Investitionen, die die Zukunft gestalten

Interview mit Dr. Christian Koch, Head BB Biotech @ Bellevue Asset Management AG

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Koch, die BB Biotech zählt zu den größ­ten Anlegern im Bereich Biotechnologie. Wie kam es dazu?

Dr. Christian Koch: BB Biotech wurde 1993 gegründet. Damals entwickelte sich in den USA gerade der Biotechnologiemarkt. Weil Schweizer Pensionskassen zu der Zeit Restriktionen hatten hinsichtlich wie viel Nicht-Schweizer Aktien sie investieren konnten, war das Unternehmen ein Vehikel, das in der Schweiz gelistet ist und dessen operative Tätigkeit Investments sind – eine Investmentgesellschaft, die in den USA investiert. Man hatte immer schon einen sehr starken Verwaltungsrat mit hoch profilierten Leuten wie dem Nobelpreisträger David Baltimore, was ein großer Vorteil war. Das Investment Management-Team ist bei Bellevue angestellt, das heißt, BB Biotech vergibt das Mandat zur Verwaltung der Assets an Bellevue. Ursprünglich handelte es sich dabei um ein Marktzugangssystem für Europäer; als schließlich die Beschränkungen fielen, änderte sich das gesamte Mindset. Man hatte es nicht mehr mit Flows zu tun, sondern konnte längere Zeithorizonte eingehen als dies bei offenen Fonds möglich ist. Als Investmentgesellschaft verfügt man über das permanente Kapital, rapportiert quartalsmäßig und hat eher einen Fünfjahreshorizont für Investments, wodurch sich viele strukturelle Vorteile ergeben; anders als viele Fonds kann man zum Beispiel auch privat investieren, Leverage eingehen und Dividende auszahlen. Entscheidend ist, dass das Investment-Team aus hoch qualifizierten Leuten besteht, um Access Returns zu erwirtschaften.

Wirtschaftsforum: Wie gross ist das BB Biotech Team?

Dr. Christian Koch: Wir sind immer sehr schlank aufgestellt und momentan ein Kernteam von 15 Experten, können aber auf weitere Kapazitäten von Bellevue zurückgreifen, zum Beispiel im Bereich Marketing oder Sales. In den vergangenen 20 Jahren haben wir über 2 Milliarden CHF an Dividenden ausgeschüttet; die jetzige Marktkapitalisierung liegt bei 1,8 Milliarden CHF, der NAV bei 2 Milliarden; allerdings ist nicht Größe unser Ansinnen, sondern Rendite.

Wirtschaftsforum: Sie selbst sind seit 2013 im Unternehmen tätig. Wie haben Sie die Entwicklung von BB Biotech seitdem erlebt?

Dr. Christian Koch: Ich bin im ersten Drittel des goldenen Zeitalters der Biotechindustrie zum Unternehmen gekommen. Die ganze Industrie hat auf der kommerziellen Seite begonnen zu liefern. 2019, 2020 kam es zu Überlappungen dreier Dynamiken. Ein echter Cashflow war Corona; die Pandemie hat einen regelrechten Boom in der Biotechnologie ausgelöst. Parallel dazu entwickelte sich der Bereich Onkologie sehr dynamisch – hier hat sich der Shift auf klein- und mittelkapitalisierte Unternehmen ausgezahlt – und letztlich lief die genomische Medizin sehr gut und sorgte für Aufsehen. 2021 haben wir aktiv Profite mitgenommen, bis es zu einer massiven Korrektur kam. Der signifikante Anstieg der US-Zinsen führte zu folgenreichen Veränderungen. 2025 kam es zu einem Einbruch als Folge der Pharmatarife, der Preissetzungsdiskussionen in den USA und der Restrukturierung der gesamten Gesundheitsorganisation. Unsere Aktie fiel, ist dann aber wieder zurückgekommen.

Wirtschaftsforum: Welche Impulse wollen Sie dem Unternehmen in dieser Position geben?

Dr. Christian Koch: Es gibt bestimmte Elemente, die ich weiterentwickeln möchte; dazu zählen Veränderungen bei unserem Research Engine in den USA und im Bereich der Kommunikation. Ich möchte den Investitionsprozess neu aufgleisen und stärker digitalisieren. Beim Einsatz von KI-Agenten sind wir bereits führend. Bereits vor fünf Jahren haben wir mit dem Aufbau eines Data Science Teams begonnen und dabei Machine Learning eingesetzt. Seit etwa einem Jahr arbeiten wir operationell mit Large Language-Modellen; zum Beispiel für das Milestone Tracking der Investment-Analysten. Wir sind davon überzeugt, dass zukünftig immer mehr Teile der Diligence nicht von einem Menschen, sondern von einer künstlichen Workforce übernommen werden.

Wirtschaftsforum: BB Biotech ist hauptsächlich in den USA investiert. Wie wirkt sich die US-Politik aus?

Dr. Christian Koch: In den USA wird das Most-Favoured-Nation-Modell diskutiert, das Preise an internationale Tiefstwerte koppeln würde. Das hätte erhebliche Auswirkungen, da 80% der globalen Pharma-Gewinne in den USA erwirtschaftet werden. Dennoch garantiert die US-Verfassung im kommerziellen Markt freie Preisgestaltung. Firmen könnten neue Medikamente im Extremfall nur dort einführen.

Wirtschaftsforum: Nach welchen Kriterien suchen Sie Investments aus? Gibt es konkrete Zukunftsziele?

Dr. Christian Koch: Wir wollen Firmen langfristig begleiten und entlang der Wertschöpfungskette von Pharmazeutika beeinflussen. Dabei sind wir sehr innovationsfokussiert und heben uns durch unseren Investitionshorizont von fünf Jahren von anderen ab. Unser Anspruch ist es, unseren Aktionären eine nachhaltige Rendite zu bieten, die durch eine jährliche Dividende von 5% ergänzt wird.

Wirtschaftsforum: Was schätzen Sie persönlich besonders an Ihrer Arbeit?

Dr. Christian Koch: Ich liebe Wissenschaft und ich liebe Investmentanalyse; hier habe ich eine Once-in-a-Lifetime-Chance.

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