Küchenkompetenz auf die Schiene gebracht

Interview mit Gerd Betz, Geschäftsführer und CEO der KUGEL Edelstahlverarbeitung GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Betz, Sie sind seit 2017 für KUGEL tätig, seit 2022 Geschäftsführer. Was waren für Sie Meilensteine, die das Unternehmen geprägt haben?

Gerd Betz: KUGEL wurde 1954 als Ein-Mann-Heizungs- und Lüftungsbetrieb gegründet und richtete den Fokus 1969 auf Edelstahlprodukte, anfangs für die Gastronomie, später auch für andere Branchen. Eine richtungsweisende Zäsur war der Einstieg in die Schienenfahrzeugbranche 2001; heute liegt hier klar unser Schwerpunkt, vor allem, wenn es um Bordküchen für Hochgeschwindigkeits- und Schnellzüge geht. Eine entscheidende Voraussetzung, um auf diesem Markt tätig zu werden, ist die Erfüllung verschiedener nationaler und internationaler Standards und Normen. Wir haben alle wichtigen Zertifizierungen und sind seit drei Jahren auch nach der internationalen Railway-Norm (kurz IRIS) zertifiziert.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich die Struktur und Organisation des Unternehmens im Laufe dieser Zeit entwickelt?

Gerd Betz: 2012 wurde KUGEL von der zur Blanc & Fischer Familienholding gehörenden Blanco Professional-Gruppe übernommen und ist als rechtlich eigenständige Einheit seit dem Jahr 2021 der obersten Konzernebene zugehörig. In Viechtach sind heute 120 Mitarbeiter tätig, der Umsatz liegt bei 17 Millionen EUR.

Wirtschaftsforum: Von der Gas-tronomie zur Bahnindustrie – was charakterisiert das Portfolio?

Gerd Betz: Wie bereits erwähnt sind Bordküchen für Hochgeschwindigkeits- und Schnellzüge unsere Kernprodukte. Dazu zählt über die mehrstufige Blechverarbeitung hinaus die komplette Verrohrung wasserführender Systeme, Kältetechnik, der Einbezug elektrischer Geräte und elektronischer Steuerungstechnik wie zum Beispiel Schaltschränke inklusive Verkabelung sowie über Edelstahl hinausgehende Designelemente; wir verarbeiten unter anderem Holzelemente, die wir von ausgewählten Partnern beziehen. Das Bahngeschäft ist sehr normenlastig und Brandschutz ein sehr relevantes Thema; nicht jedes Unternehmen verfügt über die entsprechenden Zertifizierungen. Daher arbeiten wir nur mit hinreichend zertifizierten Unternehmen zusammen. Auch wenn wir im Bahnsegment unseren Schwerpunkt sehen, weil wir hier unsere umfassenden technischen und produktionstechnischen Kompetenzen am besten ausspielen können, hindert uns dies nicht daran, auch für andere im Industrieumfeld angesiedelte Branchen wie beispielsweise die Medizintechnik tätig zu werden. Dort fertigen wir spezielle Produkte aus Edelstahl für Labore und Pathologien und wickeln auch größere branchenübergreifende Projekte ab, bei denen der Werkstoff Edelstahl zum Einsatz kommen soll.

Wirtschaftsforum: Wie beurteilen Sie die weitere Entwicklung der Branche und des Unternehmens?

Gerd Betz: Wir agieren auf einem Wachstumsmarkt und werden deshalb den Fokus auf den Bahnsektor verstärken. Das Gesamtumfeld bietet nach unserer Einschätzung ausreichend Möglichkeiten zu wachsen. Es ist zwar ein Nischenmarkt, andererseits ist die Anzahl der Wettbewerber durchaus begrenzt, da sich ein Einstieg aufgrund der vielen Normen und Standards sowie der Komplexität nicht so leicht bewerkstelligen lässt. Wir haben im Laufe der Jahre entsprechende Kompetenzen aufgebaut, sodass große Player wie Siemens, Hitachi, Stadler oder Alstom uns langjährig als zuverlässigen und qualitätsstarken Partner kennen. Wir werden uns strategisch so aufstellen, dass wir nachhaltig erfolgreich sind und die im Projektgeschäft üblichen Schwankungen ausgleichen können. In der Vergangenheit haben wir bereits gezeigt, dass wir mit Schwankungen umgehen können. 2015/16 war eine sehr kritische Zeit für KUGEL, 2017 bis 2019 waren die erfolgreichsten Jahre überhaupt, in denen wir uns konsolidieren und eine solide Grundlage für die Zukunft schaffen konnten. 2020 sank der Umsatz von mehr als 20 Millionen EUR auf 13 Millionen EUR. Dieser Umsatzrückgang war vorhersehbar und in unseren Planungsrechnungen frühzeitig erkennbar, da nach einem Großprojekt ein direktes Anschlussprojekt fehlte. Wir haben in der Zeit keine Mitarbeiter entlassen; für uns war klar, dass auch wieder bessere Zeiten kommen würden.

Wirtschaftsforum: Die strategische Ausrichtung auf nachhaltiges Wachstum ist ein wesentliches Unternehmenskennzeichen. Was sind weitere Gründe für den Erfolg?

Gerd Betz: Es sind nicht zuletzt auch unsere Werte; Werte, die sich mit denen der Holding und meinen persönlichen Werten decken. Dazu zählen Loyalität, Verlässlichkeit, Redlichkeit, ein fairer und partnerschaftlicher Umgang mit Lieferanten, Kunden und vor allem unseren Mitarbeitern. Wir legen Wert auf Transparenz und kommunizieren regelmäßig wichtige Zahlen und Botschaften; nicht nur, um Spekulationen vorzubeugen, sondern insbesondere die Motivation hoch zu halten. So herrscht hier auch in herausfordernden Zeiten auf allen Ebenen eine positive, von gegenseitigem Respekt geprägte Grundstimmung.

