Mit dem Zusammenschluss zur Arbeitsgemeinschaft NETZ bündelten sie Kräfte und merkten dabei schnell, dass andere Windparks ähnliche Interessen und Sorgen hatten. Die Energieversorgung lag bis dato in der Verantwortung großer Konzerne; jetzt traten erstmals Bürger und Mittelständler auf die Bühne, um sich aktiv zu beteiligen. Die Idee fand immer größeren Anklang, immer mehr Bürgerwindparks kamen dazu, sodass 2011 ein Geschäftsführer eingestellt wurde, um die Interessen noch gezielter in Politik und Verbänden platzieren zu können.

Wirtschaftsforum: Setzte sich diese dynamische Entwicklung fort?

Stephan Frense: Ja. Um sich Gehör zu verschaffen, wurde 2015 in Berlin ein Büro eingerichtet – heute haben hier fünf Mitarbeiter das Ohr direkt am Puls der Politik. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Schaffung eines virtuellen Kraftwerks 2014. Damals hat man 150 Bürgerwindparks zusammengeschaltet, um eine bessere Übersicht zu bekommen, um die eigenen Megawatts bündeln zu können, heute sind es dreimal so viele. 2015 wurde aus der ARGE heraus ein Direktvermarkter, die ANE energy, gegründet, die seit 2017 als eigenständige Gesellschaft erfolgreich agiert.

Wirtschaftsforum: Sie kamen 2019 zur ARGE NETZ. Welche Aufgaben warteten zu der Zeit auf Sie?

Stephan Frense: Es war die Zeit, als der Ausbau der Erneuerbaren stockte und unter anderem Senvion in die Insolvenz geriet; vor diesem Hintergrund wurde Wind- und Solarparkbetreibern plötzlich die Bedeutung guter Versicherungen bewusst. Deswegen wurde 2019 die ARGE KURANZ als eine auf den Mittelstand spezialisierte Versicherungstochter gegründet. Gleichzeitig kristallisierte sich immer stärker ein ganzheitlicher Anspruch heraus; ARGE NETZ wollte aus dem Mittelstand heraus die gesamte Wertschöpfungskette abdecken, nicht nur grünen Strom erzeugen und vermarkten, sondern diesen auch speichern. Mit der ARGE PROJEKT entstand deshalb 2022 eine Projektgesellschaft, in der sich Ingenieure und Techniker mit der Projektierung von Batteriespeichern beschäftigten. Zwei Jahre später wurde die erste Batteriespeichergesellschaft gegründet, ein weiteres Jahr später eine zweite. Eine dritte wird folgen. Es sind die einzigen Bürger-Batteriespeichergesellschaften in Deutschland! Die ARGE ist damit neue Wege gegangen; mit wenig Geld können sich Bürger an Windparks und Batteriespeicheranlagen beteiligen und die Energiewende nachhaltig voranbringen.

Wirtschaftsforum: Im Laufe der Jahre sind in der ARGE NETZ Gruppe einige Gesellschaften entstanden, die ihren Fokus auf erneuerbare Energien legen. Wie sieht die Struktur genau aus?

Stephan Frense: Der Hauptsitz der ARGE NETZ befindet sich in Husum und firmiert als Holding; unter ihrem Dach operieren Tochtergesellschaften wie die ARGE KURANZ, ARGE PROJEKT, die beiden Batteriespeichergesellschaften sowie die ANE energy. Daneben gibt es das Berliner Büro, in dem Politikwissenschaftler und Betriebswirte die Interessen mittelständischer Energieerzeuger in der Politik und den Verbänden vertreten und zum Beispiel dafür kämpfen, dass nicht zu viele Gaskraftwerke entstehen, sondern erneuerbare Energien und Speicherlösungen ausgebaut werden. Wir beschäftigen zurzeit 21 Mitarbeiter und arbeiten mit Joint Teams und Kooperationspartnern zusammen; durch die Windparks und Solarparks können wir für bestimmte Themen und für eine begrenzte Zeit spezialisierte Teams zusammenstellen. Inzwischen bündeln wir mit 470 Gesellschaften über 5000 MW, also Bürgerwindparks, Bürgersolarparks, Biogasanlagenbetreibergesellschaften, mit 19.800 Kommanditisten. Wir produzieren heute mehr als die Hälfte der gesamten Windenergie in Schleswig-Holstein.

Wirtschaftsforum: Die Zahlen sind eindeutig. Was sind die Gründe für diese Erfolgsgeschichte?

Stephan Frense: Eine der wichtigsten Erkenntnisse unserer Arbeit ist, dass man Menschen mit Teilhabe begeistern kann. Menschen einzubinden, sie teilhaben zu lassen, kann auch an anderer Stelle in der Gesellschaft viel verändern und bewegen. Hier in Schleswig-Holstein ist die Akzeptanz deshalb so groß, weil viele Menschen sich aktiv beteiligen, weil es ihre Anlagen sind.

Wirtschaftsforum: Welche Ideen verfolgen Sie in Zukunft?

Stephan Frense: Wir werden die Ursprungsidee von 2009, dass aus dem Mittelstand heraus aktiv Energiewirtschaft betrieben wird, weiter nach vorn bringen und daran arbeiten, bis 2035 Norddeutschlands führender Systemintegrator für erneuerbare Energien zu werden. Die Menschen, die in die Bürgerparks investieren und uns und den erneuerbaren Energien vertrauen, motivieren mich jeden Tag aufs Neue, diese Aufgabe gemeinsam mit einem hervorragenden Team anzugehen.

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