Von Konzertflügel bis Mars-Rover: Federn für alle Fälle

Interview mit Dr. Alexander Karl, CEO der SCHNORR® Gruppe

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Karl, wie nahm die Geschichte von SCHNORR® ihren Anfang?

Dr. Alexander Karl: Adolf Schnorr hat das Unternehmen 1908 in der Nähe von Stuttgart als Werkstatt für Stanzwerkzeuge gegründet. Nach dem Ersten Weltkrieg schwenkte er als Erster auf die serielle Herstellung von Tellerfedern um. 1956 zog die Firma an unseren jetzigen Standort nach Sindelfingen-Maichingen. Ein Meilenstein war die Entwicklung der SCHNORR®-Sicherungsscheibe in den 1960er-Jahren, mit der wir bis heute erfolgreich sind und die von allen wichtigen Großhändlern vertrieben wird. 1972 haben wir in den USA die erste ausländische Niederlassung gegründet und anschließend die Internationalisierung fortgesetzt. Heute sind wir weltweit durch Tochtergesellschaften und Vertriebspartner vertreten. Durch die Übernahme der Firma HUGO BAUER kamen wir 1995 zu unserem zweiten Produktionsstandort am Bodensee. Seit der Fusion 2011 sind beide Namen unter dem Dach von SCHNORR® vereint.

Wirtschaftsforum: Welche Ereignisse waren in den letzten Jahren wichtig?

Dr. Alexander Karl: Hier gab es einige Meilensteine, wie beispielsweise der Umzug in neue Gebäude und der damit einhergehende Beginn der Produktionssegmentierung. Zudem war die Anpassung der Vertriebsstruktur an Marktgegebenheiten eine Weichenstellung für die Zukunft.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie Ihre Aufgaben im Unternehmen – sind Sie der strategische Kopf oder auch im operativen Geschäft tätig?

Dr. Alexander Karl: Etwas von beidem ist notwendig. Zum 1. August dieses Jahres hat sich der bisherige CEO der SCHNORR® Gruppe zurückgezogen und ich habe seine Aufgabe übernommen. Ich bin seit vier Jahren im Unternehmen, war zunächst Vertriebsleiter und dann Geschäftsführer der SCHNORR® GmbH. Als CEO stehen natürlich die strategischen Aufgaben im Vordergrund. Bei unserer Größe mit 250 Mitarbeitern habe ich aber weiter den Bezug zum operativen Geschäft, das ist mir auch wichtig. Wir haben beispielsweise einen Gemba-Walk eingeführt, gehen also in die einzelnen Abteilungen und hören uns deren Nöte an. Hier übernehmen wir den japanischen Ansatz, sich weniger mit Meetings aufzuhalten, sondern die Lösung der Probleme direkt in Angriff zu nehmen.

Wirtschaftsforum: Wie steht SCHNORR® wirtschaftlich da und welche weitere Entwicklung erwarten Sie?

Dr. Alexander Karl: Für dieses Jahr erwarten wir einen Gesamtumsatz im Konzern von circa 48 Millionen EUR. Unsere Produkte unterstützen die unterschiedlichsten Anwendungen, auch in ungewöhnlichen Produkten wie zum Beispiel Konzertflügeln, Seilbahnen, Uhren, Luxusmöbeln, Bohrmaschinen, medizinischen Produkten. Sogar im Mars-Rover sind unsere Federn enthalten. Wie man sieht, hat der Industriebereich ein großes Potenzial. Die Herausforderung liegt aber darin, die Qualität und Wirtschaftlichkeit sowohl in der Fertigung von Massenprodukten als auch für Sonderfertigungen sicherzustellen. Im Automobilbereich sind wir unter anderem im Bereich Verbrenner unterwegs. Diese Segmente werden mittelfristig zurückgehen. Um das aufzufangen, beschäftigen wir uns derzeit mit E-Mobilität und Wasserstoffantrieb. Insgesamt planen wir mit einem stetigen moderaten Wachstum.

Wirtschaftsforum: Welche Ihrer Produkte stechen besonders hervor oder werden in Zukunft wichtig sein?

Dr. Alexander Karl: Sehr stark sind wir im Hochtemperaturbereich. In einigen Anwendungen entstehen Temperaturen um die 800 °C. Dafür bieten wir Produkte aus entsprechenden Werkstoffen. Selbstverständlich liegt ein Forschungsschwerpunkt auf Branchen wie Clean Energy und anderen Zukunftsmärkten. Unser Fokus wird auf höheren Produktanforderungen liegen. Dies bedeutet mehr Präzision, genauere Toleranzen, Verringerung der Relaxation, also der Ermüdung der Tellerfeder, und Verbesserung der Korrosionsbeständigkeit. Unser Ziel ist, Problemlöser und Qualitätsführer zu sein und weiterhin Qualität auch für besondere Anforderungen zu bieten. Die Entwicklung von Lösungen in Zusammenarbeit mit unseren Kunden ist eine unserer Stärken. Für uns ist es immer ein Anreiz, Produkte besser zu machen, als die gesetzlichen Anforderungen es verlangen.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?

