Ideen begreifbar machen
Interview mit Sebastian Jung, Geschäftsführer der Schröter Modell- und Formenbau GmbH

Sebastian Jung kennt Schröter von Grund auf. 1999 begann er hier seine Ausbildung, später wechselte er in die Serienentwicklung und anschließend zu einem Entwicklungsdienstleister. 2024 kehrte er zu Schröter zurück, seit Anfang 2026 trägt er als Geschäftsführer die operative Verantwortung.
Von der Idee zum greifbaren Modell
Die Aufgabe des Modellbauers beschreibt Jung treffend: „Modellbauer können Dinge immer in irgendeiner Form begreifbar machen.“ Aus Skizzen, CAD-Konstruktionen oder Ideen entstehen bei Schröter reale Modelle. Das Spektrum reicht von Design- und Materialkonzepten über Ergonomie- und Funktionsmodelle bis zu Prototypen vor dem Serienstart – vom Anschauungsmodell bis zum Modell im Maßstab 1:1. Die Kunden kommen aus der Automobilbranche und dem Rennsport, der Luft- und Raumfahrt, der Medizintechnik sowie der Verteidigungsindustrie. Der Großteil sitzt in Deutschland. Gerade im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld zahlt sich diese Vielfalt aus.
„Es ist schon immer noch schwierig, aber hier hilft uns wahnsinnig unsere Flexibilität“, sagt Jung. Flexibilität prägt auch die Organisation. Statt Werkstatt, Fräserei und Konstruktion strikt voneinander zu trennen, setzt Schröter auf umfassend qualifizierte Mitarbeitende. Wer konstruiert, kennt auch die Werkstatt und die CNC-Fertigung. Je nach Auftrag begleitet ein Teammitglied Konstruktion, Programmierung, Fertigung und Montage selbst. Das reduziert Schnittstellen.
Flexibilität beginnt im Kopf
„Die Flexibilität beginnt im Kopf“, sagt Jung. Mitarbeitende müssen sich auf neue Aufgaben und Anforderungen einstellen. Den Nachwuchs bildet Schröter selbst aus: Jährlich stellt das Unternehmen zwei Auszubildende ein, viele Beschäftigte wurden im eigenen Haus ausgebildet. Digitale Daten und programmierte Maschinen gehören längst zum Alltag. Bei Künstlicher Intelligenz sieht Jung im Prototypenbau bislang noch Grenzen, weil wiederkehrende Datensätze fehlen. In einem Förderprojekt untersuchte Schröter gemeinsam mit weiteren Unternehmen und einem Fraunhofer-Institut, ob Roboter das Schleifen von Bauteilen übernehmen können. Die Individualität der Werkstücke setzt der Automatisierung jedoch Grenzen. Wachstum um jeden Preis ist derzeit kein Ziel. Angesichts schwer planbarer Märkte wünscht sich Jung vor allem Stabilität und verlässlichere Perspektiven. „Ich fahr auf Sicht“, beschreibt er die Situation. Dennoch vertraut er auf eine Erholung des Standorts Deutschland. Schröter setzt dafür auf handwerkliches Können, moderne Fertigung und die Fähigkeit, Ideen greifbar zu machen.











