Insolvenz als Geschäftsmodell? Das kann doch nicht sein!

Interview mit Wolfgang Grupp, Eigentümer und Geschäftsführer der Trigema Inh. W. Grupp e.K.

Wirtschaftsforum: Herr Grupp, Sie sprechen sich schon lange für die persönliche Haftung von Entscheidungsträgern in der Wirtschaft aus. Viele Menschen stimmen Ihnen zu. Warum kommt das Thema trotz Dieselskandal & Co. nicht in Bewegung?

Wolfgang Grupp: Da muss man erst einmal genau hinschauen, von wem diese Zustimmung kommt. Das sind klein- und mittelständische Unternehmer und natürlich viele Arbeitnehmer. Applaus aus Großkonzernen oder den Managementetagen bekomme ich verständlicherweise nicht. Zuletzt erwähnte ein mit mir bekannter Politiker, er würde meine Aussagen ständig in Stuttgart verteidigen, da sie nicht immer auf Gegenliebe stoßen würden. Dennoch bleibe ich dabei, dass die persönliche Haftung viele Probleme, an denen die Wirtschaft krankt, im Kern eliminieren würde. Solange aus fehlerhaftem Verhalten keine Konsequenzen gezogen werden, ändert sich nichts! Ich wurde letztes Jahr von einer Anwaltskanzlei angeschrieben, die mir als Dienstleistung eine gesteuerte Insolvenz mit finanziellen Vorteilen für mich als Inhaber anbot, da die Textilbranche ja schwierig und wenig zukunftweisend sei. Insolvenz als Geschäftsmodell? Das kann doch nicht sein!

Wolfgang Grupp
„Applaus aus Großkonzernen oder den Managementetagen bekomme ich verständlicherweise nicht.“ Wolfgang GruppEigentümer und Geschäftsführer

Wirtschaftsforum: Prof. Dr.-Ing. Evi Hartmann, die an der Universität Nürnberg-Erlangen lehrt, definierte jüngst den Begriff der Pseudo-Elite: viel fordern, wenig leisten. Wie stehen Sie dazu?

Wolfgang Grupp: Das ist doch eigentlich eine Frage der Erziehung der jungen Generation. Ich bleibe dabei: Jeder, der eine Entscheidung trifft und in der persönlichen Verantwortung steht, genießt die positiven Ergebnisse oder muss eben die negativen ausbaden. Leistung muss honoriert werden, aber Fehlleistung darf nicht ebenfalls honoriert werden!

Wirtschaftsforum: Wirtschaft, Politik und Experten sind geteilter Meinung in Bezug auf die Integration von Flüchtlingen im Arbeitsmarkt. Sie sind da einen Schritt weiter, oder?

Wolfgang Grupp: Bei Trigema sind aktuell 36 Flüchtlinge unter anderem aus Syrien, Pakistan und Afghanistan beschäftigt. Das sind zum Teil Menschen, die schon in ihrer Heimat an der Nähmaschine arbeiteten. Die Bewerbungen liefen ganz regulär über die von uns ausgeschriebenen Stellenanzeigen. Deutsche Näherinnen finde ich zudem überhaupt keine mehr. Die jungen Frauen machen alle ihr Abitur und schlagen andere Berufswege ein. Unternehmen, die komplizierte Bürokratie als Argument gegen eine Beschäftigung von Flüchtlingen vorschieben, haben meiner Meinung nach kein Interesse an ihnen als Arbeitskraft.

Mein Vorschlag an die Politik war, ob es nicht möglich wäre, die Abschiebung um ein oder zwei Jahre zu verschieben, also nicht aufzuheben, sofern der Unternehmer für den Flüchtling die Haftung übernimmt und auch den Arbeitsplatz während dieser Zeit garantiert.

„Unternehmen, die komplizierte Bürokratie als Argument gegen eine Beschäftigung von Flüchtlingen vorschieben, haben meiner Meinung nach kein Interesse an ihnen als Arbeitskraft.“ Wolfgang GruppEigentümer und Geschäftsführer
Wolfgang Grupp

Wirtschaftsforum: Geopolitisch hält US-Präsident Donald Trump die Welt in Atem. Was halten Sie von seiner Kritik an bestehenden Freihandelsabkommen?

Wolfgang Grupp: Donald Trump interessiert nur, was die Masse denkt und ich verstehe ihn sogar bis zu einem gewissen Punkt mit seinem „America first“. Meiner Meinung nach dürften es deutsche Politiker übrigens gar nicht anders halten. Jetzt sagt Donald Trump im Hinblick auf Freihandelsabkommen, dass andere viele Vorteile hätten und die USA kaum welche. Das ist wie eine Geschäftsbeziehung. Wenn ich mit einem Kunden eine gute Verbindung habe, Geld verdiene, aber das Gefühl bekomme, dass der Kunde kaum Geld verdient, gibt es nur eine Konsequenz: Die Geschäftsbeziehung wird von kurzer Dauer sein. Der Kunde wird irgendwann merken, dass er von dieser Verbindung nicht viel hat und am Schluss vielleicht sogar noch draufzahlt. Das kann nicht sein. Ein Freihandelsabkommen muss so sein, dass beide etwa ähnliche Vorteile haben, dann kündigt sie auch keiner auf. Gleichzeitig darf man sich selbst nie in Abhängigkeiten begeben. Das gilt für mich als Unternehmer genauso wie für den Staat mit Blick auf US-Wirtschaftssanktionen zum Beispiel gegenüber dem Iran.

