Gemeinsam auf Erfolgskurs

Interview mit Michelle da Silva, Leiterin des Europageschäfts der BikeExchange DE Vertriebs GmbH

Wirtschaftsforum: Frau da Silva, der stationäre Fahrradhandel steht heute vor der Herausforderung, digitale Vertriebskanäle aufzubauen und gleichzeitig seine persönlichen Stärken zu bewahren. Welche Rolle übernimmt ­BikeExchange in dieser Situation?

Michelle da Silva: Unsere Grundidee war von Anfang an, den stationären Fahrradhandel digital zu unterstützen – nicht ihn zu ersetzen. Wir verstehen uns als Partner der Fachhändler und möchten ihnen zusätzliche Reichweite, neue Kunden und die passenden digitalen Werkzeuge an die Hand geben. Beratung, Service und Werkstatt bleiben ihre größten Stärken. Wir übernehmen die digitale Infrastruktur im Hintergrund, damit sich die Händler auf ihre Kernkompetenz konzentrieren können. Über unsere Plattform können sie ihre Fahrräder online anbieten, ohne selbst komplexe E-Commerce-Prozesse aufbauen und betreuen zu müssen. Gleichzeitig bleiben sie für die Kunden sichtbar und erster Ansprechpartner. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit unseren Partnern zu wachsen und den Fachhandel fit für die digitale Zukunft zu machen. 

 

Wirtschaftsforum: Wie ist BikeExchange entstanden, und warum verfolgt das Unternehmen in Europa einen eigenen Ansatz?

Michelle da Silva: BikeExchange wurde 2007 in Australien als Onlineplattform für Fahrräder gegründet. Heute steuern wir unser Europageschäft von Würzburg aus und betreuen Deutschland, Österreich, Belgien und die Niederlande. Obwohl wir Teil einer internationalen Unternehmensgruppe sind, arbeiten wir weitgehend eigenständig, weil der europäische Fahrradhandel traditionell geprägt ist und andere Anforderungen an digitale Lösungen stellt. Viele Fachhändler sind stark im persönlichen Kundenkontakt und im Service, haben aber oft nur begrenzte Zeit und Ressourcen, um sich intensiv mit E-Commerce und digitalen Prozessen zu beschäftigen. Genau hier setzen wir an: Wir möchten ihnen den Einstieg in den Onlinehandel so einfach wie möglich machen. 

Wirtschaftsforum: Wie funktioniert das in der Praxis?

Michelle da Silva: Unsere Plattform verbindet sich direkt mit dem Warenwirtschaftssystem des Händlers. Lagerbestände werden automatisch synchronisiert, Bestellungen verarbeitet und verschiedene Zahlungs- sowie Leasingmodelle integriert. Auch Themen wie Versand, Zahlungsabwicklung oder Kundenservice übernehmen wir weitgehend im Hintergrund. Der Händler muss sich also nicht mit komplexen technischen Prozessen beschäftigen. Gleichzeitig bleibt für den Kunden jederzeit sichtbar, welches Fahrradgeschäft hinter dem Angebot steht. Das ist uns wichtig, denn wir möchten die Beziehung zwischen Händler und Kunde stärken und nicht ersetzen.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen von einer digitalen Infrastruktur für den Fachhandel. Wie ist diese entstanden, und wo steht ­BikeExchange heute?

Michelle da Silva: Die vergangenen zehn Jahre standen ganz im Zeichen unserer Technologieentwicklung. Anfangs arbeiteten wir mit externen Marketplace-Lösungen, die den Anforderungen der Fahrradbranche jedoch nicht gerecht wurden. Deshalb haben wir unsere eigene Plattform entwickelt. Seit Anfang dieses Jahres verfügen wir über eine vollständig selbst entwickelte Technologie, mit der unsere Händler Verkaufszahlen und Lagerbestände in Echtzeit auswerten sowie zahlreiche Prozesse automatisieren können. In Europa arbeiten inzwischen rund 250 Händler aktiv mit unserer Plattform, über die monatlich etwa 1.000 Fahrräder verkauft werden. Nach den Marktverwerfungen der vergangenen Jahre sehen wir gute Voraussetzungen für weiteres Wachstum – gemeinsam mit unseren Handelspartnern. 

Wirtschaftsforum: Europaweit betreut BikeExchange mehrere Märkte und ein wachsendes Händlernetzwerk. Was zeichnet Ihr Team aus?

Michelle da Silva: Wir sind ein vergleichsweise kleines Team mit weniger als 20 Mitarbeitern in Europa. Gerade deshalb profitieren wir von kurzen Entscheidungswegen und einer sehr engen Zusammenarbeit. Viele Kollegen sind selbst begeisterte Radfahrer und kennen die Bedürfnisse unserer Händler und Kunden aus eigener Erfahrung. Gleichzeitig arbeiten wir vollständig digital und können dadurch flexibel und schnell auf neue Anforderungen reagieren. Diese Kombination aus fachlicher Nähe, persönlicher Begeisterung und einer schlanken Organisation macht einen wichtigen Teil unseres Erfolgs aus. 

Wirtschaftsforum: Nachdem die technologische Basis nun geschaffen ist – wohin soll sich BikeExchange in den kommenden Jahren entwickeln?

Michelle da Silva: Unser Fokus liegt jetzt klar auf Wachstum. Wir möchten unser Netzwerk in Europa weiter ausbauen und mittelfristig weitere Märkte erschließen. Gleichzeitig entwickeln wir zusätzliche digitale Services, etwa für Zubehör, Werkstatttermine oder datenbasierte Analysen. Auch künstliche Intelligenz wird dabei künftig eine wichtige Rolle spielen. Für uns steht jedoch nie die Technik selbst im Mittelpunkt. Wir hören sehr genau zu, welche Anforderungen unsere Handelspartner haben, und entwickeln unsere Plattform konsequent daran weiter. Jede neue Funktion soll den Arbeitsalltag erleichtern, Prozesse vereinfachen und den Fachhandel dabei unterstützen, seine Kunden noch besser zu betreuen. Langfristig möchten wir der digitale Partner des europäischen Fahrradfachhandels sein und gemeinsam mit unseren Händlern die Chancen der Digitalisierung weiter erschließen.

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