Wirtschaftsforum: Nicht zuletzt dank der Verkehrswende boomt der Markt. Wie sehen konkrete Ziele vor diesem Hintergrund aus?

Gerd Betz: Wir haben es mit langfristigen Projekten zu tun. Deshalb ist es auch für Kunden wichtig, einen Partner mit einer gewissen Größe an ihrer Seite zu wissen. Bis 2028 soll der Umsatz auf 22 Millionen EUR wachsen. Das bedeutet nicht, dass wir jedes Jahr wachsen müssen, wichtiger ist, profitabel zu sein. Unser Wachstumskurs soll nachhaltig stabilisiert werden, um unsere Marktführerschaft im Bereich der Railway-Bordküchen entsprechend zu stabilisieren und auszubauen.

Mehr zum Thema Kunststoff, Metall, Holz & Co.

„Unsere Produkte sind exotisch  und hochkomplex!“

Interview mit Dr. Sandro Silverio, Geschäftsführer der GAPI Technische Produkte GmbH

„Unsere Produkte sind exotisch und hochkomplex!“

Als Teil der GAPI-Gruppe stellt die GAPI Technische Produkte GmbH hochkomplexe Produkte aus dem Kunststoff Torlon® PAI (Brand GAPI PAI GLon™) her, mit denen sie anschließend vornehmlich große Fahrzeug-OEMs und…

Vom Handwerk zur inter­nationalen Hochbaustrategie

Interview mit DI (FH) Michael Schranz, Geschäftsführer der Handler Bau GmbH

Vom Handwerk zur inter­nationalen Hochbaustrategie

Vom regionalen Zimmereibetrieb zum innovativen Totalunternehmer: Die Handler Bau GmbH hat sich in mehr als 160 Jahren zu einem führenden Player im großvolumigen Wohn- und Hochbau entwickelt. Im Gespräch erläutert…

Im Tausendstel zu Hause

Interview mit Tobias Wild, Geschäftsführer der WILD & KÜPFER AG

Im Tausendstel zu Hause

Hochpräzision im Tausendstel-Millimeter-Bereich, Reinräume für Medizintechnik und Pharma, selbstfahrende Transportfahrzeuge in der Produktion: Die Wild & Küpfer AG aus Schmerikon ist kein typischer Kunststoffverarbeiter. Das Schweizer Familienunternehmen hat sich konsequent…

Spannendes aus der Region Landkreis Regen

Serielle Vorfertigung als Schlüssel moderner Wohnkonzepte

Interview mit Alexander Hartl, Geschäftsführer der Penzkofer Bau GmbH

Serielle Vorfertigung als Schlüssel moderner Wohnkonzepte

Steigende Baukosten, Fachkräftemangel und langwierige Genehmigungen setzen die Branche unter Druck. Gleichzeitig entstehen durch neue Materialien, digitale Prozesse und modulare Bauweise völlig neue Möglichkeiten. Die Penzkofer Bau GmbH, ein leistungsstarkes…

Mehr als klassische Maklerei

Interview mit Tobias Sachse, Geschäftsführer der Living Immo Lizenz Partner GmbH

Mehr als klassische Maklerei

Der Immobilienmarkt hat sich gewandelt – doch nicht jeder hat es bemerkt. Während ein Großteil der Branche am gewohnten Modell festhält, setzt Tobias Sachse auf radikale Transparenz und digitale Intelligenz.…

Transformation auf Augenhöhe

Interview mit Thomas Blöchl, CEO der T.CON GmbH & Co. KG

Transformation auf Augenhöhe

Wer die digitale Transformation in der produzierenden Industrie voranbringen will, braucht mehr als technologische Expertise. Gefragt sind Partner, die Prozesse verstehen, Veränderungen begleiten und Unternehmen langfristig durch den Wandel führen.…

Das könnte Sie auch interessieren

Mit starken Partnern  Zukunftsprojekte entwickeln

Interview mit Bernd Gemmel, Geschäftsführer der WDM Deutenberg GmbH

Mit starken Partnern Zukunftsprojekte entwickeln

Die Stärke und Vielseitigkeit von Drähten ist bereits seit Jahrhunderten bekannt – und trotzdem werden in den einzelnen Produktspektren weiterhin wichtige Innovationen umgesetzt: etwa bei der Stärkung nachhaltiger Fertigungsverfahren in…

Stahl, der Brücken schlägt

Interview mit Christian Rduch, Business Area Director und Christopher M. Hartmann, Geschäftsführer der ViaCon Hamco GmbH

Stahl, der Brücken schlägt

Deutschlands Infrastruktur hat ein Problem und Stahl könnte die Lösung sein. Während Betonbrücken aufwendig saniert oder neu gebaut werden müssen, setzt die ViaCon Hamco GmbH auf eine schnellere, wirtschaftlichere und…

Der Kunde will online – wir machen es möglich

Interview mit Bernd Lietke, Geschäftsführer der Bauwelt Glas- und Stahlprodukte Online GmbH

Der Kunde will online – wir machen es möglich

Der Onlinehandel erlebt seit Jahren einen Boom und hat unser Einkaufsverhalten grundlegend verändert. Längst landen nicht mehr nur Kleidung, Schuhe, Elektronikartikel oder Bücher im elektronischen Warenkorb; auch maßgeschneiderte Duschkabinen, Vordächer…

TOP