Mehr als Farbe
Interview mit Heiko Reinhardt, Geschäftsführer der Farben Reinhardt GmbH & Co. KG

Die Geschichte des Familienunternehmens reicht bis 1957 zurück. Anfang der 1960er-Jahre zog der von Heiko Reinhardts Vater gegründete Betrieb nach Stadtallendorf. Die Nähe zu Industrieunternehmen und zur Bundeswehr eröffnete neue Möglichkeiten. Später kamen Maler- und Putzarbeiten, Trockenbau und Autolackierung hinzu. Ende 1996 kehrte Heiko Reinhardt von der Meisterschule zurück und erschloss verstärkt den Markt in Marburg. Zu Spitzenzeiten beschäftigte das Unternehmen mehr als 100 Mitarbeitende. Heute sind es rund 85.
Vieles aus einer Hand
Im Innenausbau übernimmt Farben Reinhardt unter anderem Trockenbau, Estrich, Spachtel- und Malerarbeiten, Bodenbeläge und Beschichtungen. Weitere Gewerke werden bei Bedarf über Partnerbetriebe eingebunden. Ein besonderes Standbein ist das Lackierzentrum.
Neben Fahrzeugen werden dort Heizkörper, Türen, Möbel oder Küchenfronten aufgearbeitet. „Wir lackieren alles, worauf die Farbe hält“, bringt Heiko Reinhardt den Ansatz auf den Punkt. Die breite Aufstellung hilft auch im angespannten Baumarkt. Farben Reinhardt arbeitet für Privat-, Industrie- und Gewerbekunden und übernimmt Sanierungen sowie Brandschutzarbeiten. Das Unternehmen ist an zwei Standorten aktiv und konzentriert sich auf einen Radius von etwa 50 km.
Sanieren für die Zukunft
Potenzial sieht Heiko Reinhardt vor allem in der energetischen Sanierung. Am eigenen Hauptstandort wurden Gebäudehülle und Dach gedämmt, Fenster erneuert, eine Luftwärmepumpe installiert und die Lackierkabine von Gas auf Strom umgestellt. Eine Photovoltaikanlage ergänzt das Konzept. Heiko Reinhardt schätzt, dass das Unternehmen inzwischen rund 40% seines Energiebedarfs selbst erzeugt.
Auch Digitalisierung soll die Abläufe verbessern. Informationen und Fotos von Baustellen werden bereits digital übertragen. Künftig sollen Prozesse von der Dokumentation bis zur Abrechnung schneller werden. Auch für KI sieht Heiko Reinhardt Einsatzmöglichkeiten, etwa bei der Dokumentation oder bei Fragen auf der Baustelle. Das Handwerk werde dadurch jedoch nicht überflüssig: Gerade die Sanierung bestehender Gebäude brauche weiterhin praktisches Können. Bei Materialien rücken schadstoffärmere Lösungen und Kreisläufe stärker in den Fokus. Farben Reinhardt setzt unter anderem auf Kalk und Lehm und sammelt Materialien wie Gipskarton möglichst sortenrein zur Wiederverwertung. Für Heiko Reinhardt bleibt bei allen Veränderungen der Umgang miteinander zentral. Sein Grundsatz lautet, jeden Menschen so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Mit dieser Haltung will das Familienunternehmen im Team auch künftig bestehende Gebäude erhalten und fit für neue Anforderungen machen.








