inveox: Der digitale Partner in der Pathologie

Interview mit Dominik Sievert, Gründer und CEO der inveox GmbH

Wirtschaftsforum: Sie ermöglichen, dass mehr Proben in kürzerer Zeit automatisch verarbeitet werden. Warum wird in Pathologielaboren bis jetzt offenbar vieles noch manuell erledigt?

Dominik Sievert: Das liegt daran, dass sich lange niemand um die Schnittstelle zwischen Arzt und Pathologielabor gekümmert hat. Wir sind die ersten, die sie mit unserem Automatisierungssystem miteinander verbinden und ihnen dadurch die Arbeit erleichtern. Dafür sind wir in viele Praxen und Labore gegangen und haben an die 50 Prototypen entwickelt, bis wir von beiden Seiten ein positives Feedback hatten. Es gab schon vorher Innovationen, sie haben sich aber nicht durchgesetzt. Keiner hatte eine wirklich bessere Lösung dafür, wie sich manuelle Prozesse ersetzen lassen. Die wollen wir übrigens gar nicht grundsätzlich kritisieren. Es geht schlicht darum, dass mehrere Tausend Gewebeproben, die täglich ins Labor kommen, aktuell noch mehrfach umgepackt und neu beschriftet werden müssen. Diese Arbeit ist fehleranfällig. Sie kann im schlimmsten Fall zu einer Fehldiagnose führen, wenn die Probe verwechselt oder verunreinigt wird.

 

„Wir haben unsere Partner immer wieder gefragt: Was müssen wir noch verbessern, damit es für euch wirklich passt?“ Dominik Sievert
Dominik Sievert, Gründer und CEO der inveox GmbH

Wirtschaftsforum: Was machen Sie anders als andere, die versuchten, diesen Prozess zu digitalisieren?

Dominik Sievert: Meine Mitgründerin Maria Sievert und ich haben sehr viel Wert daraufgelegt, nicht einfach eine fertige Lösung zu präsentieren, sondern eine, die wir mit unseren Partnern erarbeitet haben. Wir haben sie immer wieder gefragt: Was müssen wir noch verbessern, damit es für euch wirklich passt? Unser Produkt besteht heute aus drei Komponenten: einer sicheren Online-Plattform für die Datenübertragung zwischen Arzt und Pathologielabor, einem intelligenten Probenbehälter, in dem die Gewebeprobe bleibt, statt mehrfach neu verpackt zu werden, sowie einem Automaten zur Weiterverarbeitung.

Wirtschaftsforum: Auf Ihrer Homepage schreiben Sie, dass es bei der Vorbereitung der Gewebeproben im Labor in 1 bis 15% der Fälle zu Unregelmäßigkeiten kommt. Wie verhindern Sie das?

Dominik Sievert: Die größte Schwachstelle im Prozess ist tatsächlich der Probeneingang im Labor. Laut einer US-Studie passieren hier 70% der Fehler in Form von Verwechselungen, Verunreinigungen oder gar dem Verlust der Probe. Das hat unter anderem damit zu tun, dass der Arzt Daten und Informationen oft händisch auf einen Zettel schreibt und mit der Probe ins Labor schickt. Dort werden die Informationen manuell in ein IT-System übertragen. Indem wir die Systeme und Prozesseschritte miteinander vernetzen, können wir sicherstellen, dass dieser und andere Fehler vermieden werden können.

 

„Indem wir die Systeme und Prozesseschritte miteinander vernetzen, können wir sicherstellen, dass Fehler vermieden werden können.“ Dominik Sievert
Dominik Sievert, Gründer und CEO der inveox GmbH

Wirtschaftsforum: Wie gelingt es Ihnen, dass der Bereich, in dem eine intensive und persönliche Betreuung besonders wichtig scheint, nicht zu stark digitalisiert wird? Besteht nicht die Möglichkeit, dass künftig weniger persönlicher Kontakt zwischen Arzt und Patient besteht?

Dominik Sievert: Für den Patienten ändert sich durch unser Produkt nichts. Im Gegenteil. Er bekommt im besten Fall mehr Zeit für das Gespräch mit seinem Arzt, weil dieser weniger Dokumentationsaufwand hat.

Wirtschaftsforum: Planen Sie, das System auch während der Behandlung anderer Krankheiten einzusetzen?

Dominik Sievert: Die Pathologie arbeitet natürlich stark gewebebasiert. Es geht dabei meist, aber nicht ausschließlich, um Krebs. Die Diagnose von Tuberkulose findet zum Beispiel ebenfalls in der Pathologie statt.

