Außerhalb der Komfortzone beginnt die Magie

Interview mit Jasmin Walser, Inhaberin und Geschäftsführerin der Hotel Vier Jahreszeiten GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Walser, vor drei Jahren haben Sie das Hotel Ihrer Eltern übernommen. Was war die Ausgangssituation?

Jasmin Walser: Wir sind die 2. Generation. Meine Eltern haben 1992 im hintersten Pitztal die Chance bekommen, im Rahmen eines Entwicklungsprozesses mit internationalem Architektenwettbewerb ein Hotel zu bauen. So begann die Geschichte eines klassischen Viersternehotels. 33 Jahre später durfte ich den Betrieb übernehmen und weiterführen. Ich sehe, dass der Standort für die Zukunft sehr gut ist. In diesem Sommer haben wir aus dem Hotel Vier Jahreszeiten ‘DAS VIER’ gemacht – ein Sport- und Wellnesshotel.

Wirtschaftsforum: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe?

Jasmin Walser: Wir sind die sportlichen Genussmenschen. Unser USP ist die sportliche Vielfalt in Verbindung mit Wellness und Kulinarik. Wir bieten Inspiration und die Möglichkeit, Neues auszuprobieren – Trailrunning, Klettern, Training. Meine Vision ist ein alpinsportliches

Kompetenzzentrum, wo wir Gäste bewusst aus der Komfortzone holen. Denn außerhalb der Komfortzone beginnt die Magie: Alpine Performance und tiefe Erholung.

Wirtschaftsforum: Das Hotel liegt auf 1.700 m am Pitztaler Gletscher. Welche Rolle spielt die Höhenlage?

Jasmin Walser: Eine entscheidende. Bei uns geht man alpin wandern, links und rechts sind hohe Berge. Dieser Blickwechsel am Gipfel: hochgehen, um runterzukommen, das ist das, was unsere Gäste suchen. Ursprünglich war die Hauptsaison des Tourismus in der Region im Sommer. Erst seit den 1970ern kam das Skilaufen dazu, 1982 dann der Boom mit der Gletscherbahn. Heutzutage kommen Gäste im Sommer, um den hohen Temperaturen zu entfliehen. Auf 1.700 m hat man ein anderes Klima. Wir haben 150 Betten und zwischen 45 und 50 Mitarbeiter, je nach Saison. Die Übernachtungen sind übers Jahr ausgeglichen verteilt.

Wirtschaftsforum: Was sind aktuell die größten Herausforderungen?

Jasmin Walser: Die Pandemie hat das Reiseverhalten verändert. Es wird viel kurzfristiger gebucht. Unsere große Herausforderung ist, mit diese Kurzfristigkeit umzugehen. Der Gast entscheidet spontan: Mallorca oder Pitztal? Man schaut in die Wetter-App und entscheidet. Aber ich brauche zu jedem Zeitpunkt die notwendigen Mitarbeiter. Dazu kommen politische Rahmenbedingungen – Lohn, Nebenkosten, Energie. Alles ist so viel teurer geworden. Wir bewegen uns allerdings in einem Segment ab Viersterne Superior mit zahlungskräftigen Gästen. Der Sommer war gut, wir sind zufrieden. Wir rechnen auf einen starken Winter, weil wir die Höhe haben. Wenn irgendwo noch schneesicher Skifahren möglich ist, dann in den Gletscherregionen. Eine weitere Herausforderung ist natürlich das Thema Fachkräftemangel. Dem versuchen wir entgegenzuwirken: Wir bilden selber aus. Mittlerweile haben wir vier Auszubildende in verschiedenen Bereichen. Ich freue mich immer, wenn junge Menschen Lust haben, im Tourismus zu arbeiten. Wir haben anständige, geregelte Arbeitszeiten. Ich denke, was das angeht, hat der Tourismus aus seinen Fehlern gelernt.

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist Ihnen das Thema Nachhaltigkeit?

Jasmin Walser: Sehr wichtig. Wir kaufen so viel wie möglich regional ein, heizen seit Langem mit Pellets. Nächstes Jahr steht eine große Baustelle an: Fenster austauschen, Wärmedämmung verbessern. Nachhaltigkeit hat für mich auch mit Arbeitsverhältnissen zu tun – Menschen arbeiten gern, wo sie sich wohlfühlen. Dort bleiben sie auch.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie die Zukunft der Hotellerie?

Jasmin Walser: Wichtig ist, beweglich zu bleiben und zu lernen, mit Kurzfristigkeit umzugehen – ob im Einkauf oder beim Personal. Ich gehe meinen Weg weiter und möchte das alpinsportliche Kompetenzzentrum auf hohem Niveau ausbauen. Mit Guides, Trainern, tollen Leuten. Die Hotellerie braucht Fokus. Fokus ist gleich Strategie. Der Wettbewerb ist groß, jeder hat Pool und Sauna. Von daher braucht es Fokus auf eine Zielgruppe, eine Idee. Und das Allerwichtigste ist Authentizität. Bei uns sind alle selber sportlich und deswegen können wir unsere Konzept auch transportieren Auch das Trendwort Longevity passt zu uns. Nicht nur Eisbaden oder Pillen, sondern die ganzheitliche Sicht mit unserem Slogan „Performance and Soul“.

Wirtschaftsforum: Sie wollten ursprünglich Jura studieren. Wie kamen Sie zur Hotellerie?

Jasmin Walser: Klassisch, wie es früher war: Man ist am Hotel aufgewachsen, die Eltern schickten einen in die Hotelfachschule. Danach wurde man in die Welt rausgelassen. Ich war lange in Neuseeland und hätte dort bleiben können. Die Entscheidung zurückzukommen war aber freiwillig und ich bin froh, dass ich mich so entschieden habe. Ich liebe das Pitztal, ich liebe die Berge, ich liebe den Sport. Und wenn ich Gäste dafür begeistern kann, ist das für mich als Hotelier eines der schönsten Dinge.

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