Wo Komplexität zum Vorteil wird
Interview mit Philippe Noel, Senior Director Filtration – Drying der MAVAG AG und Martin Kuchorz, Operations Manager der MAVAG AG

Wirtschaftsforum: Herr Noel, wofür steht MAVAG heute?
Philippe Noel: Unser Schwerpunkt liegt auf der Fest-Flüssig-Trennung und der anschließenden Trocknung. Für die mechanische Trennung bieten wir Filter und Filtertrockner an, für die thermische Behandlung verschiedene Trocknersysteme. Dazu zählen Kugel-, Universal-, Horizontal- und Konustrockner ebenso wie kontinuierliche Lösungen. Ergänzt wird das Portfolio durch magnetgekuppelte Rührwerke. Besonders wichtig ist aber, dass wir nicht nur einzelne Apparate liefern, sondern bei Bedarf auch komplette Filtrations- und Trocknungsanlagen inklusive Peripherie, Automation und Inbetriebnahme.
Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Ihre Anlagen von Standardlösungen?
Philippe Noel: Bei uns ist nahezu jede Anlage individuell auf die Anforderungen des Kunden zugeschnitten. Zwei identische Projekte sind eher die Ausnahme. Gemeinsam mit dem Kunden entwickeln wir die optimale Lösung auf Basis seiner Produkte, Prozesse und Sicherheitsanforderungen. Genau diese Kombination aus Engineering-Kompetenz und Kundennähe ist eine unserer größten Stärken.
Martin Kuchorz: Spätestens in der Realisierungsphase wird aus einem Lieferantenverhältnis eine echte Partnerschaft. Kunde und Hersteller verfolgen dasselbe Ziel: eine Anlage, die sicher, effizient und zuverlässig funktioniert. Diese individuelle Zusammenarbeit macht unsere Projekte besonders spannend.
Wirtschaftsforum: Für welche Branchen arbeiten Sie hauptsächlich?
Philippe Noel: Mehr als 80% unseres Geschäfts entfallen auf die Feinchemie und die Pharmaindustrie, insbesondere auf die Herstellung von pharmazeutischen Wirkstoffen. Dabei spielen Containment-Lösungen eine wichtige Rolle, denn viele Produkte sind hochpotent und erfordern höchste Sicherheitsstandards für Mitarbeitende und Umwelt. Deshalb entwickeln wir Anlagen mit Isolatoren, Gloveboxen und weiteren Schutzsystemen, die exakt auf die jeweilige Anwendung abgestimmt sind.
Wirtschaftsforum: MAVAG blickt auf eine lange Geschichte zurück. Welche Entwicklungen waren in den vergangenen Jahren besonders prägend?
Philippe Noel: Das Unternehmen verfügt über eine fast 100-jährige Tradition und gehört seit 2008 zur familiengeführten GMM Pfaudler Group aus Indien, die weltweit in der Prozessindustrie tätig ist. In den vergangenen Jahren wurde die internationale Organisation neu ausgerichtet. Ziel war es, unsere Technologien weltweit noch besser verfügbar zu machen und näher an den jeweiligen Märkten zu agieren. Heute verfügen wir über eine deutlich stärkere globale Präsenz mit Aktivitäten in Europa, Indien, den USA und China.
Wirtschaftsforum: Wie erleben Sie derzeit das Marktumfeld?
Philippe Noel: Die Investitionsbereitschaft unserer Kunden wird stark von der geopolitischen Lage beeinflusst. Viele Projekte werden derzeit verschoben. Gleichzeitig wird in der Pharmaindustrie weiterhin investiert, wenn auch nicht mehr in dem außergewöhnlichen Umfang der Covid-Jahre.
Martin Kuchorz: Die Investitionen verschieben sich zunehmend zwischen den Regionen. Europa bleibt wichtig, allerdings sehen wir derzeit in anderen Märkten wie den USA, Indien und China teilweise größere Dynamik. Dank unserer internationalen Aufstellung können wir diese Entwicklungen flexibel begleiten und die jeweiligen Chancen nutzen.
Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit spielt heute in nahezu jeder Industrie eine wichtige Rolle. Wie begegnen Sie diesem Thema?
Martin Kuchorz: Unsere Anlagen sind Investitionsgüter mit einer Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten. Wir setzen auf hochwertige Werkstoffe wie Edelstahl und Hastelloy, die repariert und modernisiert werden können. Dadurch müssen Anlagen nicht komplett ersetzt werden und Ressourcen werden geschont. Nachhaltigkeit beginnt für uns bereits bei der Langlebigkeit des Produkts.
Philippe Noel: Auch bestehende Anlagen können häufig modernisiert werden. Durch zusätzliche Sensorik und Aktorik lassen sich viele Prozesse automatisieren. Wir betreuen heute noch Anlagen, die vor rund 40 Jahren installiert wurden. Das zeigt, welchen Stellenwert Qualität und Service bei MAVAG haben.
Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie persönlich an Ihrer Arbeit?
Philippe Noel: Die Komplexität. Kein Projekt gleicht dem anderen. Wir lernen ständig dazu und entwickeln gemeinsam mit unseren Kunden neue Lösungen. Besonders erfüllend ist der Moment, wenn eine anspruchsvolle Anlage erfolgreich in Betrieb geht und der Kunde bestätigt, dass alles perfekt funktioniert.
Martin Kuchorz: Für mich ist ein zufriedener Kunde die größte Motivation. Nach den Verhandlungen beginnt die eigentliche Teamarbeit. Gemeinsam ein anspruchsvolles Ziel zu erreichen und am Ende ein erfolgreiches Projekt zu sehen, ist jedes Mal aufs Neue spannend.
Wirtschaftsforum: Mit welchem Ziel blicken Sie in die Zukunft?
Martin Kuchorz: Wir wollen unseren Umsatz innerhalb der nächsten vier Jahre verdoppeln. Dafür werden wir Vertrieb, Service und Engineering weiter ausbauen und gleichzeitig unsere Lieferperformance verbessern. Sichtbarkeit spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Neben Fachmessen wie der ACHEMA setzen wir verstärkt auf digitale Kanäle, um weltweit neue Kunden zu erreichen.