Interview: Aurelia Leppen | Fotos: inveox

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Digitalisierung

Unsichtbar, aber unverzichtbar: Infrastruktur für eine vernetzte Zukunft

Interview mit Oliver Weicker, Chief Commercial Officer Telecom Solutions CEE der Prysmian Kabel und Systeme GmbH

Unsichtbar, aber unverzichtbar: Infrastruktur für eine vernetzte Zukunft

Ob Energiewende, Digitalisierung oder der explosionsartig wachsende Datenbedarf moderner Gesellschaften – ohne leistungsfähige Infrastruktur im Hintergrund geht heute nichts mehr. Stromnetze, Glasfasertrassen und Datenautobahnen bilden das Rückgrat wirtschaftlicher Entwicklung, bleiben…

Zahntechnik heute: Qualität, Nähe und Verantwortung

Interview mit J.-Thilo Reinhardt, Selbstständiger Unternehmer des J.-Thilo Reinhardt Dental Labor Obermeister der Zahntechnikerinnung Baden

Zahntechnik heute: Qualität, Nähe und Verantwortung

Die Zahntechnik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend gewandelt: vom klassischen Handwerksberuf hin zu einem hochpräzisen, technologiegetriebenen Gesundheitsberuf. Wie sich dieser Wandel auf Betriebe, Berufsbild und Markt auswirkt, erläutert…

Arbeitssicherheit strategisch gedacht

Interview mit Marc Riegel, Geschäftsführer und Jennifer Stöckel, Chief of Staff der SAFETEE GmbH

Arbeitssicherheit strategisch gedacht

Globale Krisen, geopolitische Spannungen und wachsende Anforderungen an Großprojekte verändern die Rahmenbedingungen der Arbeitssicherheit spürbar. Wie Unternehmen auch unter unsicheren Vorzeichen handlungsfähig bleiben und Sicherheit strategisch verankern, zeigt die SAFETEE…

Spannendes aus der Region Landkreis München

Neue Lösungen für alte (und neue) Kältemittel

Interview mit Mario Schemann, Geschäftsführer der Beijer Ref Deutschland GmbH

Neue Lösungen für alte (und neue) Kältemittel

Als einer der weltweit führenden Anbieter von Kälte- und Klimatechnik verfügt das Unternehmen Beijer Ref auch in Deutschland über ein starkes Vertriebsnetz, das im Zuge der weiteren Verschiebung der Kundenanforderungen…

Innovation im Vakuum

Interview mit Christopher Goebel, Geschäftsführer der ULVAC GmbH

Innovation im Vakuum

Die ULVAC GmbH bietet innovative Lösungen im Bereich der Vakuumtechnologie, die in einer Vielzahl von Indus­trien Anwendung finden, darunter Halbleiterfertigung, Automobilindustrie und Energiespeicherung. Die fortschrittlichen Vakuumgeräte und -systeme von ULVAC…

Aus Erfahrung digital – PentaSoft begleitet den Wandel

Interview mit Hartwig Stöckl, Manager Unternehmensentwicklung und Hubert Bichler, Vorstand der PentaSoft Unternehmensberatung AG

Aus Erfahrung digital – PentaSoft begleitet den Wandel

Der digitale Wandel ist für viele Firmen eine Herausforderung. Die PentaSoft Unternehmensberatung AG mit Sitz in Unterföhring begleitet Unternehmen seit fast drei Jahrzehnten auf diesem Weg. Mit einem starken Team…

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr als eine Auszeit

Interview mit Bernd Niemeyer, Geschäftsführer der Müller-Touristik GmbH & Co. KG

Mehr als eine Auszeit

Reisen ist mehr als Ortswechsel – es ist ein Gefühl von Freiheit, ein Ausbruch aus dem Alltag und eine bewusste Entscheidung für das Leben. Besonders Party- und Gruppenreisen bündeln diese…

Proteine, Prozesse, Partnerschaft

Interview mit Georg Wienker, Geschäftsführer der Nöll & Co. GmbH

Proteine, Prozesse, Partnerschaft

Wenn Lieferketten unter Druck geraten und Rezepturen immer anspruchsvoller werden, braucht die Lebensmittelindustrie Partner, die schnell, verlässlich und transparent liefern. Die Nöll & Co. GmbH verbindet Handel, Distribution und Produktion…

Der Wow-Effekt unter dem Helm

Interview mit Dirk Rosenbauer, Business Development ­Manager DACH, KASK Safety

Der Wow-Effekt unter dem Helm

Wenn es um Arbeitsschutz geht, entscheidet heute nicht mehr allein die Erfüllung von Normen über den Erfolg eines Produkts. In vielen Branchen zählt vor allem, ob Schutzausrüstung im Alltag akzeptiert…

TOP