Wo die Seele des Prosecco wächst

Interview mit Stefano Gava, General Manager der Val d‘Oca S.r.l.

Wirtschaftsforum: Herr Gava, Val d’Oca blickt auf eine lange Geschichte zurück. Werfen wir doch zunächst einen Blick zurück: Wie hat alles begonnen?

Stefano Gava: Unsere Genossenschaft wurde 1952 in Valdobbiadene gegründet – eine Initiative lokaler Winzer, die sich nach dem Krieg zusammenschlossen, um ihre Kräfte zu bündeln. Heute produzieren wir etwa 15 Millionen Flaschen jährlich, davon 95% Prosecco in seinen verschiedenen Ausprägungen. Mit 600 Partnerwinzern kontrollieren wir rund 1.000 ha Rebfläche, was uns erlaubt, die gesamte Produktionskette inhouse zu steuern – vom Weinberg bis zur Flasche.

Wirtschaftsforum: Welche Produkte stehen im Mittelpunkt Ihres Sortiments?

Stefano Gava: Wir sind besonders stolz darauf, der größte Produzent des Prosecco DOCG Superiore di Cartizze zu sein – der Königsklasse des Prosecco. Wir kontrollieren 14 der insgesamt nur 106 Hektar dieses exklusiven Anbaugebiets. Ebenso führen wir bei den sogenannten Rive-Prosecchi, die besonders terroirgeprägt sind. Und nicht zuletzt ist unser Valdobbiadene DOCG ein echter Bestseller – vor allem im italienischen Lebensmitteleinzelhandel sind wir in dieser Kategorie Marktführer.

Wirtschaftsforum: Wenn man so erfolgreich ist, geht der Blick fast automatisch auch ins Ausland. Wie international ist Val d’Oca heute aufgestellt?

Stefano Gava: Der Export macht rund 35% unseres Geschäfts aus. Besonders stark sind wir in der Schweiz und in Norwegen vertreten. Deutschland ist für uns bisher noch ein kleinerer Markt, aber mit großem Potenzial. Unser Ziel ist ganz klar, international weiter zu wachsen – gerne auch über Europa hinaus.

Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen durch die letzten durchaus turbulenten Jahren gekommen?

Stefano Gava: Trotz Pandemie und Unsicherheiten konnten wir unser Volumen seit 2020 um etwa 20% steigern – das war ein großer Erfolg. Über 60% unseres Absatzes erzielen wir nach wie vor im Heimatmarkt Italien. Parallel dazu haben wir unsere Direktvermarktung über E-Commerce und den eigenen Shop ausgebaut – auch das trägt zur Stabilität bei. Zudem konnten wir unsere Markenbindung stärken und neue Zielgruppen direkt ansprechen.

Wirtschaftsforum: Viele reden von Nachhaltigkeit – bei Val d‘Oca scheint das gelebte Realität zu sein?

Stefano Gava: Absolut. Unser Modell erlaubt es uns, die komplette Produktionskette zu steuern. Diese Transparenz ist ein echter Wettbewerbsvorteil. Seit 2020 veröffentlichen wir zudem einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht. Unser Anspruch ist eine ganzheitliche Verantwortung – ökologisch, aber auch sozial. Unsere Winzer sollen nicht nur fair bezahlt werden, sondern langfristig motiviert bleiben.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist heute kaum noch getrennt vom Klimawandel zu betrachten. Welche Auswirkungen davon spüren Sie im Weinbau?

Stefano Gava: Der Klimawandel ist in Valdobbiadene längst spürbar. Besonders die veränderten Niederschlagsmuster stellen uns vor neue Aufgaben. Während früher kaum künstlich bewässert wurde, ist heute eine gezielte Wasserversorgung in bestimmten Lagen notwendig, um stabile Qualitäten zu gewährleisten. Solche Maßnahmen wären vor zwei Jahrzehnten undenkbar gewesen. Diese Entwicklungen fordern uns dazu auf, nachhaltige Strategien zu entwickeln, die sowohl ökologische Verantwortung als auch wirtschaftliche Tragfähigkeit vereinen – ein entscheidender Baustein für die Zukunft unserer Genossenschaft.

Wirtschaftsforum: Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich aktuell konfrontiert?

Stefano Gava: Der Konsum von Wein nimmt spürbar ab, sowohl im Inland als auch auf einigen Auslandsmärkten. Gleichzeitig stehen wir vor dem Problem, dass immer weniger junge Menschen den Beruf des Winzers ergreifen wollen. Viele unserer Mitglieder sind bereits im fortgeschrittenen Alter, und die körperlich anspruchs­volle Arbeit im Steilhang verliert an Attraktivität. Diese demografische Entwicklung stellt uns ebenso vor strategische Fragen wie die Digitalisierung oder der Ausbau neuer Vertriebskanäle. Es geht jetzt darum, das Weinhandwerk zukunftsfähig zu machen – durch bessere Rahmenbedingungen, gezielte Ausbildung und den Einsatz moderner Technologien.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Ihre Pläne für die nächsten Jahre aus – worauf dürfen wir gespannt sein?

