Energiesparen ohne erhobenen Zeigefinger

Interview mit Christoph Gasser, Geschäftsführer der Hansa Armaturen GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Gasser, die Armaturen Ihrer Marken Hansa und Oras können mittlerweile deutlich mehr, als nur Wasser bereitzustellen. Auf welche zusätzlichen Features können sich Ihre Kunden verlassen?

Christoph Gasser: Im Health-and-Care-Bereich, wo hohen Hygienestandards aus offensichtlichen Gründen eine besondere Bedeutung zukommt, spielen sensorgesteuerte Armaturen, die eine vollständig berührungslose Bedienung ermöglichen, eine immer größere Rolle, während die herkömmliche Lösung mit besonders langen Hebeln, die das klinische Personal, beispielsweise im OP, aus Hygienegründen mit dem Ellenbogen anstatt mit den Händen bedienen kann, weiterhin etabliert bleibt. In Pflegeeinrichtungen ist derweil der Verbrühschutz eine äußerst wichtige Funktion: So ist bei unseren HANSAMEDIPRO-Armaturen werkseitig eine Heißwassersperre eingebaut, sodass die Endanwender, die im Care-Umfeld ja oftmals kognitive oder körperliche Beeinträchtigungen aufweisen, kein Wasser aus der Armatur entnehmen können, das wärmer als 38 °C ist. Um eine thermische Desinfektion mit 70 °C heißem Wasser durchzuführen, muss das Produkt vorher mit einem speziellen Tool entsperrt werden, damit die Sicherheit der Patienten vollumfänglich gewährleistet bleibt.

Wirtschaftsforum: Welche Innovationen spielen derweil im Privatanwenderbereich gerade eine besondere Rolle?

Christoph Gasser: Schon lange vor der aktuellen Energiekrise haben wir Lösungen erarbeitet, die die Anwender konsequent beim Energiesparen unterstützen können. Eine unserer digitalen Handbrausen, die wir gemeinsam mit der ETH Zürich entwickelt haben, verfügt über ein Display und eine Diode am Duschkopf, wo der Nutzer Feedback über die Menge und die Temperatur des verbrauchten Wassers sowie den Energieverbrauch in Echtzeit erhält. Dieses bewährte Konzept haben wir auch auf neue Dienstleistungsmodelle übertragen, in deren Rahmen die Daten zur Durchflussmenge und Temperatur über einen Gateway in die Cloud geladen und daraufhin dem Kunden über ein Dashboard auf seinem mobilen Endgerät zur Verfügung gestellt werden können. Dabei ist es uns wichtig, unsere Produkte nicht mit einem pädagogischen erhobenen Zeigefinger zu versehen, sondern sie stattdessen im Geiste einer lebensnahen und proaktiven Lösung anzubieten, frei nach dem Motto: Was man nicht misst, kann man nicht verändern. Dass wir mit unseren Produkten vor dem Hintergrund der aktuellen Energiekrise einen gewissen Nerv treffen, ist uns natürlich bewusst. Etwas augenzwinkernd haben wir deshalb vor ein paar Wochen einen unserer Auszubildenden mit einem 9-Euro-Ticket und einer digitalen Handbrause nach Berlin geschickt, um dem Bundeswirtschaftsminister lebensnahe Lösungen an die Hand zu geben, die ihn bei der weiteren Reduktion seines Wasserverbrauchs unterstützen können.

Wirtschaftsforum: Gibt es auch Lösungen für Kunden, die das Energiesparen ganz der Armatur überlassen möchten, anstatt ihr Nutzerverhalten auf Basis von Echtzeit-Feedback selbstständig anzupassen?

Christoph Gasser: Neben unseren Produkten, die auf eine bewusste Information und Verhaltensänderung setzen, können wir natürlich auch mit Armaturen dienen, bei denen der Wasserdurchfluss pro Minute werkseitig begrenzt ist, ohne dass dies zu merklichen Komforteinbußen bei den Anwenderinnen führt. Ebenso bieten wir Produkte mit einem sogenannten Kaltwasser-start an: Hier kommt ungeachtet der tatsächlichen Hebelposition zunächst nur kaltes Wasser aus dem Wasserhahn, sofern der Benutzer den Hebel nicht aktiv verschiebt.

Wirtschaftsforum: Ihr Hansa Active Digital Jet wurde mittlerweile mit dem angesehenen Red Dot Award sowie zahlreichen weiteren Auszeichnungen prämiert. Wie stark kommt es bei der Handbrause jenseits der Funktionalität auch auf ein attraktives Design an?

