Zukunft aus Holz bauen

Interview mit Georg Nef, Geschäftsführer der Vögeli Holzbau AG

Wirtschaftsforum: Herr Nef, Sie haben eine lange persönliche Geschichte mit der Vögeli Holzbau AG. Wie verlief Ihr Weg vom Lehrling zum Geschäftsführer?

Georg Nef: Ich habe meine Ausbildung als Zimmermann hier bei Vögeli gemacht. Danach zog es mich zunächst in die Berge und ins Studium, ich habe Holzbauingenieurwesen studiert und anschließend bei einem großen Holzbauunternehmen gearbeitet. Als sich bei Vögeli die Frage der Nachfolge stellte, kam ich 2011 zurück. Für mich war das eine einzigartige Gelegenheit: Ich kannte die Kultur und die Menschen hier, und ich habe das enorme Potenzial des Holzbaus für die Zukunft gesehen. Heute leite ich das Unternehmen gemeinsam mit Peter Keller, wir sind beide Gesellschafter und teilen uns Verantwortung und Entscheidungsfreiheit. Diese unternehmerische Gestaltungsfreiheit war für mich immer eine große Motivation.

Wirtschaftsforum: Die Vögeli Holzbau AG ist heute sehr breit aufgestellt. Was zeichnet Sie besonders aus?

Georg Nef: Wir haben uns auf eine besondere Nische spezialisiert: den historischen Holzbau.Dazu gehören denkmalgeschützte Objekte wie Schlösser und Klöster. Wir haben beispielsweise am Schloss Lenzburg, am Schloss Hallwil oder in der Klosterkirche Wettingen gearbeitet. Solche Projekte erfordern Fachwissen und viel Erfahrung.

Wirtschaftsforum: Und gleichzeitig realisieren Sie auch moderne Projekte?

Georg Nef: Genau. Wir haben etwa eine große Wohnüberbauung mit 42 Wohneinheiten umgesetzt. Es ist uns wichtig, dass wir nicht nur in einem Bereich tätig sind. Durch unsere Struktur mit Architekten, Ingenieuren, Spenglerei und Holzbau können wir modular verschiedene Leistungen kombinieren. Das macht uns flexibel und stark.

Wirtschaftsforum: Gibt es eine Innovation, auf die Sie besonders stolz sind?

Georg Nef: Ja, unser historisches Dachfenster. Es wird unsichtbar unter Glasziegeln eingebaut, ist motorisiert und voll funktionsfähig. Soweit ich weiß, sind wir weltweit die Einzigen, die so etwas anbieten. Dieses Produkt eröffnet uns oft den Zugang zu Projekten, bei denen es keine ästhetisch überzeugenden Standardlösungen gibt.

Wirtschaftsforum: Der Holzbau erlebt durch den Klimawandel und Nachhaltigkeitsdebatten einen Aufschwung. Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie?

Georg Nef: Holz ist ein fantastischer Baustoff – ökologisch, erneuerbar und vielseitig. Aber die Ressource ist nicht unbegrenzt. Deshalb wird es immer wichtiger, effizient zu bauen, Materialien wiederzuverwenden und in Kreisläufen zu denken. Heute wird Holz oft nach einigen Jahrzehnten entsorgt oder verbrannt. In Zukunft wollen wir stärker darauf achten, dass Bauteile wiederverwendet werden können.

Ein zweites Thema ist die Automatisierung. Gemeinsam mit der Berner Fachhochschule haben wir ein Robotikkonzept für den Elementbau entwickelt, das einen durchgängigen, sauberen Prozess ermöglicht. Anders als marktgängige Systeme übernimmt unser Konzept auch das Materialhandling – die Arbeiter müssen nicht ständig eingreifen, sondern können sich auf andere Aufgaben konzentrieren. Zwar hat sich das Projekt durch die Insolvenz eines Lieferanten verzögert, aber wir sind überzeugt, dass dies ein wichtiger Schritt für die Zukunft ist.

Wirtschaftsforum: Neben Technik und Projekten – was ist Ihnen persönlich als Geschäftsführer besonders wichtig?

Georg Nef: Ganz klar: die Menschen. Unsere Unternehmenskultur ist seit jeher geprägt von Loyalität und gegenseitiger Unterstützung. Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt – und ich bin überzeugt, dass dies unser Erfolgsrezept ist. Wir fördern unsere Mitarbeitenden, unterstützen Weiterbildungen fast immer und wollen ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem man gerne bleibt.

Besonders stolz bin ich auf unsere Nachwuchsarbeit. Rund 20 Lernende sind derzeit bei uns in Ausbildung – Zimmerleute, Schreiner, Spengler und Hochbauzeichner. Es freut mich sehr, dass auch junge Frauen diesen Weg gehen: Wir bilden aktuell vier Zimmerinnen aus. Damit leisten wir einen Beitrag zur Zukunft des Handwerks und zur Vielfalt im Beruf.


Wirtschaftsforum: Wohin soll sich Vögeli Holzbau in den nächsten Jahren entwickeln?

Georg Nef: Wir haben unsere strategische Basis gelegt und sehen uns gut aufgestellt. Ja zum Wachstum – aber nicht um jeden Preis. Für uns steht im Vordergrund, qualitativ zu wachsen und als Arbeitgeber attraktiv zu sein. Projekte sollen Freude machen und unsere Mitarbeitenden fordern, ohne sie zu überfordern. Entscheidend ist, dass wir uns treu bleiben: innovativ, qualitätsbewusst – und immer mit dem Menschen im Mittelpunkt.

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