Vom Handwerk zur internationalen Hochbaustrategie
Interview mit DI (FH) Michael Schranz, Geschäftsführer der Handler Bau GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schranz, Handler Bau blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wie hat sich das Unternehmen entwickelt?
Michael Schranz: Unser Unternehmen wurde 1862 als kleine Zimmerei gegründet und ist bis heute familiengeführt. Über viele Jahrzehnte hinweg waren wir regional tätig, bevor wir uns Schritt für Schritt Richtung Wien entwickelt haben. Ein entscheidender Meilenstein war die Zusammenführung der Zimmerei mit dem Baumeisterbetrieb. Daraus entstand die Grundlage für unser heutiges Geschäft als Generalunternehmer.
Wirtschaftsforum: Welche strategischen Veränderungen haben die Entwicklung besonders geprägt?
Michael Schranz: Ein wesentlicher Schritt war der Ausbau unserer Rolle als General- und später Totalunternehmer. Parallel dazu haben wir begonnen, verstärkt in den großvolumigen Wohnbau einzusteigen. In den vergangenen 10 bis 15 Jahren hat sich unser Unternehmen von einem klassischen Sanierer zu einem Bauunternehmen entwickelt, welches Neubauten im Wohn-, Gewerbe- und Bildungsbau realisiert. Gleichzeitig haben wir erkannt, wie wichtig es ist, die Wertschöpfungskette stärker selbst abzudecken.
Wirtschaftsforum: Was bedeutet das konkret für Ihre Organisation?
Michael Schranz: Heute vereinen wir mehrere Gewerke unter einem Dach – vom Holzbau über Dachdecker, Spengler und Elektrik bis hin zur Haustechnik. Ziel ist es, Projekte möglichst aus einer Hand umzusetzen. Dadurch reduzieren wir Schnittstellen, steigern die Effizienz sowie die Qualität und sichern uns einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt dabei die Vorfertigung?
Michael Schranz: Eine zentrale Rolle. Wir verfolgen konsequent das Ziel, industrielle Prinzipien in die Bauwelt zu übertragen. Möglichst viele Bauteile werden im Werk vorgefertigt und dann auf der Baustelle montiert. Das verkürzt Bauzeiten erheblich, steigert die Präzision und reduziert Fehler. Wichtig ist dabei, dass wir nicht in starren Systemen denken, sondern Individualität mit Systembau verbinden.
Wirtschaftsforum: Ein Thema, das häufig mit Vorfertigung verbunden wird, ist der Holzbau. Wie positionieren Sie sich hier?
Michael Schranz: Der Holzbau ist für uns ein strategisches Zukunftsfeld. Wir haben bereits vor rund zehn Jahren eine moderne Produktionsanlage aufgebaut, die heute voll ausgelastet ist. Projekte wie das HoHo Wien oder ausgezeichnete Wohnbauten zeigen, welches Potenzial in dieser Bauweise steckt. Holzbau ermöglicht nachhaltiges und zugleich hoch industrialisiertes Bauen – vorausgesetzt, man nutzt die Vorfertigung konsequent.
Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Ihre besonderen Stärken?
Michael Schranz: Unser größter Hebel liegt im Engineering und in der frühen Einbindung in Projekte. Wenn wir bereits in der Planungsphase mitarbeiten, können wir unsere Erfahrung in Vorfertigung, Konstruktion und Kostenoptimierung einbringen. Genau daraus entstehen innovative Lösungen, die sowohl technisch als auch wirtschaftlich überzeugen.
Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist Digitalisierung?
Michael Schranz: Essenziell. Wir modellieren Projekte intern neu, unabhängig von externen Planungsständen, und nutzen digitale Modelle für Kalkulation und Variantenentwicklung. Darüber hinaus setzen wir stark auf
visuelles Management und digitale Zusammenarbeit – auch intern. Strategische Themen werden in klar definierte, kurzfristige Ziele heruntergebrochen, was die Umsetzung deutlich beschleunigt.
Wirtschaftsforum: Wie beurteilen Sie die aktuelle Marktsituation?
Michael Schranz: Die Nachfrage ist grundsätzlich da, aber der Wettbewerb ist intensiv und die Margen stehen unter Druck. Umso wichtiger ist es, produktiver zu werden und die eigene Organisation ständig weiterzuentwickeln. Wir sehen uns hier gut aufgestellt, weil wir frühzeitig in Digitalisierung, Vorfertigung und Integration investiert haben.
Wirtschaftsforum: Welche strategischen Ziele verfolgen Sie?
Michael Schranz: Wir arbeiten aktuell stark daran, unsere internen Strukturen weiter zu schärfen und unsere Gewerke noch enger zu verzahnen. Gleichzeitig wollen wir gezielt wachsen – sowohl organisch als auch durch selektive Zukäufe. Besonders wichtig ist uns dabei, unsere Prozesse zu standardisieren und in bestimmten Produktsegmenten Exzellenz aufzubauen.
Wirtschaftsforum: Ein Stichwort, das Sie betont haben, ist Expansion. Welche Märkte stehen im Fokus?
Michael Schranz: Ein zentraler Wachstumsschritt ist für uns Deutschland. Wir sehen dort großes Potenzial für unsere Kompetenz im Bereich Vorfertigung und Hybridbau. Erste Projekte sind bereits in Vorbereitung. Unser Ziel ist es, unser Know-how in neuen Märkten einzubringen und dort langfristig zu wachsen.
Wirtschaftsforum: Abschließend: Was treibt Sie persönlich an?
Michael Schranz: Mich motiviert die kontinuierliche Weiterentwicklung – sowohl des Unternehmens als auch der Branche. Bauen verändert sich massiv, und wir gestalten diese Veränderung aktiv mit. Wenn es gelingt, Innovation, Wirtschaftlichkeit und Qualität miteinander zu verbinden, dann ist das für mich der größte Erfolg.















