Farbe im Regal, Charakter in der Tasse
Interview mit Ralf Heincke, Geschäftsführer der Kaffeerösterei Martermühle GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Heincke, Ihr beruflicher Weg begann nicht in der Lebensmittelbranche. Wie kamen Sie zum Kaffee?
Ralf Heincke: Ich habe Sport, Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert und anschließend viele Jahre im Fernsehen und in der Filmproduktion gearbeitet. Später war ich unter anderem als Berater für den Deutschen Skiverband bei Olympischen Spielen tätig und beschäftigte mich intensiv mit Persönlichkeitsentwicklung und Krisenmanagement. Irgendwann begann ich, am Wochenende einem befreundeten Röster über die Schulter zu schauen. Kaffee erschien mir als sehr emotionales und zugleich ehrliches Produkt. Als er mir seine alte Maschine anbot, griff ich zu. Auf einem Bauernhof gegenüber unserem Wohnhaus war Platz – und so fingen wir 2009 zu zweit an.
Wirtschaftsforum: Welche Meilensteine waren für die Entwicklung des Unternehmens entscheidend?
Ralf Heincke: Der erste große Schritt war die Aufnahme in das Sortiment eines örtlichen REWE-Markts. Für rund 50 EUR kauften wir ein einfaches Regal und stellten unsere Produkte hinein. Zwei Wochen später rief der Marktinhaber an: Das Regal war leer. Daraus entwickelte sich zunächst die Zusammenarbeit mit REWE, später auch mit EDEKA. Einen weiteren Schub brachte ein Vergleichstest der Fernsehsendung „Welt der Wunder“. Danach war der Ansturm auf unseren Onlineshop so groß, dass er zeitweise zusammenbrach.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielte der Aufbau einer professionellen Marke?
Ralf Heincke: Eine entscheidende. Anfangs hatten wir unsere Etiketten selbst gestaltet. Obwohl unsere finanziellen Mittel begrenzt waren, beauftragten wir später eine renommierte Münchner Markenagentur. Diese Investition mussten wir über mehrere Monate finanzieren, doch rückblickend war sie unser wichtigster und nachhaltigster Schritt. Wir wollten Farbe ins Kaffeeregal bringen, das damals stark von Schwarz-, Braun- und Naturtönen geprägt war. Unsere farbigen Verpackungen sorgten für Aufmerksamkeit und machten die Martermühle unverwechselbar.
Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Ihre Kaffees von industriell hergestellten Produkten?
Ralf Heincke: Unsere Stärke liegt in der Verbindung von Qualität, Marke und Konsequenz. Wir kaufen sehr hochwertige Rohkaffees ein und rösten sie traditionell im Trommelröster. Eine Charge umfasst 60 kg und wird 18 bis 20 Minuten geröstet. Das sorgt für viel Aroma und eine gute Verträglichkeit. An diesem Verfahren halten wir fest. Automatisierung nutzen wir dort, wo sie unsere Mitarbeitenden entlastet – etwa beim Abfüllen, beim Transport von Kartonagen oder bei der Lagerung in Edelstahlsilos. Der eigentliche Röstprozess bleibt jedoch handwerklich geprägt.
Wirtschaftsforum: Welche Produkte stehen besonders für die Martermühle?
Ralf Heincke: Unser bekanntester Espresso ist der „Espresso Caffè Autostrada“. Die Idee entstand auf einer Fahrt über den Brenner.
Wir wollten einen Espresso schaffen, der italienisches Lebensgefühl, Leichtigkeit und Genuss vermittelt. 2020 kürten ihn die Leser des Kaffeegenießer-Magazins crema zum „Espresso des Jahres“. Ebenfalls sehr erfolgreich ist die „Aßlinger Mischung“. Obwohl sie nach unserem kleinen Heimatort benannt ist, gehört sie deutschlandweit zu unseren meistverkauften Produkten.
Wirtschaftsforum: Was ist derzeit die größte Herausforderung?
Ralf Heincke: Ganz klar die Verfügbarkeit von hochwertigem Rohkaffee. Früher ging es bei langfristigen Kontrakten vor allem darum, einen guten Preis abzusichern. Heute lautet die zentrale Frage: Bekommen wir die benötigten Qualitäten überhaupt? Klimatische Veränderungen, starke Preisschwankungen und zusätzliche regulatorische Anforderungen verschärfen die Situation. Da wir bei der Qualität keine Abstriche machen wollen, ist eine vorausschauende Beschaffung für uns wichtiger denn je.
Wirtschaftsforum: Welche Ziele haben Sie für die kommenden Jahre?
Ralf Heincke: Wir möchten unsere Position weiter festigen und ausgewählte Produkte stärker überregional etablieren. Mein Ziel ist es, insbesondere den Espresso Caffè Autostrada auch in Städten wie Hamburg, Berlin, Frankfurt oder Stuttgart in ausgewählten Märkten anzubieten. Gleichzeitig wollen wir unsere Größe und unsere Beweglichkeit bewahren. Wir haben kurze Entscheidungswege, entwickeln neue Sorten und testen bereits künftige Verpackungslösungen. Wachstum ist für mich kein Selbstzweck.
Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie persönlich als Unternehmer?
Ralf Heincke: Ich identifiziere mich zu 100% mit der Marke und bin stolz auf das, was unser Team aufgebaut hat. Wir können schnell entscheiden und Ideen unmittelbar umsetzen. Entscheidend ist für mich, dass der gemeinsame Weg Freude macht.














