Aus Betroffenen Beteiligte machen
Interview mit Florian Wollner, Geschäftsführer der enve print services GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Wollner, zum 1. April 2026 ist die enve print services GmbH, ein Traditionsbetrieb aus dem Großraum Augsburg, in der oberösterreichischen VENDO Kommunikation + Druck GmbH aufgegangen. Was waren dabei die Hintergründe?
Florian Wollner: enve print services hat sich in der Vergangenheit auf die Herstellung von Optikverpackungsprodukten beziehungsweise von Geschenkverpackungen im E-Commerce-Bereich spezialisiert. Die Veräußerung an VENDO, ebenfalls ein Familienunternehmen, erfolgte primär, weil für enve print services keine sinnvolle familieninterne Nachfolgeregelung gefunden werden konnte.
Wirtschaftsforum: Die Synergien liegen derweil auf der Hand.
Florian Wollner: VENDO hat sich über Jahrzehnte hinweg ein breit diversifiziertes Druckgeschäft aufgebaut, insbesondere mit hochvolumigen Druckprodukten für Versicherungen, Energieversorger, Kreditkartenanbieter und ähnliche Kunden, für die VENDO den digitalen
Rechnungsversand sowie die Zustellung der entsprechenden Dokumente auf dem postalischen Weg übernimmt. Daneben bieten wir verschiedenste Mailing- und Printlösungen für sämtliche Werbematerialien in allen gängigen Drucksorten an; ein klassisches Beispiel sind etwa Visitenkarten. Die bisher in Neusäß bei Augsburg beheimatete Optikproduktion von enve print services wurde nun an unseren Standort im österreichischen Vöcklabruck verlagert.
Wirtschaftsforum: Der neue Sitz von enve print services liegt in Gersthofen lediglich am anderen Ende von Augsburg, allerdings nun mit einem neuen Geschäftsmodell.
Florian Wollner: enve print services wandelt sich gerade vom Produktions- zum Handelsunternehmen, in dessen Zuge wir von nun an primär als lösungsorientierter Anbieter von Verpackungen im Optikbereich sowie als Preferred Supplier eines großen E-Commerce-Anbieters für Geschenkverpackungen im Markt auftreten wollen. Unser Leistungsspektrum soll sich dabei auf die gesamte Wertschöpfung in der Brillenindustrie erstrecken, vom Rohling über die Fertigung im Labor bis hin zum letzten Schliff beim Optiker.
Wirtschaftsforum: Wie unterschiedlich fallen die Verpackungsprodukte dabei aus?
Florian Wollner: In den riesigen Laboren der Hersteller, wo die Brillengläser dioptriert, geschliffen und – im Fall von Sonnenbrillen – gefärbt werden, sind nicht selten bis zu 1.000 Mitarbeitende im Einsatz, während die Verpackungsprozesse weitgehend automatisiert sind und deshalb so friktionsfrei wie möglich ablaufen müssen. Unsere Brillenglastaschen müssen also nicht nur höchsteffizient eingesetzt werden können, sondern gleichzeitig einen optimalen Schutz vor Kratzern bieten. Beim Optiker wird das Brillenglas schließlich in den Rahmen eingesetzt, bevor das fertige Produkt anschließend in einer Versandtasche verpackt wird, die enve print services ebenfalls bereitstellt, genauso wie Mikrofaserputztücher, -pouches sowie entsprechende Brillenhüllen. Dabei stehen wir über VENDO sowohl als verlängerte Werkbank zur Verfügung, als auch als Gesamtlösungsanbieter, der entsprechende Produkte über ein starkes Partnernetzwerk beziehen kann. Mit diesem breiten Ansatz unterstützen wir inzwischen neben unseren europäischen Kunden auch führende Labs in Nordamerika und Asien.
Wirtschaftsforum: Welche Vision verfolgen Sie bei enve print services für die nächsten Jahre?
Florian Wollner: Bis 2032 wollen wir klar zum bevorzugten Verpackungs- und Systempartner entlang der gesamten europäischen Optikwertschöpfungskette sowie von ausgewählten E-Commerce-Kunden avancieren. Dabei verbinden wir Verpackungsentwicklung, globales Sourcing, einheitliche Qualitätsstandards und lokale Lieferfähigkeit zu durchgängigen Lösungen, wobei wir die Komplexität und Versorgungsrisiken minimieren, Neuentwicklungen beschleunigen und stets die Total Cost of Ownership im Blick behalten wollen. Intern steckt hinter unserem Kulturwandel derweil das klare Ziel, stets vom Kundenerfolg her zu denken und dabei ausnahmslos zu halten, was wir versprechen. So wollen wir weiterhin jeden Tag ein Stück besser werden.
Wirtschaftsforum: Wie vollzieht sich dieser Kulturwandel bei enve print services genau?
Florian Wollner: Wenn eine solche Firma nach vielen Jahrzehnten plötzlich verkauft wird und der neue Geschäftsführer nicht nur von der anderen Seite des Lechs, sondern aus Österreich kommt, ist das natürlich eine deutliche Veränderung. Umso wichtiger war es uns, alle Mitarbeitenden von Anfang an in den damit einhergehenden Strategieprozess einzubeziehen und sie gleichzeitig wohlbehütet durch diese Transformation zu begleiten, um aus Betroffenen Beteiligte zu machen. In unserem Unternehmen steckt enorm viel Herzblut, mit einer tiefen Bindung der Mitarbeitenden an unsere Werte und Kultur, und gleichzeitig eine enorme Veränderungsbereitschaft sowie die unbändige Lust, Neues auszuprobieren. Uns alle eint, dass wir nicht auf Quick Wins aus sind, sondern in Ruhe eine nachhaltige Zukunft gestalten wollen. Schon in meinem Vorstellungsgespräch sagte mir einer der Inhaber, das wir nicht in Quartalszahlen, sondern in Generationen denken: eine tolle Perspektive, der ich mich auch persönlich verpflichtet fühle.