Dr. Alexander Karl: Wir handeln kundenorientiert und gehen wertschätzend miteinander um. Probleme und Hindernisse gehen wir konstruktiv, bereichsübergreifend und ergebnisorientiert an. Wichtig ist uns hierbei insbesondere eine positive Denkweise, sowohl unseren Geschäftspartner gegenüber als auch im täglichen Umgang miteinander.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

In der Kälte liegt die Kraft – Ein Macher zwischen Tradition und Moderne

Interview mit Holger Putze, Geschäftsführer über die Kälte- und Klimatechnik Holger Putze GmbH

In der Kälte liegt die Kraft – Ein Macher zwischen Tradition und Moderne

Man muss sich das mal vorstellen: 1995 fangen die in einem ehemaligen Kinderzimmer an. Vier Leute, eine Garage, der pure Wille. Heute, 30 Jahre später, stehen sie da mit 20…

E-Rechnungspflicht: Wie Unternehmen ihre Prozesse digitalisieren können

Interview mit Nicolas de Beco, CEO der Banqup Group

E-Rechnungspflicht: Wie Unternehmen ihre Prozesse digitalisieren können

Lang angekündigt, kommt sie doch schneller als gedacht – die E-Rechnungspflicht. Damit stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, schnellstmöglich ihre Prozesse zu digitalisieren und zu optimieren. Die Banqup Group bietet…

Vom Tüftlertraum zur Poolrevolution

Interview mit Dipl.-Ing. Torsten Reuß, Geschäftsführer der TOSSTEC GmbH

Vom Tüftlertraum zur Poolrevolution

Immer mehr Hausbesitzer wünschen sich einen Pool im eigenen Garten – aber bitte ohne Chlorgeruch, rote Augen und dauerhaft hohe Betriebskosten. Naturpools und Schwimmteiche sind hier eine attraktive Alternative. Die…

Spannendes aus der Region Landkreis Böblingen

Automatisierte Verpackungstechnik

Interview mit Ernst-Martin Tröscher, Firmengründer & Prokurist und Leon Luis Lincoln Tröscher, Geschäftsführer der AVT Automatisierte Verpackungs-Technologie GmbH

Automatisierte Verpackungstechnik

Ob Medizintechnik, Industrie oder Spielwaren – die AVT Automatisierte Verpackungstechnologie GmbH hat sich mit maßgeschneiderten Sondermaschinen und ganzheitlichen Ansätzen einen festen Platz im Markt erarbeitet. Im Gespräch geben Gründer Ernst-Martin…

„Zufrieden, wenn der Kunde Geld verdient“

Interview mit Dr. Matthias Henyk, Geschäftsführer der Opelka GmbH

„Zufrieden, wenn der Kunde Geld verdient“

Die Opelka GmbH mit Sitz in Remseck am Neckar ist Spezialist für Maschinen zur Herstellung von Siedegebäck wie Berliner oder Donuts. Seit Anfang 2024 wird das Unternehmen von Dr. Matthias…

Ein Motor ist nur so gut wie seine Bauteile

Interview mit Oliver Schöttle, Geschäftsführer der SM Motorenteile GmbH

Ein Motor ist nur so gut wie seine Bauteile

Seit über 40 Jahren steht die SM Motorenteile GmbH aus dem Großraum Stuttgart nicht nur für technische Exzellenz, sondern auch für starke persönliche Werte in ihren gewachsenen Geschäftsbeziehungen entlang der…

Das könnte Sie auch interessieren

Wenn Standard nicht reicht

Interview mit Hubert Romoth, Geschäftsführer der TTS Transport- und Trennwandsysteme GmbH

Wenn Standard nicht reicht

Ob in Logistikzentren, Fertigungshallen oder der Automobilindustrie – Schutz- und Trennwandsysteme sind unverzichtbar für Sicherheit und Effizienz. Die TTS Transport- und Trennwandsysteme GmbH aus Werther setzt dabei seit 30 Jahren…

„Kein Freiraum zum Atmen“

Interview mit Anton Buresch, Geschäftsführer der Gerhard Rauch Ges.m.b.H.

„Kein Freiraum zum Atmen“

Die Gerhard Rauch Ges.m.b.H. in Trasdorf in Niederösterreich ist weltweit für ihre hochwertigen Bauteile und innovativen Stanzlösungen bekannt. Anton Buresch, geschäftsführender Gesellschafter, vertritt die 2. Generation im Familienunternehmen. Im Interview…

„Wir brauchen Mut zur Veränderung!“

Interview mit Axel Bürger, Geschäftsführer der BFI Stahlbausysteme GmbH & Co. KG

„Wir brauchen Mut zur Veränderung!“

Axel Bürger, Geschäftsführer der BFI Stahlbausysteme GmbH & Co. KG, tritt für mehr Mut für Veränderungen ein: unternehmerisch, wirtschaftlich, aber auch (gesellschafts-)politisch. Wie sein eigenes Unternehmen auf die vielfachen technologischen…

TOP