Wenn Engineering und Rohrleitungstechnik zusammenwachsen
Interview mit Dipl.-Ing. Michael Hüfner, Geschäftsführer der DSD Industrie Rohrtechnik GmbH

Die DSD Industrie Rohrtechnik GmbH wurde 2011 aus realisierungs- und engineeringorientiertem Personal gegründet. Ziel war es von Beginn an, Planung und Fertigung enger miteinander zu verzahnen. „Unsere Stärke liegt im Zusammenspiel von Engineering und praktischer Umsetzung ohne Schnittstellen“, erklärt Michael Hüfner. Gerade im industriellen Rohrleitungsbau würden Kunden Anforderungen oft zunächst nur grob definieren, weshalb technische Details und Dimensionen gemeinsam entwickelt werden müssten. Genau hier setzt DSD Industrie Rohrtechnik an: Das Unternehmen begleitet Projekte von der Vermessung über Konstruktion und Fertigung bis zur Montage und Inbetriebnahme aus einer Hand. Moderne Laserscanner liefern dabei die Basis für die 3D-Konstruktion. Verarbeitet werden Edelstahl, Stahl sowie glasfaserverstärkte Kunststoffe, wobei zuletzt vor allem metallische Rohrsysteme an Bedeutung gewonnen haben. Auch die Montageteams arbeiten dabei flexibel mit unterschiedlichen Werkstoffen. Viele Wettbewerber verfügten zwar über Fertigungskompetenz, nicht jedoch über vergleichbares Engineering im eigenen Haus. DSD Industrie Rohrtechnik beschäftigt heute knapp 60 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz zwischen 14 und 20 Millionen EUR. Rund 20 Beschäftigte arbeiten im Bereich Engineering und Verwaltung, die übrigen in Bauleitung, Fertigung und Produktion. Mit dem Wachstum der technischen Abteilungen wurde das Bürogebäude 2017 um die Häfte vergrößert. Gleichzeitig stiegen auch die Projektgrößen deutlich: Aus kleineren Aufträgen wurden zunehmend komplexe Industrieprojekte. Kunden aus Bereichen wie der Metallurgie, Kupferherstellung oder Düngemittelindustrie schätzten genau diese Verbindung aus Engineering und praktischer Umsetzung und seien bereit, diese Qualität entsprechend zu honorieren. Aktuell arbeitet das Unternehmen unter anderem an einem internationalen Forschungsprojekt rund um einen Teilchenbeschleuniger in Darmstadt und realisiert vereinzelt auch Projekte im Ausland, etwa in Belgien. Projekte im Ausland entstehen dabei meist im Konzernverbund, der europaweit beziehungsweise international aufgestellt ist.
Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Verantwortung
Die vergangenen Jahre brachten auch für DSD zahlreiche Herausforderungen mit sich. Pandemie, Ukrainekrieg und steigende Materialpreise hätten das Unternehmen zwar belastet, existenzielle Probleme seien jedoch ausgeblieben. Staatliche Hilfsprogramme mussten dabei nicht in Anspruch genommen werden. Michael Hüfner führt dies vor allem auf die breite Aufstellung des Unternehmens zurück: „Wir bedienen unterschiedliche Industriebereiche und sind dadurch weniger abhängig von einzelnen Märkten.“ Gleichzeitig investierte das Unternehmen frühzeitig in digitale Prozesse und moderne Infrastruktur. Während der Pandemie wurden technische Voraussetzungen geschaffen, damit vor allem die Engineering- und Verwaltungsbereiche im Homeoffice arbeiten konnten, während die Baustellen weiterhin praktisch vor Ort betrieben werden mussten. Zusätzliche Sicherheits- und Prüfauflagen sorgten dort zeitweise für deutlich höheren organisatorischen Aufwand. Zudem entwickelte DSD Industrie Rohrtechnik in den vergangenen Jahren ein eigenes Warenwirtschaftssystem zur Nachverfolgbarkeit von Projekten und Bauteilen. Auch das Thema KI wird bereits geprüft – allerdings mit Augenmaß. „Man muss die Prozesse finden, die sich wirklich wiederholen und gleichzeitig die Datensicherheit im Blick behalten“, betont Michael Hüfner. Digitale Prozesse prägen heute auch die Projektdokumentation: Wo früher große Mengen an Zeichnungen über Plotter ausgedruckt wurden, läuft inzwischen nahezu alles digital. Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine zunehmende Rolle. So investierte das Unternehmen unter anderem in eine große Photovoltaikanlage, moderne Wärmepumpentechnik und energieeffiziente LED-Beleuchtung. Auch die Warmwasseraufbereitung wurde entsprechend umgestellt. Zusätzlich werden Maßnahmen im Rahmen eines Umweltaudits kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt. Gleichzeitig bleibt das Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit bewusst realistisch. „Wir sind produzierendes Gewerbe – wir werden den Energieverbrauch nie auf null bringen“, sagt der Geschäftsführer. Für die kommenden Jahre steht vor allem Stabilität im Fokus. Große Wachstumssprünge plant Michael Hüfner bewusst nicht. Stattdessen sollen Prozesse weiter optimiert und neue Servicebereiche wie Wartung und Betreuung von Anlagen beim Kunden schrittweise ausgebaut werden. Das Unternehmen bildet duale Studenten und Anlagenmechaniker im Anlagenbau aus und bietet regelmäßig Schülerpraktika an; Michael Hüfner selbst bleibt durch seine Tätigkeit an der Hochschule eng mit dem technischen Nachwuchs verbunden. Besonders beschäftigt ihn jedoch die personelle Zukunft des Unternehmens. Vor allem in der Produktion fehle zunehmend qualifizierter Nachwuchs. „Da geht unglaublich viel Kompetenz in Rente und es kommt nicht genug nach“, sagt Michael Hüfner. Genau darin sieht er eine der größten Aufgaben der kommenden Jahre: erfahrenes Wissen zu sichern und gleichzeitig jungen Fachkräften Perspektiven zu bieten. Seine persönliche Motivation beschreibt der Geschäftsführer klar: „Ich mag Technik und ich sehe eine Verantwortung für die Menschen, die hier arbeiten, und deren Familien.“











