„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Interview mit Viktoria Steiner, Geschäftsführerin der raro plastics GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Steiner, Sie sind seit 2021 Geschäftsführerin der raro plastics GmbH. Wie sind Sie in diese Rolle hineingewachsen und was umfasst Ihr Aufgabenfeld?

Viktoria Steiner: Ich wurde in die Branche hineingeboren. Mein Studium der Mechatronik war für mich deshalb ein logischer Schritt. Vor fünf Jahren konnte ich raro plastics als Tochterunternehmen übernehmen, und diese Chance habe ich genutzt. Ich kümmere mich vor allem um die technische Seite, also Produktion, Planung und den direkten Austausch mit Kunden. Dieses Zusammenspiel reizt mich besonders.

Wirtschaftsforum: Das Unternehmen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wo liegen heute die Schwerpunkte?

Viktoria Steiner: Unsere Wurzeln reichen bis 1899 zurück. Damals wurden Stahltypen für Schreibmaschinen heute Typenräder aus Kunststoff gefertigt, ein Produkt, das wir tatsächlich auch noch in kleinen Stückzahlen anbieten. Gleichzeitig haben wir uns stark weiterentwickelt: Heute fertigen wir Kunststoffteile für unterschiedlichste Branchen, von Sicherheitstechnik über Medizintechnik bis hin zu Komponenten für elektrische Systeme.

Wirtschaftsforum: raro plastics ist also ein klassischer Zulieferer?

Viktoria Steiner: Genau. Die meisten Teile entstehen nach Kundenvorgaben. Wir verstehen uns aber nicht nur als Produzenten, sondern als Partner. Wir beraten früh im Prozess, entwickeln Prototypen und sagen auch offen, wenn etwas nicht funktioniert. Diese Ehrlichkeit zahlt sich aus.

Wirtschaftsforum: Wodurch heben Sie sich vom Wettbewerb ab?

Viktoria Steiner: Wir sind nicht zu groß. Für uns ist das ein Vorteil, denn wir sind flexibel und können auch kleine Losgrößen wirtschaftlich umsetzen: Auch wenn jemand nur 100 Teile braucht, machen wir das. Große Anbieter können das kaum leisten. Gleichzeitig bieten wir hohe Präzision, vor allem durch unseren spezialisierten Werkzeugbau.

Wirtschaftsforum: Wie haben Sie die jüngsten Krisen erlebt?

Viktoria Steiner: Direkt und deutlich. Material- und Energiekosten sind gestiegen, und das mussten wir weitergeben. Wichtig ist dabei Transparenz: Wir sprechen offen mit unseren Kunden, und die meisten haben auch Verständnis. Schwieriger ist das Thema Recycling: Es ist wichtig, aber technisch noch nicht überall ausgereift und oft sogar teurer als neues Material.

Wirtschaftsforum: Ein großes Thema ist auch der Fachkräftemangel. Wie gehen Sie damit um?

Viktoria Steiner: Gute Fachkräfte sind schwer zu finden. Wir setzen daher stark auf Ausbildung im eigenen Haus. Wir haben Mitarbeiter, die sich vom Produktionsmitarbeiter zum Einrichter weitergebildet haben. Das zeigt: Wenn man Menschen die Chance gibt, entwickeln sie sich.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?

Viktoria Steiner: Wir sind ein kleines Team, jeder kennt jeden. Wichtig ist mir, dass hier niemand nur eine Nummer ist. Dass wir ein Familienunternehmen sind, spürt man eben auch genau daran: Wir haben eine größere Nähe – zu Mitarbeitern wie zu Kunden.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Internationalisierung für Sie?

Viktoria Steiner: Der Exportanteil liegt bei etwa 10%. Unsere Typenräder gehen in die USA, nach China und Japan, andere Produkte vertreiben wir vor allem innerhalb Europas. Wir wachsen hier ganz bewusst langsam, Schritt für Schritt.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die Zukunft für raro plastics?

Viktoria Steiner: Wir wollen unseren Weg weitergehen. Das heißt technologisch anspruchsvolle Lösungen bieten, flexibel bleiben und offen für Neues sein. Stillstand ist keine Option – das hat schon mein Vater gesagt. Der Mix aus Tradition und Innovation ist für uns der Schlüssel zum Erfolg.

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