Dem Stillstand in der Baubranche trotzen

Interview mit Frank Hägermann, Geschäftsführer der Mindener Stahlhandel GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Hägermann, werfen wir einen Blick zurück – wie hat alles begonnen?

Frank Hägermann: Ich bin in Minden aufgewachsen, habe in einer kleinen Eisenbiegerei gelernt und war später fast 20 Jahre bei einem Großkonzern tätig. Nach der Lehman-Krise habe ich 2009 gemeinsam mit meinem heutigen Geschäftspartner Andreas Wachter den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Wir haben mit sechs Angestellten und einem Lkw angefangen. Heute gehören fünf Standorte zur Unternehmensgruppe – darunter Eberswalde, Goslar und Herford – und wir beschäftigen über 320 Mitarbeiter, gruppenweit sogar rund 500. Wir zählen mittlerweile zu den Top drei der Eisenbiegereien in Deutschland.

Wirtschaftsforum: Was ist das Kerngeschäft – was liefern Sie konkret?

Frank Hägermann: Ganz einfach gesagt: Wir kaufen Betonstahl ein, schneiden und biegen ihn nach Bewehrungsplänen und liefern ihn passgenau auf Baustellen oder an Betonfertigteilwerke. Unser Material steckt überall drin: in Brücken, Windkraftanlagen, Krankenhäusern, Polizeistationen – sogar im Kanzleramt. Unsere Kunden sind ausschließlich Profis: Bauunternehmen und Fertigteilwerke.

Wirtschaftsforum: Ein vielseitiges Geschäft. Wie behauptet man sich in einem so umkämpften Markt?

Frank Hägermann: Durch Nähe. Wir bauen auf Beziehungen. Ich komme selbst aus dem Außendienst – da weiß man: Menschen kaufen bei Menschen. Wir sind oft direkt beim Kunden, beraten vor Ort, halten Schulungen, bieten echte Lösungen. Und natürlich auch durch Innovation: Mit Bamtec bieten wir zum Beispiel eine industriell vorgefertigte Bewehrungslösung, die schneller und effizienter ist als klassische Verfahren.

Wirtschaftsforum: Wie funktioniert Bamtec genau?

Frank Hägermann: Statt vor Ort zu flechten, liefern wir maschinell gefertigte, maßgeschneiderte Bewehrungsteppiche direkt auf die Baustelle. Der Stahl liegt genau dort, wo er hin soll – das spart Zeit, Personal und Material. Besonders effektiv wird es, wenn wir früh in die Planung eingebunden sind. Dann kann man sogar die Statik optimieren und noch mehr herausholen.

Wirtschaftsforum: Wie nehmen Sie die aktuelle Lage in der Baubranche wahr?

Frank Hägermann: Es ist hart. Der Verbrauch von Betonstahl in Deutschland ist massiv eingebrochen – von 4,5 auf 3,5 Millionen t. Es wird zu wenig gebaut, vor allem im Wohnungsbau. Die Projekte, die noch laufen, sind fast ausschließlich öffentlich: Gefängnisse, Krankenhäuser, Infrastruktur. Die Gründe sind bekannt: hohe Baukosten, fehlende Förderung, Unsicherheit.

Wirtschaftsforum: Wie reagieren Sie auf so eine Entwicklung?

Frank Hägermann: Wir setzen auf das, was wir beeinflussen können: starke Kundenbindung, gute Beratung, verlässliche Leistung. Und wir investieren – trotz Krise. In Herford haben wir gerade einen neuen Standort aufgebaut, mit rund 7 Millionen EUR Investitionsvolumen. Die Pläne lagen schon lange in der Schublade – jetzt war der richtige Zeitpunkt.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Ihre Belegschaft für den Erfolg des Unternehmens?

Frank Hägermann: Unser Wachstum und unsere heutige Marktposition wären ohne das Engagement unserer Mitarbeiter bei uns nicht denkbar. Wir haben ein starkes, internationales Team mit Angestellten aus über 17 Nationen – das bringt nicht nur Vielfalt, sondern auch jede Menge Erfahrung und Perspektiven mit. Gleichzeitig setzen wir auf eine hohe Eigenständigkeit: Eigene Instandhaltung, eigene Lkw-Werkstatt, vieles läuft bei uns im Haus. Diese Unabhängigkeit macht uns stark – und das verdanken wir unseren Leuten.

Wirtschaftsforum: Und wie sichern Sie diesen Erfolg in Zukunft – gerade mit Blick auf den Nachwuchs?

Frank Hägermann: Da setzen wir ganz klar auf Ausbildung. Wir bilden gezielt selbst aus, weil wir wissen: Der Nachwuchs von heute ist die Führungskraft von morgen. Ohne unsere Azubis hätten wir das Wachstum der letzten Jahre gar nicht stemmen können. Viele bleiben – und übernehmen Verantwortung. Wir fördern das aktiv, zum Beispiel durch regelmäßige interne Schulungen, in denen es nicht nur um Fachliches geht, sondern auch um Einblicke in Marktstrukturen oder die Geschichte unseres Unternehmens. Wer versteht, warum etwas wichtig ist, bringt sich auch anders ein – und genau das brauchen wir.

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie angesichts der aktuellen Herausforderungen auf die Zukunft Ihrer Branche?

Frank Hägermann: Ich glaube fest daran, dass unsere Branche eine Zukunft hat. Der Bedarf an Wohnraum ist da, ebenso wie die Notwendigkeit für Infrastrukturprojekte, Energiewende, öffentliche Gebäude. Es wird also weiter gebaut – vielleicht nicht im selben Tempo wie früher, aber zielgerichteter, nachhaltiger und effizienter. Gleichzeitig wird sich auch die Art des Bauens verändern. Digitalisierung, Vorfertigung, neue Materialien – das alles hat Einfluss darauf, wie gebaut wird und was wir als Partner liefern müssen. Genau da sehe ich unseren Vorteil: Wir denken mit, wir beraten, wir entwickeln Lösungen mit unseren Kunden. Und: Wir setzen auf Technologie, wo sie sinnvoll ist, aber ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren. Wer das schafft, der wird auch in Zukunft gebraucht. Ich bin jedenfalls fest entschlossen, diesen Weg weiterzugehen. Nach 16 Jahren Selbstständigkeit weiß ich, dass es alles andere als ein leichter Weg ist. Aber es ist einer, den ich bewusst gehe, weil ich an das glaube, was wir tun – und weil ich Verantwortung trage: für unsere Mitarbeiter, für unsere Kunden, für das, was wir aufgebaut haben. Das hier ist mein Lebenswerk. Und Lebenswerke gibt man nicht einfach auf.

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