Stefano Gava: Wir verfolgen klare Wachstumsziele – sowohl im Hinblick auf unsere internationale Präsenz als auch auf die Erweiterung unseres Sortiments. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf neuen Prosecco-Varianten mit reduziertem Alkoholgehalt, die wir auf natürliche Weise und ohne industrielle Entalkoholisierung erzeugen wollen. Gleichzeitig beobachten wir, dass Mixgetränke auf Prosecco-Basis, insbesondere bei einem jüngeren Publikum, immer beliebter werden – auch darauf wollen wir mit kreativen Produktideen reagieren. Unsere Vision bleibt dabei stets dieselbe: Val d‘Oca soll weltweit als authentischer Botschafter für echten, hochwertigen Prosecco wahrgenommen werden – als Marke, die regional verwurzelt ist und zugleich mit Innovationskraft, Qualität und einem starken Bekenntnis zur Nachhaltigkeit überzeugt.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Genusswelten

70 Marken, 95 Länder, eine Mission

Interview mit Alessandro Vella, General Manager der IWB Italia S.p.A.

70 Marken, 95 Länder, eine Mission

Italienischer Wein ist weltweit ein Exportschlager – und daran hat die IWB Italia S.p.A. mit Sitz im idyllischen Calmasino di Bardolino bedeutenden Anteil. Das Unternehmen vereint eine Vielzahl bekannter Marken…

Brot mit dem Geschmack von morgen

Interview mit Andreas Swoboda, Geschäftsführer der BIO BREADNESS GmbH

Brot mit dem Geschmack von morgen

Als Teil der Pandriks Gruppe arbeitet BIO BREADNESS in Fulda, Deutschland, eng mit dem niederländischen Schwesterunternehmen Pandriks Bake Off B.V. zusammen, um Bio-Brot zu produzieren, das sich durch Qualität, Geschmack…

Mit Schokolade Grenzen überwinden

Interview mit Tobias Goßens, Geschäftsführer der Rotstern Schokoladen GmbH & Co. KG/Argenta Schokoladenmanufaktur GmbH

Mit Schokolade Grenzen überwinden

Kaum ein Lebensmittel ruft so starke Emotionen hervor wie Schokolade. Sie tröstet, belohnt, verbindet Generationen und ist dabei weit mehr als nur ein süßer Snack. Während große Konzerne weltweit um…

Spannendes aus der Region Valdobbiadene (VE)

Hochleistungsprodukte

Interview mit Manfred Rauhe, Externer strategischer Berater der Mito Polimeri Srl

Hochleistungsprodukte

Sie sind echte Highperformer mit hoher Leistung, die technischen Kunststoffe. In zahlreichen Bereichen sind sie alternativlos und ersetzen in mehr und mehr industriellen Anwendungen zunehmend Metall. Führende Konzerne sind Covestro,…

„Nahrung ist die Basis für ein gutes Leben“

Pierantonio Sgambaro, CEO der Sgambaro S.p.a.

„Nahrung ist die Basis für ein gutes Leben“

Alles Bio? Nicht ganz – aber so gut wie Bio sind alle Nudeln aus dem Haus der Sgambaro S.p.a. Das Familienunternehmen aus dem italienischen Castello di Godego hat seine Grundsätze…

Kein Glas zu viel

Interview mit Arianna Morimando, Marketingleiterin der Vetroelite SpA

Kein Glas zu viel

Das Auge isst mit - und das Auge kauft mit! Jede Kaufentscheidung ist ein komplizierter psychologischer Prozess, der vor allem von Emotionen angetrieben wird. Das Design eines Produkts bleibt einer…

Das könnte Sie auch interessieren

„Inzwischen sind wir nicht nur eine Marke, sondern ein Qualitätssiegel!“

Interview mit Roman Kowalew, Senior Brand Manager der DOVGAN GmbH

„Inzwischen sind wir nicht nur eine Marke, sondern ein Qualitätssiegel!“

Ethnowochen stehen in deutschen Supermärkten und Discountern hoch im Kurs: Osteuropäische Produkte haben es den Verbrauchern inzwischen besonders angetan – die Paradedisziplin der DOVGAN GmbH, die seit fast 30 Jahren…

Die Formel für flüssigen Erfolg

Interview mit Guido Kühne, Geschäftsführer der Refresco Deutschland GmbH

Die Formel für flüssigen Erfolg

Der deutsche Getränkemarkt gilt als anspruchsvoll: hoher Kostendruck, steigende Anforderungen an Effizienz und Nachhaltigkeit, zugleich ein intensiver Wettbewerb. Dass sich in diesem Umfeld dennoch Wachstum erzielen lässt, zeigt die Refresco…

Café-Kultur trifft Backstube

Interview mit Gürol Gür, Geschäftsführer der Schanzenbäckerei GmbH

Café-Kultur trifft Backstube

Das Bäckerhandwerk steht unter hohem Veränderungsdruck: Hohe Energie- und Rohstoffkosten, steigende Löhne, Ansprüche an Sortiment und Service sowie der Fachkräftemangel zwingen Betriebe dazu, ihre Strukturen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig bleibt der…

TOP