Nachhaltig, kundenorientiert und vielfältig

Interview mit Erik Füssgen, Geschäftsführer der Stadtwerke Oberkirch GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Füssgen, welche wichtigen Entwicklungen haben Sie in den letzten Jahren erfahren?

Erik Füssgen: Die große Herausforderung der letzten Jahre ist die Energiewende und damit verbunden natürlich auch der Klimaschutz. Dadurch sind unsere Geschäftsbereiche vielfältiger geworden, denken sie nur an die wachsende E-Mobilität oder den öffentlichen Nahverkehr. Letzterer muss unter dem Aspekt des Klimaschutzes betrachtet werden. Als Energieversorger haben wir uns hin zu einem Dienstleister entwickeln müssen. Unsere Aufgaben sind zwar vielfältiger geworden, aber gleichzeitig haben sich die Absatzmengen reduziert.

Wirtschaftsforum: Wie sind Sie heute aufgestellt?

Erik Füssgen: Wir sind ein kundenorientierter Dienstleister mit einem großen Portfolio von Strom, Gas, Wasser, Wärme, Mobilität und Nahverkehr bis hin zur Parkhausbewirtschaftung. Wir bieten alles über unseren Standort in Oberkirch an und wachsen dabei auch in die Region hinein.

Wirtschaftsforum: Wie stellen sich die Stadtwerke in Zahlen dar?

Erik Füssgen: Wir beschäftigen aktuell 40 Mitarbeiter und haben einen Umsatz von 22 Millionen EUR. Aktuell betreuen wir 21.000 Bürger. Durch nachhaltiges Agieren mit räumlicher Nähe zum Kunden können wir leichte Steigerungen bei den Kundenmengen verzeichnen. Wir sind unterstützend und beratend tätig und tauschen uns mit unseren Kunden in verschiedenen Bereichen aus. Wir sind auch Netzbetreiber – unsere Leistungen sind nach wie vor leitungsbasiert. Die Energiebelieferung geht nicht über eine Cloud und der physische Kontakt zum Kunden ist uns wichtig.

Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen sehen Sie?

Erik Füssgen: Durch den Fachkräftemangel müssen wir mithilfe wachsender Verbünde Fachkapazitäten erhalten und räumlich wachsen, etwa bei der Trinkwasserversorgung. Durch die Liberalisierung des Marktes hat sich zudem ein Wettbewerb entfacht, doch durch unser nachhaltiges Handeln werden wir von unseren Kunden geschätzt, sodass wir eine gute Kundenbindung haben. Aktuell sind die steigenden Energiepreise eine echte Herausforderung. Wir müssen die Eigenversorgung ausbauen, bei uns durch die Stärkung von Photovoltaik und Windkraft. Wir konnten in der Marktliberalisierung bestehen, doch nun stehen wir vor einer ganz neuen Herausforderung: Wie gehen wir in Krisenzeiten mit Energiepreisen um, um Abhängigkeiten zu reduzieren?

Wirtschaftsforum: Was wäre Ihre Botschaft an die Politik?

Erik Füssgen: Es muss eine Entbürokratisierung stattfinden. Die Überregulierung muss abgebaut werden, sodass wir uns im Tagesgeschäft auf innovative Entwicklungen konzentrieren können. Eminent wichtig ist eine intelligente Digitalisierung in der gesamten Versorgung, und zwar übergreifend. Meine Vorstellung wäre ein Flatstromtarif, der intelligent gesteuert wird, sodass im Hintergrund intelligente Netzlösungen greifen können.

Wirtschaftsforum: Wie entwickelt sich Ihr Portfolio?

Erik Füssgen: Es wird zunehmend breiter und komplexer. Heute ist die E-Mobilität sehr wichtig, die stark gefördert wird. Hier sehen wir eine weiter steigende Nachfrage

Wirtschaftsforum: Welche Zielgruppen sprechen Sie an?

Erik Füssgen: Unsere Kundenbeziehungen richten sich auf Arbeitnehmer, die unsere Dienstleistungen bezahlen, aber Kinder sind ebenso wichtig, sind sie doch unsere späteren Fachkräfte und Kunden, die die Energiewelt mitgestalten werden. Zunehmend rücken Rentner in den Fokus, die sich E-Mobilität und Eigenerzeugung des Stroms leisten können.

Wirtschaftsforum: Was sind Gründe für Ihren Erfolg am Markt?

Erik Füssgen: Unsere Kundennähe ist wichtig. Sie ergibt sich räumlich und durch die Vielfältigkeit des Portfolios. Wir werden als nachhaltiger und erreichbarer Dienstleister wahrgenommen.

Wirtschaftsforum: Wie sieht es bei Ihnen mit dem Fachkräftemangel aus?

Erik Füssgen: Bisher konnten wir alle Positionen besetzen, aber ich stelle fest, dass der Bildungsbereich Handwerk und Technik stark vernachlässigt wurde. Der Mainstream meinte lange Zeit, ein Studium müsse sein, doch dies führte in der Energieversorgung zum Fachkräftemangel. Ich glaube, dass sich diese Problematik eher noch verstärken wird. Da müssen wir unbedingt gegensteuern.

Wirtschaftsforum: Wie beschreiben Sie Ihre Unternehmenskultur?

Erik Füssgen: Wir tun viel für Gesundheit, Ausgeglichenheit, Transparenz und eine offene Kommunikation. Wir haben die Mission entwickelt, dass wir uns für den Kollegen genauso engagieren wie für den Kunden. Auch der Kollege kann Kunde sein.

Wirtschaftsforum: Wie geht es in den nächsten Jahren weiter?

Erik Füssgen: Wir wollen die wachsenden Herausforderungen meistern. Erneuerbare Energie in Form von Photovoltaik und Windkraft wird ein großes Thema werden und wir wollen als Unternehmen einen wesentlichen Beitrag in der Region leisten. Es braucht größere Speicherbänke, um regionale Energie zu speichern und ein vernünftiges Kostenniveau zu halten. Wir möchten unsere Mitarbeiter begeistern, genau wie auch unsere Kunden.

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