Das Haus mit sich führen: Fahren statt fliegen

Interview mit Robert Crispens, Geschäftsführer der MORELO Reisemobile GmbH

Social Share
Teilen Sie diesen Artikel

Wirtschaftsforum: Herr Crispens,mit Ihren Reisemobilen sind in Anbetracht der Preisklasse sicher nicht unbedingt junge Familien unterwegs. Wer gönnt sich diesen Luxus?

Robert Crispens: Unsere Hauptzielgruppe sind die ‘Golden Ager’, also die Altersgruppe 50+. Viele unserer Kunden sind Unternehmer, die ihr ganze Leben lang gearbeitet haben und jetzt vor dem Generationenwechsel stehen. Sie haben meist wenig Urlaub gemacht und wollen nun ihr Leben genießen und etwas von der Welt sehen.

Wirtschaftsforum: Was können Sie ihnen bieten?

Robert Crispens: Unser Angebot an Reisemobilen beginnt mit dem Einsteigermodell HOME ab circa 177.000 EUR. Mehr Zubehör bieten dann die höherpreisigen Modelle. Rund 50% unseres Volumens macht das Modell PALACE aus. Er liegt bei uns im mittleren Preissegment und beginnt bei circa 248.000 EUR. Sein Exterieur- und Interieur-Design ist für mich das schönste am Markt. Mit bis zu 7,49 t ist es noch gut fahrbar. Das Spitzenmodell GRAND EMPIRE ist ein 18-Tonner und liegt preislich bei circa 668.000 EUR. Sein Chassis ist ein Mercedes-Benz Actros, der weltweit am häufigsten gebaute Lkw, der Sicherheit und Technik vereint – quasi die E-Klasse unter den Lkw. In dem Fahrgestell steckt viel Know-how. Auch unseren EMPIRE LINER haben wir 2021 erstmals auf den Actros gesetzt. Das kam auf der CARAVAN SALON gut an.

Wirtschaftsforum: Welche Trends beobachten Sie derzeit am Markt?

Robert Crispens: Wichtig sind für die Kunden Wohnkomfort und Praxistauglichkeit. Aber auch Nachhaltigkeit ist ein entscheidendes Kriterium. Hier geht es um Energieverbrauch und -erzeugung. Unsere Fahrzeuge haben hohe Batterie- und Solarkapazitäten und können autark genutzt werden. Nachhaltigkeit bedeutet aber auch, darauf zu achten, woher die Materialien kommen und wie sie verarbeitet und entsorgt werden. Ein Urlaub mit dem Reisemobil ist die umweltfreundlichere Alternative zum Fliegen und Kreuzfahren.

Wirtschaftsforum: Wie setzen Sie Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen um?

Robert Crispens: CO2-Neutralität und Energieeffizienz sind für uns wichtige Themen. Wir arbeiten daran, den Ausstoß von CO2 in der Produktion zu senken. Künftig wollen wir viel Energie über eine eigene Photovoltaikanlage gewinnen. Auch bei den Arbeitszeitmodellen berücksichtigen wir dann die Sonnenstunden, um die Energie gut nutzen zu können. Bei uns fällt viel Holzabfall an. Den möchten wir nicht mehr auf Deponien verbrennen lassen, sondern schreddern ihn hier, trennen ihn und lagern ihn in Silos. Im Winter nutzen wir ihn dann zur Energiegewinnung für unsere Hallen. Eine gute Dämmung der Hallen ist ein weiterer wichtiger Punkt. Und wir reduzieren den Gasverbrauch. In einer Produktion wie unserer spart das viel Geld und ist somit ein Invest in die Zukunft. Von der Verwaltung bis zum Lager wird außerdem überall der Müll getrennt. Wir betrachten das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich.

Wirtschaftsforum: Wie sieht es mit einem anderen Thema aus, an dem heute kein Unternehmen vorbeikommt, der Digitalisierung?

Robert Crispens: Seit 2019 steht die Digitalisierung bei uns im Fokus. Unser Servicecenter mit 50 Mitarbeitern arbeitet fast papierlos. Dazu haben wir eine neue Software implementiert. Ein großes Projekt für die nächsten ein, zwei Jahre ist die Digitalisierung in der Produktion. Es wird sich sowohl auf den Informationsfluss als auch die Fertigungssteuerung erstrecken. Das ist der erste Schritt in die Teilautomation und damit ein wichtiger in die Zukunft im Sinne der Nachhaltigkeit. Denn dadurch sparen wir Ressourcen und Zeit.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich die MORELO Reisemobile GmbH zu dem Unternehmen entwickelt, das sie heute ist?

Robert Crispens: Auch wenn wir mit dem großen Erfolg der letzten Jahre nicht unbedingt gerechnet haben, als wir 2010 mit nur einem einzigen Prototypen in Richtung Caravan Salon gestartet sind, so haben wir doch immer daran geglaubt. Wir haben stetig unsere Kapazitätsgrenzen ausgebaut, unsere Produktion und unser Produktportfolio erweitert und ein modernes Servicecenter eröffnet. Aktuell beschäftigen wir circa 410 Mitarbeiter und wachsen jedes Jahr im zweistelligen Prozentbereich.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet MORELO abgesehen von den exklusiven Fahrzeugen besonders aus?

Robert Crispens: Unser Erfolg beruhte schon immer auf unserer Nahbarkeit. Wir sind ein Anbieter zum Anfassen und hatten immer eine offene Produktion. Unsere Philosophie lautet ‘Willkommen daheim’. Das leben wir. Der Mitarbeiter und generell der Faktor Mensch haben für uns einen hohen Stellenwert. Der Kunde sieht sich als Teil der Familie. Er soll sich wohlfühlen, bei uns und in seinem Reisemobil, das es ihm ermöglicht, sein Haus sozusagen mit sich zu führen.

Wirtschaftsforum: Wie sehr sind Sie vom Fachkräftemangel betroffen?

Robert Crispens: Das ist ein großes Thema; es gibt kaum noch Handwerker. Deshalb betreiben wir viel Weiter- und Fortbildung, bieten Aufstiegsmöglichkeiten und bilden jedes Jahr zwölf oder 13 Azubis aus, die wir auch übernehmen. Wir haben zufriedene Mitarbeiter, denen wir vieles bieten wie modernste Arbeitsmittel, Arbeitskleidung und subventioniertes Essen und Getränke. Arbeitssicherheit ist uns sehr wichtig. Unsere Tür steht den Mitarbeitern immer offen. Wir wollen den familiären Touch in der Firma unbedingt beibehalten.

Wirtschaftsforum: Welche Pläne haben Sie für dieses Jahr und darüber hinaus?

Robert Crispens: Aktuell stehen zwei Bauabschnitte an und wir wollen unseren neuen Maschinenpark fertigstellen. An oberster Stelle steht immer unsere Produktentwicklung. Unsere große Vision ist, die Benchmark zu bleiben. Wir bleiben jedenfalls nicht stehen, sondern orientieren uns immer am Markt.

Bewerten Sie diesen Artikel
Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern
TOP