Wo Tradition klingt und Innovation mitschwingt

Interview mit Berthold Mollenhauer, Geschäftsführer der Conrad Mollenhauer GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Mollenhauer, wie kamen Sie in die Welt der Blockflöten?

Berthold Mollenhauer: Ich bin Maschinenbauingenieur und habe viele Jahre in der Entwicklung gearbeitet – zunächst in der Kameratechnik, später in der Medizintechnik. Als sich in der Familie die Frage stellte, wer die nächste Generation im Unternehmen antritt, war das für mich ein spannender Gedanke. Die Mollenhauer GmbH hat eine über 200-jährige Geschichte – das verpflichtet und inspiriert gleichermaßen. Ich bin dann 2017 in die Geschäftsführung eingestiegen und konnte meine technische Erfahrung in die Entwicklungsarbeit einbringen.

Wirtschaftsforum: Was war für Sie als Quereinsteiger besonders reizvoll an dieser neuen Aufgabe?

Berthold Mollenhauer: Zum einen natürlich die familiäre Tradition – man spürt sie in jedem Raum, in jeder Werkbank. Zum anderen die Möglichkeit, mit einem Produkt zu arbeiten, das Menschen unmittelbar berührt. Ein Musikinstrument entsteht ja nicht einfach industriell,

sondern mit viel Gefühl, Erfahrung und Handarbeit. Diese Verbindung aus Technik und Emotion finde ich faszinierend. Außerdem konnte ich viele Prozesse modernisieren, etwa durch CAD-gestützte Entwicklung und die Einführung digitaler Planungsstrukturen.

Wirtschaftsforum: Die Blockflöte ist heute Ihr Hauptprodukt. Welche Entwicklungen haben Sie in den letzten Jahren angestoßen?

Berthold Mollenhauer: Wir haben mehrere neue Modelle auf den Markt gebracht, darunter unsere aktuelle Schulblockflöte Fipple. Sie zeichnet sich durch verschiedene Kopffarben und einen besonders runden, harmonischen Klang aus. Zudem haben wir bei der Materialauswahl Neues gewagt – neben Birnbaumholz verwenden wir jetzt auch Ahorn, das optisch heller und akustisch sehr ausgewogen ist. Unser Ziel war es, ein Instrument zu schaffen, das im Klassenverband besser klingt und sich auch mit anderen Marken gut mischt. Pa­rallel arbeiten wir an der Weiterentwicklung unserer professionellen Serien.

Wirtschaftsforum: Mollenhauer hat sich auch mit innovativen Modellen wie der ‘Elody’ einen Namen gemacht. Was steckt hinter dieser modernen Blockflöte?

Berthold Mollenhauer: Die Elody ist tatsächlich ein Meilenstein für uns. Sie wurde auf der Basis unserer modernen Blockflöten entwickelt und kam 2013 auf den Markt. Es handelt sich um eine elektrisch verstärkte Blockflöte, die sich an E-Gitarren anlehnt: Sie kann über Tonabnehmer mit Effektgeräten verbunden werden und eröffnet dadurch völlig neue Klangwelten. So lässt sich die Blockflöte auch in Jazz, Rock oder Pop integrieren – eine echte Revolution für dieses In­strument.

Wirtschaftsforum: Handwerkliche Perfektion spielt bei Ihnen eine zentrale Rolle. Wie sieht die Produktion heute aus?

Berthold Mollenhauer: Wir produzieren ausschließlich am Standort Fulda, mit aktuell 31 Mitarbeitenden. Der Maschinenanteil ist hoch – etwa beim Drechseln oder Fräsen – aber je weiter ein In­strument im Herstellungsprozess fortschreitet, desto mehr Handarbeit steckt darin. Jede Flöte wird mehrfach geölt, poliert und individuell überprüft. Am Ende geht jedes Stück durch die Hände erfahrener Instrumentenmacher – und man hört, dass in jedem Instrument das Herzblut unserer Mitarbeitenden steckt.

Wirtschaftsforum: Wie steht es um die Internationalisierung – wo finden sich Ihre Märkte heute?

Berthold Mollenhauer: Unsere Instrumente gehen tatsächlich in alle Welt. Besonders stark ist der Absatz in Asien – etwa in Taiwan, wo Blockflötenunterricht zum Schulalltag gehört. Dort gibt es große Orchester mit bis zu 100 Spielern. Aber auch in Europa, Nord- und Südamerika schätzen Musiker die Präzision und Klangqualität unserer Flöten.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist in vielen Branchen ein zentrales Thema. Welche Bedeutung hat sie für Mollenhauer?

