Metall in Form: Effiziente Lösungen für die Zukunft

Interview mit Andreas Hellmann, Leiter der STÜKEN MEDICAL Hubert Stüken GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Hellmann, die Hubert Stüken GmbH & Co. KG ist als Auftragsfertiger tätig und tritt nach außen wenig in Erscheinung. Warum dieser Ansatz?

Andreas Hellmann: Unser Fokus liegt auf Präzisionsteilen, und unser Prozess ist nicht überall bekannt. Wir sind Auftragsfertiger, aber darüber hinaus bieten wir unseren Kunden umfassende Lösungen und Beratung. Die Sichtbarkeit nach außen ist in der Tat ein Punkt, an dem wir arbeiten müssen. Unser Leistungsspektrum reicht vom optimalen Materialeinsatz über effiziente Fertigungsprozesse bis zu einer Vielzahl von Veredelungs- und Weiterverarbeitungsprozessen. Wir sind Entwicklungspartner für neue Produkte und stehen unseren Kunden von der Konzeption bis zur Serienfertigung zur Seite.

Wirtschaftsforum: Das klingt sehr vielseitig. Können Sie uns etwas zur Historie des Unternehmens sagen?

Andreas Hellmann: Die Hubert Stüken GmbH & Co. KG wurde 1931 gegründet und hat sich seitdem stetig weiterentwickelt. Wir haben internationale Niederlassungen in China, den USA und Tschechien, während unser Stammwerk in Deutschland liegt. Wir beschäftigen rund 850 Mitarbeiter am Standort Rinteln und insgesamt etwa 1.200 weltweit.

Wirtschaftsforum: In welchen Bereichen kommen die Produkte von Stüken zur Anwendung?

Andreas Hellmann: Unser Fokus liegt auf dem Tiefziehen von Metall, insbesondere von Stahl, Edelstahl, Nickel, Kupfer, Messing, Bronze, Aluminium und Sondermetallen wie Titan. Wir fertigen täglich 50 Millionen Teile, die in verschiedenen Industrien Verwendung finden, darunter im Automobilbereich inklusive Elektromobilität, in der Elektronik und Elektrotechnik, in industriellen Anwendungen, Hausgeräten und der Haustechnik. Die Anwendungsgebiete für unsere Teile in meinem Zuständigkeitsbereich, der Medizintechnik, sind beispielsweise medizinische Pumpen, Diabetes-Care, Fieberthermometer, medizinische Werkzeuge, die Applikation von Medikamenten, Primärverpackungen und medizinische Gehäuse.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich der Markt in den letzten Jahren entwickelt?

Andreas Hellmann: Der Markt ist dynamisch. Es gibt alternative Technologien wie das Drehen, aber je nach Situation ist das Tiefziehen oft der effizienteste Prozess, besonders bei großen Stückzahlen und kleinen, präzisen Teilen. Wir sind heute der größte Anbieter dieses Prozesses und produzieren die meisten Teile. Marktverschiebungen durch Ereignisse wie die Coronapandemie können wir dank unserer breiten Aufstellung intern ausgleichen. In volatilen Zeiten ist es wichtig agil zu sein. Daher investieren wir in Innovationen, um unsere Prozesse zu optimieren. Darüber hinaus haben wir während der Energiekrise in PV-Anlagen investiert und unsere Prozesse optimiert, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Wirtschaftsforum: Sprechen wir über die digitale Transformation. Wie hat diese Ihr Unternehmen beeinflusst?

Andreas Hellmann: Wir gestalten die digitale Transformation seit Jahren aktiv mit. Wir setzen verstärkt auf Robotereinsatz und vernetzen uns durch Daten, insbesondere für die Qualitätssicherung. Die Simulation ermöglicht es uns, schneller zu produzieren und Werkzeuge vorab zu testen. Auch in der Teamarbeit gehen wir neue Wege.

Wirtschaftsforum: Welche Erfolgsfaktoren sehen Sie für Stüken?

Andreas Hellmann: Unsere breite Aufstellung, das internationale Geschäft, das ausgeprägte Know-how und die Nutzung aller verfügbaren Daten sind entscheidende Faktoren. Wir setzen auf IT-Technologien, haben einen eigenen Werkzeugbau mit über 100.000 erstellten Werkzeugen und beherrschen verschiedene Prozesse wie die Lasertechnologie, Stanzen und Schweißen. Die 100%ige Prüfung und Veredelung mit Wärmebehandlung sind weitere Elemente, die uns auszeichnen.

Wirtschaftsforum: Blicken wir in die Zukunft. Was sind Ihre Philosophie und Ihre Ziele?

Andreas Hellmann: Wir setzen auf Fachkräfte, bilden eigene Azubis aus und verwenden das duale System auch in unseren ausländischen Niederlassungen. Unsere Mitarbeiter sollen Freude an der Arbeit haben und stolz auf das sein, was sie tun. Nachhaltigkeit ist uns besonders wichtig. Metall kann recycelt werden, aber der Energieaufwand ist hoch. Daher streben wir einen optimalen und langlebigen Einsatz an. Der Klimawandel ist ein großes Problem, und wir möchten unseren Beitrag leisten, indem wir den CO2-Ausstoß reduzieren. Mit Weitblick investieren wir in unsere Gebäude, Produktionsanlagen, Lagertechnik und Transportsysteme. Dabei nutzen wir die Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung und Automatisierung. Mit Innovationen und der Schaffung immer neuer Mehrwerte wollen wir gemeinsam mit unseren Kunden weiterwachsen.

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