Vom Licht zur Lösung
Interview mit Dr. Alexander Guggenmos, CEO der UltraFast Innovations GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Guggenmos, Sie sind Geschäftsführer der UltraFast Innovations GmbH. Zu den Produkten, die Sie selbst besonders faszinieren, gehört der Light Field Synthesizer. Was genau kann dieses Gerät und wofür braucht man es?
Dr. Alexander Guggenmos: Vereinfacht gesagt zerlegen wir Licht in verschiedene spektrale Bereiche, manipulieren diese einzeln und setzen sie anschließend wieder zusammen. So können wir Licht gezielt formen und die Eigenschaften erzeugen, die für eine bestimmte Anwendung benötigt werden. Das zeigt, worum es bei unserer Arbeit geht: Wir stellen unseren Kunden optische Werkzeuge zur Verfügung, mit denen sie Dinge realisieren können, die sonst nicht möglich wären.
Wirtschaftsforum: Die Wurzeln dieser Technologie liegen in der Grundlagenforschung. Wie entstand daraus ein Unternehmen, das Forschung und Industrie mit hoch spezialisierten Optiken und Systemen beliefert?
Dr. Alexander Guggenmos: Die Forschungsgruppen von Prof. Ferenc Krausz an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Prof. Ulf Kleineberg am Max-Planck-Institut für Quantenoptik entwickelten spezielle Optiken für immer kürzere Laserpulse.
In der Attosekundenphysik machen solche Lichtpulse selbst Bewegungen von Elektronen beobachtbar. Aus dieser Arbeit entstand 2009 UFI als gemeinsames Spin-off, um die Technologie anderen Forschungseinrichtungen zugänglich zu machen. Noch im selben Jahr verkauften wir erste Spiegel, später kamen Instrumente hinzu. Heute verteilt sich unser Umsatz etwa zur Hälfte auf Optiken und Geräte. Der Physik-Nobelpreis 2023 für Ferenc Krausz unterstreicht das wissenschaftliche Niveau, aus dem UFI hervorgegangen ist.
Wirtschaftsforum: Sie haben das Unternehmen zunächst aus wissenschaftlicher Perspektive kennengelernt. Was fasziniert Sie persönlich daran, es nun als Geschäftsführer weiterzuentwickeln?
Dr. Alexander Guggenmos: Ich habe 2010 meine Doktorarbeit in der Gruppe von Ferenc Krausz begonnen und damals bereits UFI unterstützt. Heute macht es mir große Freude, die Entwicklung des Teams und des Unternehmens mitzugestalten. Wir übertragen Erkenntnisse aus der Spitzenforschung in industrielle Anwendungen und machen Technologien global verfügbar. Besonders spannend finde ich, wie aus wissenschaftlichen Erkenntnissen konkrete Anwendungen mit wirtschaftlichem Potenzial entstehen.
Wirtschaftsforum: Aus dem Forschungs-Spin-off ist ein Unternehmen mit rund 35 Mitarbeitenden geworden. Wie haben sich Märkte und Angebot entwickelt?
Dr. Alexander Guggenmos: Anfangs kamen unsere Kunden vor allem aus der Physik und Forschung. Inzwischen reichen die Anwendungen von physikalischer Chemie und Biologie bis zu industriellen Einsatzfeldern. Mit TUNDRA, unserem ersten kompletten optischen Messsystem, haben wir gezeigt, dass unsere Kompetenz über einzelne Optiken hinausgeht. Heute bieten wir Komponenten, Geräte und komplette Lösungen. Unsere Stärke ist, vom gewünschten Ergebnis her zu denken: Der Kunde beschreibt sein Ziel, und wir entwickeln die passende optische Lösung. Design, Fertigung, Beschichtung und Charakterisierung decken wir weitgehend selbst ab; rund 70% unserer Optiken sind kundenspezifisch.
Wirtschaftsforum: Besonders große Chancen sehen Sie in der Trägheitsfusion.
Dr. Alexander Guggenmos: Dabei werden zahlreiche leistungsstarke Laser auf ein kleines Target gerichtet, um die Bedingungen für eine Kernfusion zu erzeugen. Dafür braucht man unter anderem sehr große Optiken mit extrem hoher Zerstörschwelle. Hier können wir Know-how aus der Attosekundenphysik einsetzen. Wir arbeiten an Optiken mit Durchmessern von bis zu 1 m und sehen darin einen großen Zukunftsmarkt. Langfristiges Ziel ist, die Kernfusion für die Energieerzeugung nutzbar zu machen.
Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie darüber hinaus wichtige Zukunftsmärkte, und welche Rolle spielt KI für UFI?
Dr. Alexander Guggenmos: Großes Potenzial sehen wir in der Ultrakurzpuls-Lasermaterialbearbeitung, etwa beim Advanced Packaging in der Halbleiterindustrie, aber auch in der Lithographie und Lithographie-Inspektion.
Laser sind heute von der Chipherstellung bis zur Medizintechnik unverzichtbar, und ständig kommen neue Anwendungen hinzu. KI setzen wir bereits für Analysen und Optimierungen ein; zugleich digitalisieren wir unsere Prozesse von der Fertigungssteuerung bis zur Inline-Messtechnik bei Beschichtungen. In einem Markt, der sich so schnell entwickelt, halte ich es für das größere Risiko, zu lange zu warten und den Anschluss zu verlieren.
Wirtschaftsforum: UFI ist bereits international erfolgreich und will weiter wachsen. Welche nächsten Schritte haben Sie geplant?
Dr. Alexander Guggenmos: Mehr als 50% unseres Umsatzes erzielen wir außerhalb der Europäischen Union. In den USA arbeiten wir unter anderem mit Edmund Optics und Alio Labs zusammen, gleichzeitig setzen wir auf robuste Lieferketten mit einem Schwerpunkt in Europa. Auch am Standort schaffen wir die Voraussetzungen für weiteres Wachstum: In einem neuen Gebäude im Münchner Raum wollen wir auf rund 2.100 m2 unsere beiden bisherigen Standorte zusammenführen und zusätzliche Kapazitäten schaffen. Langfristig wollen wir UFI noch internationaler aufstellen – perspektivisch mit eigenen Fertigungs- und Supportstrukturen in wichtigen Märkten.












