Klein, fein und robotergestützt
Interview mit Norbert Schmees, Geschäftsführer der Norbert Schmees Ladenbau GmbH

Die Geschichte beginnt 1949, als Norbert Schmees’ Vater eine kleine Tischlerei gründete. Der Sohn stieg früh ein, besorgte Aufträge und erkannte eine Chance, als 1989 die Grenzen öffneten und viele Unternehmen gen Osten drängten. „Im Westen wurde nach Unternehmen gesucht, die noch hier arbeiten“, erinnert Norbert Schmees. 1992 fiel die Entscheidung: kein allgemeiner Tischlereibetrieb mehr, sondern Ladenbau. Von da an war die Richtung klar. „Wir wollten nicht die Größten werden, wir wollten die Besten werden“, sagt Norbert Schmees. Groß gab es ja schon genug. Das Konzept, das seitdem das Unternehmen trägt, ist einfach und konsequent zugleich: alles aus einer Hand, möglichst wenig ausgelagert, maximale Fertigungstiefe. Der Kunde bringt ein Ladenlokal – Schmees bringt den Rest. Innenarchitekten planen, Techniker kalkulieren, Bauleiter koordinieren, eigene Monteure bauen ein. Ob Elektro, Trockenbau, Fassade oder Werbung: Fast jedes Gewerk wird selbst oder eng gesteuert abgewickelt. Heute beschäftigt das Unternehmen 84 Mitarbeiter, darunter elf Innenarchitekten, sechs Techniker und sechs technische Produktdesigner.
Emotion als Produkt
Das Kerngeschäft liegt im Foodbereich bei Bäckereien, Cafés, Markthallen und gastronomisch geprägten Verkaufsflächen. Eine Branche, die auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten vergleichsweise robust bleibt. „Essen müssen die Leute nunmal“, sagt Norbert Schmees trocken. Doch das eigentliche Produkt ist nicht Einrichtung, sondern Atmosphäre. „Wir verkaufen nur Emotionen“, bringt der Geschäftsführer es auf den Punkt. Ein Laden müsse so gestaltet sein, dass die Bedienung Spaß daran hat, acht Stunden am Tag zu lächeln. Um diese Emotion schon vor dem ersten Spatenstich spürbar zu machen, erstellt das Unternehmen fotorealistische 3D-Animationen inklusive Ware, Personal und Werbung. Parallel läuft im Hintergrund die Kalkulation: Zeichnet der Architekt eine Tür, erscheint sie automatisch im Angebot und in der Stückliste. Wird sie wieder gelöscht, verschwindet sie überall. Das sorgt für Vertrauen und das, was Norbert Schmees ‘Preisehrlichkeit’ nennt. „Die Kunden wissen genau, was sie erwarten dürfen.“
Roboter im Handwerksbetrieb
Was schmees in der Produktion aufgebaut hat, ist im deutschen Handwerk nach eigener Einschätzung einzigartig: Zwei Roboter arbeiten bereits im Betrieb. Eine vollautomatische Krananlage entnimmt Platten, legt sie auf die Säge. Der Zuschnitt erfolgt nachts, ohne Personal. Jedes Teil erhält dabei einen QR-Code, der es zu einem intelligenten Bauteil macht: Die nächste Maschine liest den Code, stellt sich selbstständig ein. Ein dritter Roboter soll folgen, der den gesamten Maschinenraum-Kreislauf ohne menschliches Zutun ermöglicht. Das Projekt entsteht in enger Zusammenarbeit mit großen Maschinenherstellern. Was das System so besonders macht, ist, dass die Digitalisierung nicht in der Produktion beginnt, sondern bereits am Reißbrett. Das bedeutet, Planung und Fertigung sind durchgehend miteinander verknüpft. Zeichnet der Architekt ein Bauteil, läuft im Hintergrund längst die Maschine mit. „Das gibt es meines Wissens noch gar nicht im Handwerk“, sagt Norbert Schmees. Angetrieben wird die Automatisierung nicht nur durch Effizienzstreben, sondern auch durch handfeste Notwendigkeit, denn Fachkräfte fehlen. Im Handwerk wird dieser Mangel laut Norbert Schmees seit Jahren durch die Bildungspolitik verschärft. „Es ist komplett am Markt vorbei gebildet worden.“ Seine Antwort darauf: selber ausbilden, moderne Maschinen und ein Betriebsklima, das Mitarbeitende hält. Das Unternehmen wirbt auf Instagram, geht in Schulen und Sportvereine.
Nachhaltigkeit als Geschäftsprinzip
Auch beim Thema Nachhaltigkeit geht Norbert Schmees eigene Wege. Das Unternehmen heizt ausschließlich mit eigenem Holzabfall. Eine Anlage saugt Stäube aus dem Zuschnitt ab, lagert sie zwischen und verbrennt sie im Winter zur Wärmegewinnung. Dazu kommen Photovoltaik auf dem Dach und ein wachsender Fuhrpark an Elektrofahrzeugen. „Holz ist sowieso ein nachwachsender Rohstoff“, sagt Norbert Schmees. Der Kreislauf schließe sich fast von selbst. Ob Kunden das honorieren? Nicht immer direkt, doch wer etwas biete, was andere nicht könnten, dürfe sich das auch leisten.
Solides Wachstum statt Größenwahn
Geografisch konzentriert sich Schmees auf Norddeutschland: Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein bilden den Kern, Berlin rückt näher. Expansionspläne in Richtung Süden gibt es, sie sind aber kein Selbstzweck. „Wachstum ist nicht unser erstes Ziel“, stellt Norbert Schmees klar. Wichtiger sei ein gut aufgestelltes, liquides Unternehmen auf solidem Fundament. Im deutschen Ladenbau für den Foodbereich gebe es in vergleichbarer Größenordnung maximal eine Handvoll Wettbewerber. Was Kunden bindet, sei letztlich das über Jahrzehnte aufgebaute Vertrauen, gestützt durch transparente Preise und verlässliche Lieferung. Viele kommen immer wieder. Was ihn selbst antreibt? „Die Freude an der Arbeit“, sagt Norbert Schmees ohne zu zögern. „Entscheidungen treffen, auch wenn nicht alle sie verstehen. Ziele haben, die man diskutieren kann. Das macht einfach das Arbeiten aus.“











