„In der Welt der Düfte lernt man nie aus!“
Interview mit Eric Podlasly, CFO der Düllberg Konzentra GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Podlasly, es sind nur noch wenige Jahre, bis Düllberg Konzentra 2033 sein 100-jähriges Bestehen feiern kann. Worauf sind Sie angesichts dieser langen Geschichte besonders stolz?
Eric Podlasly: Wahrscheinlich darauf, dass wir bei allem Weitblick für die globalen Märkte und allen Chancen, die sich daraus für uns ergeben, ein familiengeführtes mittelständisches Hamburger Unternehmen geblieben sind – heute in 3. Generation unter der Leitung von Christian Düllberg – und uns dabei in einem Umfeld behaupten konnten, in dem man wahrscheinlich nie auslernt: der Welt der Düfte.
Wirtschaftsforum: Um welchen Teil der Wertschöpfung kümmert sich Düllberg Konzentra genau?
Eric Podlasly: Wir beliefern unsere Kunden aus dem B2B-Bereich mit Duftkompositionen, ätherischen Ölen und Wirkstoffen, die diese dann in ihren Fertigprodukten verarbeiten. Dafür hat die Düllberg Konzentra spezielle Entwicklungsteams, die den Kundenwünschen entsprechend maßgeschneiderte Lösungen anbieten.Bei den Düften haben unsere Kunden in den meisten Fällen konkrete Vorstellungen, wie ihr idealer Duft riechen sollte. Manchmal lassen sie sich allerdings auch von unserern Parfümeuren inspirieren: Dabei kann es sich um Fine Fragrances, also klassische Parfums in einem Flakon handeln, aber auch um Bodycare-Produkte, Haushaltsreiniger oder gar Pharmaerzeugnisse. In unserer fast 100 Jahre währenden Geschichte haben wir uns nicht nur eine umfassende Kompetenz in der zielgerichteten Entwicklung attraktiver Düfte angeeignet, sondern auch umfassende Fertigungskapazitäten aufgebaut, um die entsprechenden Vorprodukte anschließend in Serie herstellen zu können.
Wirtschaftsforum: Welche Trends beherrschen gerade den Markt?
Eric Podlasly: Nachhaltigkeit ist sicherlich eines der wichtigsten Themen, darauf bauen etliche Marken inzwischen ihr ganzes Image auf. Was lange Zeit eher als lästiges Übel galt – man musste seinen Carbon Footprint nachweisen oder sich für verschiedene Labels zertifizieren lassen – wird inzwischen klar als möglicher Wettbewerbsvorteil aufgefasst. Für Düllberg Konzentra ist das jedoch kein Trend, sondern ein ganz natürliches Resultat der Haltung, die unser Unternehmen schon immer bestimmt hat. Dazu gehören für uns nicht nur umweltschonende Rohstoffe und Prozesse, sondern auch ein starkes soziales Verantwortungsgefühl – in unserer Zentrale in Hamburg wie in unseren Niederlassungen in Dubai und Jakarta sowie entlang unserer gesamten globalen Lieferketten.
Wirtschaftsforum: Hamburg wird dabei unverrückbar Ihr Hauptsitz bleiben. Woher stammt dieses klare Bekenntnis zu Ihrer Heimat?
Eric Podlasly: Wir befinden uns, offen gestanden, in der glücklichen Lage, dass wir uns in einer Branche bewegen, wo sich trotz aller gesamtwirtschaftlichen Widrigkeiten auf der Welt weiterhin starke Wachstumsraten erzielen lassen. Wären wir als Automobilzulieferer tätig, müssten wir sicherlich ganz andere Diskussionen führen. Natürlich findet ein großer Teil dieses Wachstums außerhalb Europas statt: in Nordafrika, Südostasien und im Nahen Osten, wo das Einkommensniveau immer breiterer Bevölkerungsteile steigt und eine neue Mittelschicht heranwächst, die Produkte mit attraktiven Düften zu schätzen weiß. Aus diesem Grund haben wir bereits Niederlassungen in Indonesien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten eröffnet, die bei unserer Strategie für die nächsten Jahre eine tragende Rolle spielen. Doch die zentralen Funktionen werden wir auch in Zukunft aus Hamburg heraus bespielen. Natürlich müssen wir uns preislich mit den anderen Wettbewerbern im Markt messen lassen; das steht außer Frage. Düfte sind jedoch keine Massenprodukte; es geht um die richtige Komposition, um die haargenaue Erfüllung des jeweiligen Kundenwunsches und eine feinsinnige Aufwertung seines Endprodukts. Das lässt sich auch an einem Hochlohnstandort wie Hamburg umsetzen, ohne in einen zu starken Kostendruck zu geraten.
Wirtschaftsforum: Wo findet man Menschen mit dem richtigen Talent und Know-how für diesen Beruf?
Eric Podlasly: Klar – diese Spezialisten sind im Markt rar gesät. Sie müssen eine umfangreiche Ausbildung durchlaufen, ehe sie in diesem Beruf Erfolg haben können, wofür ich sie immer wieder aufs Neue bewundere. Dabei ist neben der Kenntnis wirtschaftlicher Faktoren vor allem die Fähigkeit, die Kreativität mit tiefgründigem Verständnis für die circa 1.500 Riechstoffe zu kombinieren, essenziell für den Erfolg. Dazu gehört natürlich auch das Verständnis des chemischen Zusammenspiels eines Parfümöls mit beispielsweise einem Duschgel oder einer Creme – schließlich lassen sich nicht alle Duftkompositionen mit vertretbarem Aufwand in Duschgels oder Cremes einarbeiten. Zudem bestehen in verschiedenen Märkten unterschiedliche Konsumentenpräferenzen: Im Nahen Osten herrscht etwa ein ganz anderes Verständnis von der Stärke eines Duftes, während Zitrusnoten anderswo eine bisweilen ganz andere Bedeutung haben als in Mitteleuropa. Neben unserem internationalen Footprint können wir auch in diesem Kontext auf unsere gewachsene Stärke als mittelständisches Familienunternehmen setzen. Wir denken nicht in Quartalszahlen, sondern setzen vielmehr auf eine langfristige Perspektive, um alle Märkte mit ihren unterschiedlichen Anforderungen nachhaltig bespielen zu können. Das ist auch für unsere Duftexperten entscheidend.















