Tiernahrung mit Qualitätsanspruch
Interview mit Beate Rank, Geschäftsführerin der F&F Pet Food GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Rank, wie entstand die Idee, mit der F&F Pet Food GmbH ein eigenes Unternehmen in der Tiernahrungsbranche aufzubauen?
Beate Rank: Ich war viele Jahre im E-Commerce tätig und habe bereits Unternehmen gegründet und erfolgreich verkauft. Nach meinem letzten Exit wollte ich etwas Sinnstiftendes aufbauen. Auslöser war mein eigener Hund, durch den ich mich intensiv mit Tierernährung beschäftigt habe. Dabei fiel mir auf, dass sich die Branche häufig an Margen statt am Tier orientiert. Genau das wollte ich ändern. Deshalb habe ich die Ernährungsexpertin Dr. Susan Krüger gezielt mit der Frage angesprochen, wie das bestmögliche Tierfutter aussehen würde, wenn Preis- und Margenvorgaben keine Rolle spielten.
Gemeinsam entwickelten wir unsere ersten Rezepturen und testeten sie zunächst mit 100 Tierhaltern. Die Resonanz war überwältigend und die positiven Veränderungen bei den Tieren bestätigten unseren Ansatz. Das hat uns darin bestärkt, den nächsten Schritt zu gehen. Anschließend investierten wir gemeinsam mit meinen Mitgründern rund 7,5 Millionen EUR in eine eigene Produktion und starteten 2020 mit den ersten drei Rezepturen für Hunde. Heute erwirtschaften wir einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich und wachsen weiterhin stark.
Wirtschaftsforum: Was macht Ihre Produkte so besonders und wodurch heben Sie sich im Wettbewerb ab?
Beate Rank: Wir produzieren unsere Produkte selbst und haben dadurch die volle Kontrolle über Qualität und Prozesse. Unter unserer Marke Fred & Felia bieten wir heute ein Premium-Vollsortiment für Hunde und Katzen an. Unsere ursprünglichen Rezepturen haben bis heute Bestand. Wir verwenden ausschließlich Zutaten in Lebensmittelqualität und verzichten konsequent auf Farbstoffe, Konservierungs- und Bindemittel sowie andere industrielle Hilfsstoffe. Je nach Rezeptur beziehen wir unsere Rohstoffe möglichst aus Deutschland und Europa, beispielsweise Pferdefleisch aus Norditalien oder Wild aus Österreich und Polen. Gemeinsam mit Tetra Pak haben wir ein Produktionsverfahren entwickelt, das unseren hohen Qualitätsanspruch mit sichtbaren Zutaten und schonender Verarbeitung ermöglicht. Die Tetra-Pak-Verpackung bietet zudem eine nachhaltigere und anwenderfreundliche Lösung.
Unser Ziel ist es, Tiernahrung zu entwickeln, die sich konsequent am Wohl von Hund und Katze orientiert.
Wirtschaftsforum: Wie ist F&F Pet Food heute aufgestellt und welche Rolle spielt Ihr Team?
Beate Rank: Heute beschäftigen wir rund 50 Mitarbeiter und bilden nahezu die gesamte Wertschöpfungskette selbst ab, vom Einkauf über Produktion und Logistik bis hin zu Marketing, Technik und Vertrieb. Lediglich einzelne Marketingleistungen unterstützen zwei externe Agenturen. Produziert wird in Debring bei Bamberg, Logistik und Büro befinden sich in unmittelbarer Nähe. Dadurch können wir schnell entscheiden und flexibel handeln. Besonders wichtig ist mir unsere Unternehmenskultur. Viele Mitarbeiter testen neue Produkte mit ihren eigenen Hunden und Katzen und bringen ihre Erfahrungen direkt in die Entwicklung ein. Auch meine Labradorhündin Gini ist fester Bestandteil der Produktentwicklung, begleitet mich regelmäßig an unsere Standorte und ist längst zum Maskottchen des Unternehmens geworden. Tierliebe gehört für uns ganz selbstverständlich zur Unternehmenskultur.
Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung haben Digitalisierung und die internationale Expansion für Ihr Unternehmen?
Beate Rank: Rund 90% unseres Umsatzes erzielen wir online. Ergänzend sind unsere Produkte bei Fachhandelspartnern wie Fressnapf, Futterhaus, ZooRoyal, Kölle Zoo oder Pflanzen Kölle erhältlich, was unsere Markenbekanntheit zusätzlich stärkt. Aktuell entfallen rund 85% unseres Geschäfts auf Deutschland und 15% auf Österreich. Zudem bauen wir den Fachhandel und anschließend unseren eigenen Onlineshop europaweit weiter aus. Besonders interessante Märkte sind dabei Spanien und die Schweiz. Digitalisierung spielt für uns eine wichtige Rolle. Wir entwickeln unter anderem einen KI-gestützten Futterberater. Die persönliche Beratung bleibt jedoch ein wichtiger Bestandteil unseres Kundenservice.
Auch international stoßen unsere Produkte auf wachsendes Interesse. Darüber hinaus erhalten wir bereits Anfragen aus den USA sowie aus Asien, unter anderem aus Hongkong und Thailand. In Ungarn und Bulgarien entstehen derzeit neue Kooperationen, während wir für weitere Märkte, etwa in Skandinavien, passende Kooperationsmodelle prüfen.
Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen haben Sie beim Aufbau des Unternehmens besonders geprägt?
Beate Rank: Der Aufbau einer eigenen Produktion war sicherlich die größte Herausforderung. Uns war von Anfang an bewusst, dass wir rund drei bis vier Jahre bis zur Profitabilität benötigen würden. Deshalb haben wir von Beginn an mit fundierten Businessplänen und verschiedenen Szenarien gearbeitet. Hinzu kamen die Auswirkungen des Krieges, schwierige Beschaffungssituationen und stark gestiegene Rohstoffpreise. Trotzdem entwickelt sich der Premiumbereich erfreulich stabil. Um unsere gesamte Energie auf Fred & Felia zu konzentrieren, haben wir bewusst auf Private Label- und Lohnproduktionsgeschäft verzichtet und setzen auf verlässliche Lieferanten sowie möglichst kurze europäische Lieferketten.
Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie für F&F Pet Food in den kommenden Jahren und was treibt Sie persönlich an?
Beate Rank: Unser Ziel ist es, Fred & Felia als führende Premiummarke in Europa zu etablieren und unsere Produktionskapazitäten auszubauen. Langfristig streben wir einen Umsatz von rund 100 Millionen EUR an und planen dafür eine weitere Produktionsanlage. Unser Fokus bleibt auf Premium-Nassfutter für Hunde und Katzen sowie auf unserer eigenen Marke. Wachstum darf dabei niemals zulasten von Qualität, Philosophie oder persönlicher Beratung gehen. Mich motiviert vor allem der Gedanke, das Leben von Hunden und Katzen nachhaltig zu verbessern. Wenn Kunden berichten, dass ihre Tiere gesünder, vitaler und glücklicher geworden sind, bestätigt mich das jeden Tag darin, unseren Weg weiterzugehen.












