Flexibilität für die Energiewende
Interview mit Christian Dorfner, Geschäftsführer der SK Verbundenergie AG

Wirtschaftsforum: Herr Dorfner, wie entstand die Idee hinter der SK Verbundenergie AG?
Christian Dorfner: Die Anfänge liegen etwa 15 Jahre zurück. Gemeinsam mit meinen Mitgründern haben wir uns damals mit erneuerbaren Energien beschäftigt und festgestellt, dass ein wesentlicher Baustein für die Energiewende fehlt: flexible, speicherbare grüne Energie. Wind- und Solaranlagen liefern Strom, wenn die Bedingungen passen. Für die Zeiten dazwischen braucht es jedoch Anlagen, die gezielt einspringen. Für uns war früh klar, dass Biogas hier eine besondere Rolle spielen kann.
Wirtschaftsforum: Die Energiewende basiert zunehmend auf dezentralen Erzeugern. Welche Rolle können Biogasanlagen dabei übernehmen?
Christian Dorfner: Der entscheidende Unterschied ist die Speicherbarkeit. Während Wind- und Solaranlagen von den Wetterbedingungen abhängen, kann Biogas zwischengespeichert und genau dann genutzt werden, wenn Energie benötigt wird. Darin liegt sein besonderer Wert für das Energiesystem. Die Anlagen müssen dafür allerdings anders betrieben werden als früher. Statt rund um die Uhr gleichmäßig Strom zu erzeugen, produzieren sie gezielt in Zeiten hoher Nachfrage und höherer Strompreise. Damit übernehmen sie eine ähnliche Funktion wie flexible Reservekraftwerke oder Pumpspeicher.
Wirtschaftsforum: Dafür braucht es eine digitale Steuerung.
Christian Dorfner: Wir haben früh erkannt, dass diese Aufgabe nur digital lösbar ist. Unsere Systeme erfassen die relevanten Daten der Anlagen, erstellen digitale Zwillinge und verbinden sie mit den Strommärkten. So entsteht ein virtuelles Kraftwerk. Algorithmen entscheiden, welche Anlage wann Strom liefern kann und wann sich die Einspeisung lohnt. Heute steuern wir auf diese Weise rund 500 Biogasanlagen in ganz Deutschland.
Wirtschaftsforum: Trotz aller Digitalisierung legen Sie großen Wert auf persönliche Betreuung. Warum?
Christian Dorfner: Weil unsere Kunden keine anonymen Großkonzerne sind. Wir arbeiten überwiegend mit mittelständischen Unternehmen und landwirtschaftlichen Betreibern, die oft erstmals mit Themen wie Flexibilisierung, Stromhandel oder virtuellen Kraftwerken in Berührung kommen. Deshalb investieren wir viel Zeit in Beratung und Aufklärung. Technologie ist wichtig, aber am Ende möchten unsere Kunden einen Ansprechpartner haben, der ihre Anlage kennt und erreichbar ist. Genau diese Kombination aus Softwarekompetenz und persönlicher Betreuung macht uns aus.
Wirtschaftsforum: Was bedeutet das für die Betreiber?
Christian Dorfner: Viele Biogasanlagen wurden ursprünglich als zusätzlicher Betriebszweig in der Landwirtschaft gebaut. Heute entstehen durch die Flexibilisierung neue Möglichkeiten. Wer Strom gezielt zu nachfragestarken Zeiten produziert, kann höhere Erlöse erzielen. Unser Ansatz ist dabei partnerschaftlich. Wir arbeiten mit einem Beteiligungsmodell, sodass Betreiber und wir dasselbe Ziel verfolgen: die vorhandenen Anlagen möglichst effizient einzusetzen.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Batteriespeicher inzwischen?
Christian Dorfner: Gerade bei großen PV-Anlagen gehören Batteriespeicher zunehmend zum Gesamtkonzept. Sie nehmen Strom auf, wenn viel Sonnenenergie verfügbar und der Preis niedrig ist, und geben ihn später ins Netz ab. Für uns ist das eine logische Erweiterung des Geschäftsmodells. Künftig werden außerdem Elektrolyseure und weitere flexible Verbraucher hinzukommen, die sich intelligent steuern lassen.
Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für die Energiewende?
Christian Dorfner: Weniger bei den Erzeugern als bei den Netzen. Viele Anlagen sind bereits digital steuerbar. Auch Verbraucher werden zunehmend intelligent vernetzt. Was noch fehlt, ist eine stärkere Digitalisierung der Netzinfrastruktur. Oft wird noch über zusätzliche Leitungen nachgedacht. Ich bin überzeugt, dass digitale Steuerung künftig eine wesentlich größere Rolle spielen wird, um bestehende Netze effizienter zu nutzen.
Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die Zukunft der Biogasanlagen?
Christian Dorfner: Ich würde mir wünschen, dass möglichst viele der bestehenden Anlagen erhalten bleiben und konsequent flexibilisiert werden. Sie sind nicht der größte Baustein der Energiewende, aber ein wertvoller. Biogas bietet speicherbare, erneuerbare Energie, ist dezentral verfügbar und kann das Stromsystem genau dann unterstützen, wenn andere erneuerbare Energien an ihre Grenzen stoßen.
Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgt die SK Verbundenergie AG für die kommenden Jahre?
Christian Dorfner: Wir wollen weiter wachsen, aber mit Augenmaß. Die Energiewende eröffnet zahlreiche Chancen, sei es bei flexiblen Biogasanlagen, Batteriespeichern oder künftig auch bei Wasserstoffanwendungen. Wir fühlen uns dabei im Mittelstand zu Hause und möchten Technologien entwickeln, die einen konkreten Beitrag leisten. Unser Anspruch ist nicht, die Welt zu beherrschen. Wir möchten das Puzzleteil liefern, das die Energiewende ein Stück besser macht.








