Stille Helfer made in Switzerland

Interview mit Sandro Meier, Geschäftsführer der Hefe Schweiz AG

Wirtschaftsforum: Herr Meier, Schweizer Qualität ist legendär und genießt in der ganzen Welt besonderes Ansehen. Sie sind Geschäftsführer der Hefe Schweiz AG, einem Unternehmen, das exemplarisch für diese Qualität steht. Können Sie Meilensteine in der Unternehmensgeschichte näher erläutern?

Sandro Meier: Die Hefe Schweiz AG ist geprägt von Tradition und Innovation. Ihre Ursprünge gehen auf das Jahr 1888 und eine Brennereigenossenschaft zurück. Die eigentliche Gründung fand im Jahr 1902 statt, als an unserem heutigen Standort in Stettfurt im Kanton Thurgau die Presshefefabrikation anlief. Seit 1993 sind wir das einzige Unternehmen in der Schweiz, das Backhefe herstellt – ausschließlich aus Schweizer Rohstoffen. Unser großer Vorteil ist, dass wir eigene Grundwasserquellen und seit 1995 eine eigene Vorkläranlage haben. Neben konventioneller Hefe bieten wir seit 2004 auch Biohefe an; damit waren wir echte Pioniere.

Wirtschaftsforum: Seit 2024 ist Hefe Schweiz Teil der Lallemand-Gruppe, einem der weltweit größten Unternehmen in der Hefeproduktion. Wie kam es dazu?

Sandro Meier: Lallemand ist ein international tätiges Familienunternehmen in der 3. Generation, mit dem wir lange und sehr erfolgreich ein Joint Venture hatten. An unserem Produkt, der von A bis Z in der Schweiz hergestellten Hefe, hat der Zusammenschluss nichts verändert. Allerdings profitieren wir heute von Ressourcen und Know-how, die unseren Standort weiter stärken. Wir haben die Möglichkeit, weiter in unsere Zukunft zu investieren und unsere Marktführerschaft zu stärken.

Wirtschaftsforum: Bei der Hefe Schweiz dreht sich seit 125 Jahren alles um Backhefe made in Switzerland. Was kennzeichnet die Hefeproduktion?

Sandro Meier: Die Hefeproduktion erfolgt in verschiedenen Fermentationsschritten. Alles beginnt in einem Reagenzglas im Labor, wo Zuckerwasser mit Hefezellen geimpft wird. Wenn die Hefe nach der Fermentation geerntet wird, entsteht ein Heferahm. Dabei wird die nährstoffhaltige Brühe – das Bier – in Separatoren mit unserem Quellwasser ausgewaschen, wobei die Hefezellen zurückgehalten werden. Das Wasser wird dem Heferahm über einen Vakuumdrehfilter entzogen, sodass reine Hefe übrigbleibt, die, je nach Kundenbedarf, zu klassischen 42-g-Würfeln oder großen Blöcken gepresst wird. Hefe Schweiz setzt sich in mehrfacher Hinsicht vom Wettbewerb ab. Wir haben eigene Wasserquellen und beziehen sämtliche Rohstoffe wie Melasse und Dicksaft von Schweizer Lieferanten.

Wirtschaftsforum: Gibt es Produkthighlights?

Sandro Meier: Den größten Teil unseres Portfolios macht konventionelle Backhefe aus. Daneben bieten wir aus Biorübenmelasse gewonnene Biohefe an sowie Hefe plus, eine Spezialhefe, die auch nach einer Tiefkühlung mit optimaler Triebkraft überzeugt. Mit Panatura führen wir einen verarbeitungsfertigen, fermentierten Vor- beziehungsweise Sauerteig an, der vor allem aus natürlichen Rohstoffen hergestellt wird. Biohefe und Panatura exportieren wir nach Deutschland zur dortigen Lallemand-Tochtergesellschaft.

Wirtschaftsforum: Hefe Schweiz ist ein Pionier auf dem Gebiet der Biohefe. Spielt Nachhaltigkeit insgesamt eine wichtige Rolle?

Sandro Meier: Allein die Tatsache, dass wir unser eigenes Wasser haben, die meisten Rohstoffe aus der Region beziehen und keine weiten Transportwege haben, spricht für Nachhaltigkeit. Aber es gibt weitere Aspekte wie ein Kreislaufsystem für unsere Transportkästen. Wir transportieren Hefe für unsere Gewerbekunden in Kästen – in der Schweiz nennen wir diese ‘Harasse’ –, die wir wieder zurücknehmen, säubern und erneut einsetzen. Wir engagieren uns in einem Nachhaltigkeitsprogramm der Schweizer Regierung und sind in das ESG von Lallemand eingebunden. Das heißt, es gibt verschiedene Maßnahmen, um nachhaltig zu agieren. Dafür zählt für uns auch, ein guter, verlässlicher Arbeitgeber zu sein.

Wirtschaftsforum: Hefe Schweiz ist ein Traditionsunternehmen mit Innovationsgeist. Welche Rolle spielen moderne Technologien?

Sandro Meier: Niemand kommt an der Digitalisierung vorbei, auch unsere Branche nicht. Wir arbeiten zum Beispiel mit einem modernen ERP-System und EDI und haben durch Lallemand ganz neue technische Möglichkeiten.

Wirtschaftsforum: Wer zählt zu den Abnehmern der Hefe?