Christoph Gasser: Die meisten Bauherren bringen bei der Badezimmerausstattung gerne ihre eigenen stilistischen Vorlieben ein – insofern spielt eine ansprechende Ästhetik in diesem Marktsegment natürlich eine tragende Rolle. Bei der Vielzahl an unterschiedlichen Einrichtungstrends ist es gleichsam wichtig, hierbei ein breites Spektrum an verschiedenen Varianten anzubieten. Während sehr ausgefallene Designs auf Fachausstellungen oftmals ein sehr positives Feedback erhalten, setzen viele Endkunden am Ende doch lieber auf eine klassischere Formensprache, die über viele Jahre den Geschmack trifft. Unsere Marken Hansa und Oras können beide Ansprüche souverän bedienen. Dabei entspinnt sich zwischen unserem italienischen Head of Design und unserer deutschen Head of Innovation gerade ein sehr spannender Dialog über weitere ästhetische und funktionale Innovationen, über den ich mich sehr freue.

Mehr zum Thema Handel & Konsumgüter

Vom Handwerk zur vernetzten Kreativplattform

Interview mit Alexander Kuhn, General Manager der Brother Sewing Machines Europe GmbH

Vom Handwerk zur vernetzten Kreativplattform

Nähen ist längst mehr als Handarbeit – es ist ein Zusammenspiel aus Kreativität, Technologie und Community. Moderne Haushaltsnähmaschinen sind vernetzt, softwaregestützt und Teil wachsender digitaler Plattformen. Wie sich ein traditionsreiches…

Erfolg hat hier System

Interview mit Nils Blome, Geschäftsführer der Blome GmbH & Co. KG

Erfolg hat hier System

Die Sanierung von Wohnungen im Bestand wird immer wichtiger. Veraltete Leitungen, steigende Anforderungen an Energieeffizienz und der Wunsch nach modernem Wohnkomfort machen umfassende Erneuerungen notwendig. Besonders Strangsanierungen stellen hohe Anforderungen…

Sitzmöbel mit Liebe zum Detail

Interview mit Ramon Werner, Verwaltungsratspräsident der de Sede AG

Sitzmöbel mit Liebe zum Detail

Manche Möbel füllen einen Raum, andere prägen ihn. Genau für diesen Anspruch steht die de Sede AG aus Klingnau in der Schweiz. Das Unternehmen fertigt exklusive Ledermöbel, die weit über…

Spannendes aus der Region Stuttgart

Spezialisierte ambulante orthopädische Versorgung

Interview mit Christina Möller, CEO der Maybach Medical Holding GmbH

Spezialisierte ambulante orthopädische Versorgung

Die Ambulantisierung ist ein Megatrend in der Gesundheitsversorgung. „Ambulant statt stationär“ lautet ein Grundsatz, der immer stärker in den Fokus rückt. Medizinische Versorgungszentren (MVZ) bilden einen wichtigen Baustein bei der…

Näher am Leben

Interview mit Markus Frenzer, Geschäftsführer der Nanz medico GmbH & Co. KG

Näher am Leben

Wenn der Rücken operiert ist und die Reha ansteht, denken viele an ferne Kurorte und Kurparkspaziergänge. Doch die Zukunft der Rehabilitation sieht anders aus: wohnortnah, intensiv und mit direkter Rückkopplung…

Gebäudereinigung im Wandel

Interview mit Thomas Zenz, Geschäftsführer und Benjamin Oepke, Geschäftsführer der Stuttgarter Gebäudereinigung Venter GmbH & Co.KG

Gebäudereinigung im Wandel

Thomas Zenz und Benjamin Oepke treten im Sommer 2026 die Nachfolge in der Geschäftsführung der Stuttgarter Gebäudereinigung Venter GmbH & Co. KG an – in einer Zeit, in der auch…

Das könnte Sie auch interessieren

Barrieren überwinden, ­Versprechen halten

Interview mit Dennis Soblik, Geschäftsführer der Sonilift GmbH

Barrieren überwinden, ­Versprechen halten

Zu Hause ist es doch am schönsten. Eine Erkenntnis, die im Alter eine neue Bedeutung erhält. Auch dann noch eigenständig in den eigenen vier Wänden leben zu können, ist die…

Sitzmöbel mit Liebe zum Detail

Interview mit Ramon Werner, Verwaltungsratspräsident der de Sede AG

Sitzmöbel mit Liebe zum Detail

Manche Möbel füllen einen Raum, andere prägen ihn. Genau für diesen Anspruch steht die de Sede AG aus Klingnau in der Schweiz. Das Unternehmen fertigt exklusive Ledermöbel, die weit über…

„Mit einem Anstrich Energie sparen – ohne Umbau“

Interview mit Waldemar Walczok, Geschäftsführer der SICC Coatings GmbH

„Mit einem Anstrich Energie sparen – ohne Umbau“

Wer über Energieeffizienz im Gebäudesektor spricht, denkt meist zuerst an Dämmstoffe. Waldemar Walczok verfolgt einen anderen Ansatz. Mit Beschichtungen, die wie Farbe verarbeitet werden, will sein Unternehmen Gebäude kühlen, Wärme…

TOP