Europas größer Fotoverbund – und noch viel mehr
Interview mit Thilo Röhrig, Geschäftsführer der Ringfoto GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Röhrig, seit mittlerweile 60 Jahren schließen sich mit Ringfoto insgesamt 1.200 eigenständige Fotofachhändler in Europas größter Einkaufskooperation zusammen – dabei geht Ihr Leistungsspektrum noch weit über das bloße Procurement hinaus.
Thilo Röhrig: In der Tat wollen wir unsere Händler mit mannigfaltigen Dienstleistungen unterstützen, damit sie an der Frontline im unmittelbaren Kundenkontakt erfolgreich sein können. Neben unserer gewachsenen Kompetenz im Sourcing, in dessen Zuge wir auch in engem Austausch mit den japanischen Headquartern stehen, stellt zudem unser solides Bankenrating – gerade vor dem Hintergrund der derzeit angespannten gesamtwirtschaftlichen Lage – einen wichtigen Mehrwert bei der Finanzierungsunterstützung unserer Mitgliedsunternehmen dar: Denn bei den einschlägigen Kreditversicherern sind wir seit Jahrzehnten als bodenständige und solvente Adresse bekannt.
Wirtschaftsforum: Daneben steht Ihre erwiesene Schlagkraft in der Logistik.
Thilo Röhrig: Diese wollen wir im nächsten Jahr durch die Errichtung eines voll automatisierten Logistikzentrums noch weiter schärfen. Zwar liegt unsere Fehlerquote im Lager heute schon weit unter 0,5%, doch in den nächsten drei Jahren wird ein nennenswerter Teil der dort beschäftigten Belegschaft den Ruhestand antreten. Darauf wollen wir vorbereitet sein. Gleichzeitig steigen die Anforderungen der Endverbraucher, unter anderem gespeist aus ihren vielfältigen E-Commerce-Erfahrungen. Deshalb werden wir uns in den nächsten Jahren auch verstärkt mit dem Thema Dropshipping beschäftigen: Wenn einer unserer Händler ein bestimmtes Produkt einmal nicht unmittelbar vorrätig haben sollte, kümmern wir uns um die schnellstmögliche Zustellung in seinem Namen, ohne dass Ringfoto dabei als Marke überhaupt in Erscheinung tritt.
Wirtschaftsforum: Auch in Ihrem Eigenmarkengeschäft setzen Sie derzeit wichtige neue Impulse.
Thilo Röhrig: Dank unserer Eigenmarke Voigtländer, die weltweit, aber vor allem auch in Europa über eine hohe Bekanntheit und Reputation verfügt, können wir seit Jahren erfolgreich unser Objektiv-Lineup vermarkten. In nächster Zeit möchten wir das Sortiment jedoch noch deutlich ausbauen, unter anderem um neue Ferngläser, die technisch mit absoluten Premiumprodukten mithalten können und gleichzeitig auch preislich sehr attraktiv sind. Hinzu kommt unsere Marke Alfo, mit der wir bis dato vor allem im Bereich Passfotos auftreten. Inzwischen bieten wir dort aber auch Fotobücher und verwandte Produkte an.
Wirtschaftsforum: Mit dem Alfo Marketplace soll diese Brand nun eine noch größere Breitenwirkung entfalten.
Thilo Röhrig: Wenn ein Endverbraucher im Internet nach einer Kamera oder einem ähnlichen Produkt sucht, soll er idealerweise direkt auf alfo.com weitergeleitet werden, wo ihm dann dank seiner Geolokalisierungsdaten einer unserer 1.200 Händler in seiner Nähe angezeigt wird, der den gewünschten Artikel gerade vorrätig hat. Viele von ihnen bieten natürlich auch E-Commerce-Lösungen an – aber die schönere Customer Journey führt wahrscheinlich auch in Zukunft noch über das physische Ladengeschäft, schlicht weil unser Produktspektrum eher hochpreisig und damit recht beratungsintensiv ist. Gut möglich, dass sich der Verbraucher vor Ort dann gleich noch von weiteren Produkten inspirieren lässt, an die er bis dahin vielleicht gar nicht gedacht hatte.
Wirtschaftsforum: Verändern sich derzeit auch die Anforderungen der Zielgruppen in Ihrem Geschäftsfeld?
Thilo Röhrig: Wir bewegen uns in einem Nischenmarkt, der jedoch äußerst profitabel ist, weil unser Publikum sein Hobby meist sehr intensiv betreibt. Wir können uns aber gut vorstellen, perspektivisch noch weitere Kundengruppen für unsere Händler zu erschließen. Wenn ich mit namhaften Influencern spreche, bin ich beispielsweise immer wieder erstaunt, wie viele von ihnen mit handelsüblichen Smartphones arbeiten und gar nicht wissen, dass mit vergleichsweise preisgünstigen Foto- und Video-Setups leicht noch professionellere Ergebnisse erzielt werden können. Auch die Smartphone-Hersteller bewerben ihre Produkte oft allein mit der Kamera als Feature – was zeigt, wie groß die potenzielle Nachfrage nach attraktiven Foto- und
Videolösungen in diesem Kundensegment ist. Gerade im Videobereich sehen wir auch für Ringfoto und unsere Händler noch ein starkes Wachstumspotenzial.
Wirtschaftsforum: Mit Imaging World haben Sie zudem kürzlich Ihre erste eigene Endverbrauchermesse/Festival veranstaltet.
Thilo Röhrig: Schon seit Jahren gab es in unserem Marktfeld keine richtige Leitmesse mehr. Deshalb wollten wir, auf Basis unserer eigenen Hausmessen, selbst eine solche Veranstaltung ins Leben rufen, bei der nicht nur neue Produkte vorgestellt, sondern insbesondere auch neue Branchenimpulse gesetzt werden. Das ist uns für unsere 15.000 Besucher auch geglückt – unter anderem mit beeindruckenden Speakern auf der Main-Stage, unseren Playgrounds, in denen neue Features ausprobiert werden konnten, und unserem Influencer-Dome, wo stündlich neue Videovorträge stattfanden. 2026 wird garantiert unsere nächste Messe folgen!