Sandro Meier: Wir arbeiten mit großen Detailhändlern zusammen, die eigene Hausbäckereien betreiben, aber auch für traditionelle Bäckereien mit wenigen Filialen.

Wirtschaftsforum: Was schätzen die Kunden besonders an der Zusammenarbeit und den Produkten?

Sandro Meier: Unsere Erfahrung aus 125 Jahren und die Produktqualität sind wichtige Assets. Hinzu kommt, dass wir mit 45 Mitarbeitenden ein kleines, agiles Unternehmen sind, für das der Kunde König ist. Wir sind immer für unsere Kunden da, weil wir wissen, wie wichtig unser Produkt ist. Es ist ein besonderes Produkt, hat etwas Urtümliches und ist Teil eines Grundnahrungsmittels. Dass wir dieses Produkt vor Ort mit Schweizer Rohstoffen herstellen und die gesamte Wertschöpfungskette abdecken, macht uns stolz.

Mehr zum Thema Industrielle Zulieferer

„Man muss ehrlich sein – das zahlt sich am Ende aus“

Interview mit Reinhard Decker, Geschäftsführer der Decker Containerbau GmbH & Co.

„Man muss ehrlich sein – das zahlt sich am Ende aus“

Wer mit Reinhard Decker spricht, merkt schnell: Hier redet keiner aus dem Lehrbuch. Decker kommt aus der Praxis – aus Werkstatt, Baustelle und Familienbetrieb. Heute entwickelt sein Unternehmen Containerlösungen für…

Die Brücke zwischen Asien und Europa stärken

Interview mit Jörg Gutsche, Geschäftsführer der TaiGer Deutschland GmbH

Die Brücke zwischen Asien und Europa stärken

Globale Lieferketten neu denken, Kundenbeziehungen beleben und Wachstum mit Augenmaß gestalten: Die TaiGer Deutschland GmbH positioniert sich als verlässlicher Partner für Unternehmen, die Kunststoffspritzguss, Druckguss, ­Silikonlösungen, elektronische Komponenten und ganze…

Mehr Komfort und Sicherheit in der Bahn

Interview mit Roberto Taccucci, Sales Director der TSL-ESCHA GmbH

Mehr Komfort und Sicherheit in der Bahn

Die TSL-ESCHA GmbH hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von Tastern, Warnmeldern und Signalleuchten in der Bahntechnik spezialisiert und kann als Teil des französischen MAFELEC TEAM inzwischen noch auf…

Spannendes aus der Region Stettfurt

„Prozessentwicklung wird oft unterschätzt“

Interview mit Dirk Schnur, Chief Marketing Officer der TELSONIC AG

„Prozessentwicklung wird oft unterschätzt“

Seit über 55 Jahren ist technische Weiterentwicklung das Kennzeichen der TELSONIC AG. Das Schweizer Unternehmen aus Bronschhofen ist spezialisiert auf Ultraschall-Schweißanlagen und verfolgt einen rundum nachhaltigen Ansatz. Unter anderem für…

IT im Einklang – Ihr Orchester für mehr Erfolg

Interview mit Manuel Domeisen, Geschäftsführer der avaris/IT AG

IT im Einklang – Ihr Orchester für mehr Erfolg

Die digitale Welt bietet scheinbar grenzenlose Chancen und Möglichkeiten, gleichzeitig aber auch bisher unbekannte Risiken. Deshalb ist es wichtig, bei der digitalen Transformation einen zuverlässigen und kompetenten Partner an der…

Im Handwerk mit der Zeit gehen

Interview mit Serge Eggler, Leiter ecoleo / Projektleiter der Schreinerei Fust AG

Im Handwerk mit der Zeit gehen

Handwerk meets Onlineworld: Die Schreinerei Fust AG aus Wil im Schweizer Kanton St. Gallen hat entschlossen den Weg in die digitale Verkaufswelt eingeschlagen und damit bewiesen, dass Handwerk ganz schön…

Das könnte Sie auch interessieren

Wenn Klinikessen Hightech wird

Interview mit Marc Donners, Geschäftsführer der ELECTRO CALORIQUE ­Speisenverteilsysteme GmbH

Wenn Klinikessen Hightech wird

Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Reha-Zentren müssen ihre Abläufe neu organisieren: Fachkräftemangel, Kostendruck und steigende Hygieneanforderungen verändern selbst scheinbar etablierte Prozesse. Besonders die Verpflegung rückt dabei in den Fokus. Die ELECTRO CALORIQUE…

Geschmack trifft Emotion

Interview mit Lukas M. Walchhofer, geschäftsführender Gesellschafter von STAY SPICED !

Geschmack trifft Emotion

Was macht aus einem Gewürz ein Lifestyle-Produkt? Die SPICEWORLD GmbH vereint in ihrer Marke STAY SPICED ! hochwertige Rohstoffe, nachhaltige Produktion und eine emotionale Markenwelt. So entwickelte sich das Unternehmen…

Drei Standbeine, ein Erfolgsrezept

Interview mit Jochen Spiegel, Geschäftsführer der Spiegel GmbH

Drei Standbeine, ein Erfolgsrezept

Die Spiegel GmbH vereint gleich drei Geschäftsfelder unter einem Dach: handwerkliche Bäckerei, Lebensmitteleinzelhandel und die bundesweite Belieferung der Systemgas­tronomie. Für Jochen Spiegel, Geschäftsführer in 4. Generation, liegt der Schlüssel zum…

TOP