„Die Familienstruktur gibt uns klare Entscheidungswege“

Interview mit M.Sc. Jonas Plenge, Geschäftsführer der Plenge & Plenge GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Plenge, Sie sind die 3. Generation in Ihrem Familienunternehmen. War es für Sie immer klar, dass Sie in die Fußstapfen Ihres Vaters und Großvaters treten würden?

Jonas Plenge: Nein, das war nie eine Selbstverständlichkeit. Mein Opa, Rainer Plenge, hat das Unternehmen Mitte der 1990er-Jahre gegründet und mein Vater Jens hat es in einer schwierigen Phase übernommen. Ich selbst wollte nach dem Architekturstudium eigentlich ins Ausland – bis die Coronapandemie meine Pläne durchkreuzte. Ich habe dann hier ein kleines Projekt übernommen und war plötzlich mittendrin. Heute bin ich froh, diesen Weg gewählt zu haben. Es war anschließend eine bewusste Entscheidung, keine Pflicht.

Wirtschaftsforum: Sie haben Architektur studiert und sind jetzt Geschäftsführer. Wie haben Sie den Übergang vom Studium zur Unternehmensführung erlebt?

Jonas Plenge: Nach dem Studium habe ich zunächst Projekte geleitet und mich in das Unternehmen eingearbeitet. Seit Anfang 2026 führe ich das Unternehmen gemeinsam mit meinem Vater. Wichtig war uns, dass diese Entscheidung frei und nicht aufoktroyiert war.

Wirtschaftsforum: Ihr Unternehmen ist auf Industrie- und Gewerbebauten spezialisiert. Was macht Ihre Arbeit in diesem Bereich besonders?

Jonas Plenge: Wir planen nicht einfach Hallen – wir entwickeln Gebäude, die die Produktionsprozesse unserer Kunden optimal unterstützen. Nehmen Sie eine Lebensmittelfabrik: Hier geht es um Hygiene, Logistik und Automatisierung. Ein Maschinenbauer hat wieder völlig andere Anforderungen. Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir Architektur und Ingenieurleistungen – von der Statik bis zur Bauausführung – aus einer Hand anbieten. Das spart Zeit und vermeidet Schnittstellenprobleme.

Wirtschaftsforum: Wie sieht der konkrete Planungsprozess bei Ihnen aus?

Jonas Plenge: Zuerst analysieren wir Standort und Produktionsabläufe des Kunden. Wo kommt die Ware an? Wie fließen die Materialien? Dann entwickeln wir einen Masterplan. Erst wenn das Layout steht, geht es an die detaillierte Umsetzung. Unsere Zielvorgabe ist immer der Start der Produktion (SOP): der Tag, an dem der Kunde in seinem neuen Gebäude produzieren kann.

Wirtschaftsforum: Sie setzen stark auf Digitalisierung, etwa BIM oder Drohnen. Wie verändert das Ihre tägliche Arbeit?

Jonas Plenge: BIM ist für uns heute Standard. Komplexe Industrieprojekte lassen sich ohne digitale, mehrdimensionale Planung nicht mehr umsetzen. Wir nutzen 3D-Scans für Bestandsgebäude, Drohnen für Baustellenkontrollen und digitale Tools für den Austausch mit Kunden und Fachplanern. Das spart Fehler und Kosten. Intern optimieren wir ständig unsere Prozesse, um schneller und präziser zu arbeiten.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist ein großes Thema. Wie inte­grieren Sie das in Ihre Projekte?

Jonas Plenge: Wir beraten unsere Kunden zu energieeffizienten Lösungen, etwa PV-Anlagen oder Holzkonstruktionen. Aber Nachhaltigkeit muss sich auch rechnen. Unsere eigene PV-Anlage macht uns seit 2025 von März bis Oktober energieautark. Bei Kundenprojekten schauen wir immer, wo sich nachhaltige Maßnahmen wirtschaftlich umsetzen lassen.

Wirtschaftsforum: Ihr Unternehmen ist zu 100% in Familienhand. Wie prägt das die Unternehmenskultur?

Jonas Plenge: Die Familienstruktur gibt uns klare Entscheidungswege und eine flache Hierarchie. Jeder kennt jeden, und das schafft Vertrauen. Gleichzeitig steht unser Name für Verantwortung. Wenn ein Kunde unzufrieden ist, trifft das uns direkt. Das ist Motivation und Druck zugleich. Wir haben eine Kultur, die leistungsorientiert ist, aber trotzdem familiär bleibt. Regelmäßige Gespräche, gemeinsame Aktivitäten und ein offenes Ohr für alle. Das ist uns wichtig.

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie persönlich, jeden Morgen ins Büro zu gehen?

Jonas Plenge: Drei Dinge: Erstens der Ehrgeiz, das Unternehmen weiterzuentwickeln und irgendwann komplett zu übernehmen. Zweitens das Team: Kolleginnen und Kollegen, die sich einbringen und mit denen ich gemeinsam wachsen kann. Und drittens die Abwechslung. Im Industriebau gibt es keine Langeweile. Jedes Projekt ist anders, jede Herausforderung neu. Das macht den Job so spannend.

Wirtschaftsforum: Haben Sie einen Rat für andere Familienunternehmer?

Jonas Plenge: Bleiben Sie nahbar – für Kunden und für Ihre Mitarbeiter. Und seien Sie offen für neue Technologien. Aber das Wichtigste ist: Lebt eine Kultur, in der Leistung gefordert, aber auch wertgeschätzt wird. Das schafft Loyalität und Erfolg.

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