Digitale Transformation zwischen KI, Remote-Arbeit und Verantwortung

Interview mit Guido Aehlen, Geschäftsführer der Hitachi Solutions Germany GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Aehlen, welche Veränderungen haben die vergangenen Jahre, insbesondere die Coronapandemie, für Ihr Geschäft mit sich gebracht?

Guido Aehlen: Corona war für uns ein Wendepunkt. Plötzlich mussten Transformationsprojekte mit sehr hohem Remote-Anteil funktionieren. Früher waren Berater vier oder fünf Tage pro Woche beim Kunden, heute ist es üblich, große Teile digital umzusetzen. Das hat neue Effizienzvorteile gebracht – etwa geringere Reisekosten oder eine einfachere internationale Zusammenarbeit – bedeutete aber auch, die Balance zwischen persönlichem Austausch und digitaler Zusammenarbeit neu zu finden. In den vergangenen fünf Jahren gab es kein Jahr, das dem anderen glich – ständiger Wandel prägt unsere Branche und macht sie spannend.

Wirtschaftsforum: Neben Remote-Arbeit ist KI das Thema der Stunde. Wie wirkt sich das auf Ihr Geschäft aus?

Guido Aehlen: Die meisten Kundenanfragen drehen sich mittlerweile um KI. Schnell lässt sich ein Prototyp bauen, doch die eigentliche Herausforderung beginnt bei der Skalierung: Datenmodelle, Schnittstellen zu anderen Systemen, Einbindung von Betriebsräten und rechtliche Fragen. Viele Projekte verlaufen hier im Sande. Deshalb gehen wir bewusst über die reine Technik hinaus. Mit unseren Advisory Services unterstützen wir Unternehmen auch beim Change Management, bei der Kommunikation mit Mitarbeitern oder bei der Auswahl sinnvoller Use Cases. Das macht für uns den Unterschied – wir liefern nicht nur Technologie, sondern sorgen dafür, dass sie auch im Alltag angenommen wird.

Wirtschaftsforum: Wie ist Hitachi Solutions heute strukturiert – und welche Kennzahlen beschreiben Ihr Geschäft am besten?

Guido Aehlen: Wir sind in Europa mit rund 900 Mitarbeitenden aktiv, davon etwa 120 in Deutschland. Neben Nürnberg haben wir Standorte in Frankfurt, Braunschweig und Hamburg sowie europäische Niederlassungen in London, Paris, Wien, Porto und Sofia. Unser Gesamtumsatz in Europa liegt bei etwa 120 Millionen EUR, davon entfallen rund 20 Millionen EUR auf Deutschland. Wachstum sehen wir vor allem in internationalen Projekten, die wir in enger Kooperation als europäische Gruppe stemmen. Diese Mischung aus lokaler Nähe und europäischer Zusammenarbeit ist für viele Kunden ein entscheidender Mehrwert. Gerade deutsche Mittelständler mit internationalen Standorten schätzen unsere Fähigkeit, Projekte global und gleichzeitig lokal ausgerichtet umzusetzen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle nehmen Sie persönlich in dieser Struktur ein?

Guido Aehlen: Ich sehe mich als Wegbereiter und Motivator. Die Nähe zu unseren Teams und Kunden ist mir besonders wichtig. Beratung lebt nicht von Produkten, sondern von Menschen und ihrem Know-how – wir verkaufen keine Maschinen, sondern leben von unseren Beratern. Deshalb setze ich darauf, die richtigen Leitplanken zu setzen, Perspektiven zu schaffen und gleichzeitig die lokalen Märkte im Blick zu behalten. International denken und lokal handeln – das ist für mich der Schlüssel.

Wirtschaftsforum: Ihr Portfolio basiert vollständig auf Microsoft-Technologien. Wie prägt das Ihre Arbeit?

Guido Aehlen: Unsere Kunden wissen: Mit uns setzen sie auf Microsoft. Wir sind in allen Domains ausgezeichnet und gestalten Projekte von ERP bis CRM. Zunehmend wichtig sind Automatisierung und KI. Dazu kommt Microsoft Teams, das sich immer stärker zum zentralen Hub entwickelt. Dank unserer engen Partnerschaft mit Microsoft sind wir in Early-Releases eingebunden, können Feedback aus Projekten direkt einbringen und so unseren Kunden zukunftsfähige Lösungen bieten. Auch unsere Marktstrategie basiert auf dieser klaren Positionierung: Wir treten konsequent als Microsoft-Spezialist auf – eine bewusste Differenzierung, die uns im Markt klar positioniert und für Wiedererkennung sorgt.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in den kommenden Jahren?

Guido Aehlen: Für uns zählt nicht, die Nummer 1 in Deutschland oder Europa zu werden. Viel wichtiger ist es, Beratung mit Substanz zu liefern. Wir wollen profitabel wachsen, spannende Projekte realisieren und langfristige Beziehungen pflegen. Dazu gehört auch, neue Märkte zu erschließen – etwa den Public-Sektor in Deutschland. Gleichzeitig profitieren wir von einer besonderen Kombination: Auf der einen Seite steht die Konzernstärke und Stabilität des Hitachi-Konzerns mit weltweit 500.000 Mitarbeitenden. Auf der anderen Seite agieren wir in Deutschland mit kurzen Wegen und flachen Hierarchien – eine Mischung, die Kunden sehr schätzen. Die meisten unserer Kunden begleiten uns seit vielen Jahren – eine stabile Basis, die uns Planungssicherheit gibt. Hinzu kommt die japanische Unternehmenskultur der Verlässlichkeit: Ein gegebenes Commitment wird immer eingehalten. Diese Haltung prägt unsere Arbeit und gibt unseren Kunden Vertrauen für die Zukunft.

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