Berthold Mollenhauer: Eine sehr große. Wir beziehen unsere Hölzer überwiegend aus Europa, achten auf nachhaltige Forstwirtschaft und pflegen langjährige Lieferbeziehungen. Zudem haben wir Aufforstungsprojekte unterstützt und früh in energieeffiziente Gebäudetechnik investiert. Nachhaltigkeit ist bei uns kein Trend, sondern Teil unserer DNA – das gehört bei einem Familienunternehmen mit 200 Jahren Geschichte einfach dazu.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie die Zukunft der Conrad Mollenhauer GmbH?

Berthold Mollenhauer: Wir wollen unsere Position als hochwertige Manufaktur weiter stärken und gleichzeitig die digitale Entwicklung vorantreiben. Die Verbindung von traditionellem Handwerk und modernen Technologien ist der Schlüssel. Wichtig ist mir, dass Mollenhauer ein lebendiger Ort bleibt – ein Ort, an dem Menschen Musik, Handwerk und Gemeinschaft erleben. Wenn uns das gelingt, dann klingt unsere Zukunft so harmonisch wie unsere Flöten.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Die Kunst der Gebäudehülle

Interview mit Marcel Vorfeld, Geschäftsführer Heidersberger Fassadenbau GmbH

Die Kunst der Gebäudehülle

Gebäudehüllen müssen heute weit mehr leisten als Witterungsschutz. Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und anspruchsvolle Architektur stellen den Fassadenbau vor immer neue Herausforderungen. Die Heidersberger Fassadenbau GmbH entwickelt und realisiert hochwertige Aluminium-Glas-Fassaden für…

Kunden direkt vor Ort betreuen!

Interview mit Matthias Haarer, CEO der Eisenmann GmbH

Kunden direkt vor Ort betreuen!

Wenn Fahrzeugkarossen, Landmaschinen oder Industriebauteile effizient, nachhaltig und hoch automatisiert lackiert werden, steckt dahinter modernste Anlagen- und Fördertechnik. In diesem Umfeld hat sich der Anlagenbauer Eisenmann GmbH aus Böblingen als…

KI-Tools einsetzen ist einfach. Sie in eine gewachsene Unternehmensstruktur zu integrieren ist eine andere Disziplin.

Interview mit Gregor Draute, Geschäftsführer, Krankikom GmbH

KI-Tools einsetzen ist einfach. Sie in eine gewachsene Unternehmensstruktur zu integrieren ist eine andere Disziplin.

Alle werden schneller. Aber wer in regulierten Märkten arbeitet, mit Betriebsrat und Lieferkettengesetzen, kann nicht einfach loslegen. Gregor Draute über die zweite Chance der Digitalisierung und warum Erfahrung gerade wichtiger…

Spannendes aus der Region Landkreis Fulda

Formschön, zweckmäßig und umweltfreundlich

Interview mit Boris Antochin, Site Manager, Head of Sales & Marketing der Heinze Solutions GmbH/Niederlassung Gies

Formschön, zweckmäßig und umweltfreundlich

Mit farbenfrohen und innovativen Produkten für den Haushalt punktet die Marke Gies bei ihren Kunden. Die seit Kurzem zur Firmengruppe Heinze Solutions gehörende Niederlassung mit Sitz in Hauneck geht neue…

Bei ihm sind alle Sieger

Interview mit Abraham Braun, Geschäftsführer der Stieber GmbH & Co. KG

Bei ihm sind alle Sieger

Wer schon einmal einen Pokal als Schützenkönig oder eine Auszeichnung als bester Papa der Welt in Händen hielt, hielt sehr wahrscheinlich ein Produkt aus dem Hause Stieber GmbH & Co.…

Vier Säulen, ein Fundament

Interview mit Boris Wehner, Geschäftsführer der Wehner Metalltechnik GmbH & Co. KG

Vier Säulen, ein Fundament

Wenn auf Straßen Öl ausläuft, rücken Spezialmaschinen aus. Sie kommen nicht selten aus dem Hause Wehner Metalltechnik. Was als Kfz-Betrieb begann, hat sich über Jahrzehnte zu einem vielseitigen Metallverarbeitungsunternehmen entwickelt,…

Das könnte Sie auch interessieren

„Unser Kerngeschäft ist Massivholz“

Interview mit Moreno Vender, Geschäftsführer der Vender Legnami s.r.l.

„Unser Kerngeschäft ist Massivholz“

Holz ist einer der ältesten Baustoffe der Welt und zugleich einer, der heute aktueller denn je ist. Wer nachhaltig bauen, bestehende Gebäude sanieren oder historische Bausubstanz erhalten möchte, kommt an…

Das Sägewerk der Zukunft gestalten

Interview mit Alexander Gebele, Geschäftsführer der HOLTEC GmbH & Co. KG

Das Sägewerk der Zukunft gestalten

Steigende Energiepreise, Rohstoffknappheit und Digitalisierung setzen die Sägeindustrie massiv unter Druck. Gefragt sind effiziente, nachhaltige Komplettlösungen. Die HOLTEC GmbH & Co. KG aus Hellenthal zählt im Rundholzhandling zu den europäischen…

TOP