Wirtschaftsforum: Sie hatten nach einem Chaosflug zuletzt kritische Worte für Lufthansa beziehungsweise deren Tochter Eurowings übrig. Fliegen Sie mittlerweile wieder?

Wolfgang Grupp: Ich habe gesagt, dass ich keine Inlandsflüge mehr mit Lufthansa beziehungweise Eurowings buchen werde, dies habe ich auch getan. Zuletzt bin ich nach Berlin mit dem Auto gefahren; wenn wir mehrere Termine an verschiedenen Orten haben, nehmen wir natürlich unseren Firmenhelikopter.

Interview: Markus Büssecker Fotos: Trigema

Lesen Sie von Wolfgang Grupp auch: Es kann nicht sein, dass Fehlleistungen honoriert werden!

 

Mehr zum Thema

Mit Leidenschaft und Liebe zum Detail

Interview mit Benjamin Lück, Geschäftsführer der TEUTOGUSS GmbH

Mit Leidenschaft und Liebe zum Detail

Gießereien spielen eine entscheidende Rolle in der industriellen Fertigung, indem flüssiges Metall in präzise Formen gegossen wird. Von Motorteilen in Fahrzeugen bis hin zu komplexen Maschinenteilen für die Luft- und…

„Unsere Dienstleistung ist unsere DNA!“

Interview mit François-David Tourneur, Geschäftsführer der Elis Group Services GmbH

„Unsere Dienstleistung ist unsere DNA!“

Seit über 100 Jahren engagiert sich die Elis-Gruppe in der Vermietung und Wiederaufbereitung von Berufsbekleidung und Flachwäsche und bietet ihre Dienstleistungen dabei vornehmlich Kliniken, Pflegeheimen, der Hotellerie sowie in der…

„Für einen Golfclub gilt: Entscheidend ist der Platz!“

Interview mit Wolfgang Michel, Geschäftsführer der Golfclub München Eichenried GmbH & Co. KG

„Für einen Golfclub gilt: Entscheidend ist der Platz!“

Einmal im Jahr geben sich die Spitzen-Golfer aus aller Welt bei der BMW International Open im Erdinger Moos die Klinke in die Hand. Jenseits dieses Events steht der Platz als…

Spannendes aus der Region

„Man darf keine Angst vor dem Wandel haben!“

Interview mit Pierre Brunel, CEO der Aon Schweiz AG

„Man darf keine Angst vor dem Wandel haben!“

Das globale Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen Aon steht seinen Kunden weltweit mit umfassender Expertise in den Bereichen Risiko, Altersversorgung, Vergütung und Gesundheit zur Seite und unterstützt in diesem Kontext insbesondere mit…

„Unsere Dienstleistung ist unsere DNA!“

Interview mit François-David Tourneur, Geschäftsführer der Elis Group Services GmbH

„Unsere Dienstleistung ist unsere DNA!“

Seit über 100 Jahren engagiert sich die Elis-Gruppe in der Vermietung und Wiederaufbereitung von Berufsbekleidung und Flachwäsche und bietet ihre Dienstleistungen dabei vornehmlich Kliniken, Pflegeheimen, der Hotellerie sowie in der…

Messe Stuttgart: Spitzenreiter in Sachen Nachhaltigkeit

Interview mit Stefan Lohnert, Geschäftsführer der Landesmesse Stuttgart GmbH

Messe Stuttgart: Spitzenreiter in Sachen Nachhaltigkeit

Die Messe Stuttgart setzt neue Maßstäbe in der deutschen Messelandschaft, insbesondere in puncto Nachhaltigkeit. Der Gewinn des Deutschen Nachhaltigkeitspreises bestätigt dieses Engagement. Mit einer CO₂-neutralen Energieversorgung und der Beteiligung an…

Das könnte Sie auch interessieren

Starke Modemarken unter einem Dach

Interview mit Anna-Lena Schulte-Angels, Geschäftsführerin und Raphael Heinold, Geschäftsführer sowie Mairin Wehage, Marketing & PR Manager der R.Brand Group GmbH

Starke Modemarken unter einem Dach

Die Modebranche ist ein faszinierendes Universum, das nicht nur Kleidung und Accessoires umfasst, sondern auch Trends, Kreativität und Identität verkörpert. Seit Jahrhunderten hat Mode die Art und Weise, wie Menschen…

Das tägliche Gefühl von Luxus

Interview mit Frederick Franz, General Manager der Simone Pérèle Mieder-Moden GmbH

Das tägliche Gefühl von Luxus

„Den Körper der Frau befreien und unterstützen“ – das war das Credo der Korsettschneiderin Simone Pérèle, die vor über 75 Jahren ihr eigenes Unternehmen gründete. Damit traf und trifft sie…

Schuhe: Einfach bequem und schön

Interview mit Isabel Krol, General Manager der The Sensible Shoe Company B.V.

Schuhe: Einfach bequem und schön

Gibt es das? Schuhe, die super bequem sind und auch noch gut aussehen? Die Antwort auf diese Frage liefert The Sensible Shoe Company B.V. aus dem niederländischen Berg en Dal.…

TOP