Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Interview mit Dr.-Ing. Ansgar Kaupp, CEO und Partner der EyeC GmbH

Vor 26 Jahren gründete Ansgar Kaupp gemeinsam mit zwei Partnern das Unternehmen. Alle drei Geschäftsführer stammen aus der IT- und Vision-Technologie und erkannten früh das Potenzial automatisierter Bildauswertung für die Druck- und Verpackungsindustrie. Der konkrete Auslöser war ein Schadenfall in der Pharmaindustrie, der die Bedeutung verlässlicher Druckbildkontrolle drastisch vor Augen führte. Aus einem zunächst stichprobenorientierten Offline-System entwickelte sich schrittweise ein Portfolio, das heute sowohl Offline- als auch Inline-Lösungen für die 100%-Kontrolle umfasst. Vom Start im Wohnzimmer wuchs EyeC kontinuierlich zu einer international aufgestellten Organisation. Der Hauptsitz in Hamburg bündelt Entwicklung, Marketing, Dokumentation, Produktion, Vertrieb, Service, Human Resources sowie Finanzen und Controlling. Rund 70 Mitarbeitende sind dort tätig, der Umsatz liegt bei etwa 12 Millionen EUR mit leichtem jährlichem Wachstum.

Technologiekompetenz als ­wirtschaftlicher Faktor

EyeC bietet Offline-Systeme zur Stichprobenkontrolle und Inline-Lösungen für die 100%-Überwachung laufender Produktionen. Entscheidend ist die Kombination beider Verfahren, da so Referenzfehler und Produktionsabweichungen gleichermaßen erkannt werden. Neben der Druckbildprüfung kontrollieren die Systeme Barcodes und Data-Matrix-Codes, deren Fehler die gesamte Logistikkette beeinträchtigen können. Besonders anspruchsvoll ist die Prüfung von Brailleschrift auf Pharmaverpackungen: Prellpunkte werden optisch vermessen, um definierte Höhenstandards – etwa 200 µm – einzuhalten. Möglich wird dies unter anderem durch das Verfahren „Shape from Shading“, bei dem mittels gezielter Beleuchtung Höhenprofile berechnet werden. „In der Inline-Inspektion gehen wir noch einen Schritt weiter, denn wir liefern nicht nur die Information ‘Fehler gefunden’, sondern bewerten mit einer vortrainierten KI, ob ein Fehler auch relevant ist – das spart unseren Kunden Zeit und Geld“, sagt Ansgar Kaupp. So werden False Rejects reduziert und unnötige Ausschleusungen, etwa durch Staubpartikel oder minimale Materialeinschlüsse, vermieden. EyeC liefert Hard- und Software als integrierte Komplettlösung aus einer Hand und übernimmt die Systemverantwortung.

Globale Märkte und differenzierte Zielgruppen

Die Exportquote liegt bei rund 90%. Der europäische Markt bildet den Kern des Geschäfts, die USA sind strategisch gleichwertig bedeutend, während Asien über ein Supportnetz in Ländern wie Japan, China, Taiwan, Indonesien und den Philippinen betreut wird. Polen gilt als besonders wachsender Markt, zudem wurden Partnerstrukturen in Großbritannien und Polen im Zuge des Wachstums übernommen. Ergänzend arbeitet EyeC mit einem internationalen Distributorenmodell und betreut globale Kunden über ein eigenes Global Account Management. Die Zielgruppen reichen von kleinen Familienbetrieben über Druckereien und Druckvorstufenunternehmen bis hin zu globalen Konzernen in der Pharmaindustrie, der FMCG-Branche und der Luxusgüterindustrie. „Wir sind international aufgestellt, aber unsere Lösungen müssen sich immer an den konkreten Produktionsrealitäten unserer Kunden messen lassen“, betont Ansgar Kaupp. Zur Sichtbarkeit im Markt nutzt das Unternehmen Leitmessen wie die Drupa, die vor allem das Druckumfeld adressiert, die Interpack mit Fokus auf Packmittelabnehmer sowie die Pharmapack für den Pharmasektor. Ergänzt wird dies durch eine aktive digitale Präsenz über Website, Social Media und YouTube, in denen Anwendungen und Produkte erläutert werden.

KI, Nachhaltigkeit und regulatorische Verantwortung

Digitalisierung ist integraler Bestandteil des Geschäftsmodells. Prüfergebnisse werden digital dokumentiert und archiviert, Druckdaten bereits in der Vorstufe per Cloud-Lösung und PDF-Vergleich geprüft, um Serienfehler vor Produktionsbeginn auszuschließen. Künstliche Intelligenz klassifiziert Fehlerarten – etwa Druckfehler, Staub, Ölflecken oder Materialeinschlüsse – und reduziert so unnötige Ausschleusungen. Gerade im Zusammenhang mit zunehmendem Einsatz von Recyclingmaterial, bei dem Einschlüsse häufiger auftreten, gewinnt diese Differenzierung an Bedeutung. Nachhaltigkeit zeigt sich zudem in der Reduktion von Makulatur und Überproduktionen, die häufig bei 3 bis 4% liegen, sowie in der Vermeidung kostspieliger Rückrufaktionen. „Wenn wir Überproduktion reduzieren und echte Fehler von irrelevanten Abweichungen unterscheiden, leisten wir einen messbaren Beitrag zu Ressourcenschonung und Wirtschaftlichkeit“, erklärt Ansgar Kaupp. Ergänzend unterstützt EyeC Investitionsentscheidungen mit einem eigenen ROI-Rechner, der Einsparpotenziale transparent darstellt. Gleichzeitig begegnet das Unternehmen regulatorischen Anforderungen wie GMP, Validierungspflichten oder dem Cyber Resilience Act mit strukturierten Prozessen. ISO 9001 ist etabliert, ISO 27001 befindet sich in Vorbereitung. Auch Themen wie Lieferkettensorgfalt werden kritisch, aber verantwortungsbewusst eingeordnet. „Wir setzen bewusst auf eine partizipative Unternehmenskultur mit klaren Zuständigkeiten, offener Fehlerkultur und flachen Hierarchien“, betont Ansgar Kaupp.

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