Gebäudereinigung im Wandel

Interview mit Thomas Zenz, Geschäftsführer und Benjamin Oepke, Geschäftsführer der Stuttgarter Gebäudereinigung Venter GmbH & Co.KG

Wirtschaftsforum: Herr Zenz, Herr Oepke, seit inzwischen 66 Jahren tritt die Stuttgarter Gebäudereinigung Venter als „transparent, wirtschaftlich und kundenorientiert“ im Markt auf – welche Themen bewegen Sie und die Branche derzeit?

Benjamin Oepke: Es gibt verschiedene Entwicklungen, die für uns interessant sind – beispielsweise das staubbindende Wischen, das in der kommerziellen Reinigung noch lange nicht so stark Einzug gehalten hat wie im privaten Bereich, wo elektrostatische Tücher inzwischen sehr populär sind. Laut Studien können dadurch bei deutlich geringerem Reinigungsmitteleinsatz wesentlich mehr Verunreinigungen aufgenommen werden, sodass am Schluss ein hygienischeres Ergebnis steht. Auch das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt uns und unsere Kunden natürlich stark, wenngleich die Kosten angesichts der negativen gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Zeit wieder vermehrt in den Fokus gerückt sind. Wir treten hier jedoch weiterhin für vielfältige Innovationen ein – etwa mit probiotischen Reinigungsmitteln, die eine Schicht aus Mikroben hinterlassen, welche auf nachhaltige Weise Staub und Schmutz fressen.

Wirtschaftsforum: Im Zuge des allgegenwärtigen Fachkräftemangels sind viele Branchen zudem um Robotik und Automatisierung bemüht – gilt das auch für die Gebäudereinigung?

Benjamin Oepke: Inzwischen gibt es immer mehr Kunden, die nach entsprechenden Lösungen fragen – oft allerdings verbunden mit der Gretchenfrage: Wie viel Geld lässt sich dadurch einsparen? Zwar gibt es einige Fallbeispiele – etwa Flughäfen oder Einkaufszentren – wo sich durch Reinigungsroboter tatsächlich größere Kostenreduzierungen erreichen lassen. Zumindest bis die ersten funktionierenden humanoiden Roboter auf den Markt kommen, liegt der Fokus jedoch eher auf einer weiteren Verbesserung der Qualität. Natürlich ist uns klar, dass auch in absehbarer Zeit mit weiteren technologischen Innovationen zu rechnen ist, die unsere Branche vor neue Herausforderungen stellen werden. Den Reinigungsunternehmen dürfte dabei eine Schlüsselrolle in der Wertschöpfungskette zufallen – schließlich würde es den Roboterherstellern schwerfallen, direkt ein weltumspannendes Servicenetzwerk zu etablieren.

Wirtschaftsforum: Neben der klassischen Gebäudereinigung engagiert sich Ihr Unternehmen noch in vielfältigen weiteren Dienstleistungen.

Thomas Zenz: Unsere Mitarbeiter kümmern sich bedarfsweise auch um die Reinigung produzierender Maschinen. Gleichzeitig verfügen wir über eine gewachsene Kompetenz in der Bauschluss- und -sonderreinigung, der Pflege von Grünanlagen sowie in der Glasreinigung, wo besonders hohe fachliche Anforderungen herrschen. Daneben betreiben wir einen eigenen Winterdienst sowie mit dem Venter Servicepool eine Schwestergesellschaft, die auch angelagerte Facility Management-Aufgaben übernimmt.

Wirtschaftsforum: Insgesamt arbeiten über 1.200 Menschen für Ihre Unternehmen: eine beeindruckende Zahl und gleichzeitig eine enorme Verantwortung.

Thomas Zenz: Wir sind sehr stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben: Erst kürzlich durften wir ein Ehepaar beglückwünschen, von dem beide Partner seit jeweils 50 Jahren für uns tätig sind. In unseren Unternehmen arbeiten Menschen aus über 50 Nationen in allen Funktionen. So durften wir bereits an vielen erfolgreichen Integrationsbiografien Anteil haben. Nicht selten arbeiten dann auch mehrere Generationen einer Familie in unserem Betrieb: die eine in der Reinigung, die andere in der Verwaltung. Viele Menschen auf den mittleren und oberen Führungsebenen haben ihre Laufbahn bei uns als Reinigungskräfte begonnen – unter anderem ich selbst, während ich auf dem zweiten Bildungsweg mein Abitur nachgeholt habe.

Benjamin Oepke: Für mich ist unser Unternehmen schon deshalb eine Herzensangelegenheit, weil es damals von meinem Großvater gegründet wurde. Diese Geschichte möchte ich nun gemeinsam mit Thomas Zenz fortschreiben. Dank des Engagements unserer Mitarbeiter haben wir dafür ein tolles Fundament. Dieselbe Weitsicht würde ich mir so natürlich auch von unserer Bundesregierung wünschen – denn gerade befinden wir uns in der wohl größten technologischen und damit auch wirtschaftlichen und sozialen Transformation der Menschheitsgeschichte. Das erfordert aber auch ein entsprechend entschlossenes Handeln an höchster Stelle, was ich dort so leider nicht erkennen kann.

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