Handwerk mit Zukunft

Interview mit Matthias Renner, CEO der GLAESER AG

Wirtschaftsforum: Herr Renner, Sie sind CEO und Inhaber der GLAESER AG, einer traditionsreichen Schreinerei aus dem Schweizer Kanton Aargau. Wenn wir zurückschauen, wie sah die Unternehmensentwicklung in groben Zügen aus?

Matthias Renner: Die Schreinerei existiert seit 128 Jahren, wurde 1898 in Baden gegründet; die damalige Werkstatt lag an der Limmat, sodass Maschinen mit Wasserkraft betrieben wurden. In den 1970er-Jahren erfolgte der Umzug an den heutigen Standort; seitdem ist GLAESER konstant gewachsen. Heute haben wir rund 60 Mitarbeiter und beschäftigen uns mit sehr spannenden Projekten. 

Wirtschaftsforum: Um welche Projekte geht es dabei? 

Matthias Renner: Wir unterscheiden zwischen den Sparten Retail-Shop, Gastro-Hotel, Institutionen und Schulen. Das heißt, wir arbeiten für Hotels, Cafés, Casinos, aber auch für Büros, Versicherungen, Banken, Spitäler und Residenzen. Generell sind wir im gehobenen Segment tätig, dazu zählen Vier- oder Fünfsternehotels, hin und wieder auch Drei­sternehäuser.

Einen Spezialbereich bildet der Vitrinenbau; für Museen bauen wir Vitrinen, um wertvolle Exponate zu schützen. Neben Sicherheitsaspekten spielen Licht und Klimatechnik eine zentrale Rolle. Für derart anspruchsvolle Herausforderungen setzen wir eine Spezialbeleuchtung ein, die wir selbst herstellen. Zudem sind wir im Segment Schulmöbel tätig, ein kleiner, aber spannender Bereich. 

Wirtschaftsforum: Sind Sie mit diesen Leistungen ausschließlich in der Schweiz tätig? 

Matthias Renner: Natürlich liegt der Schwerpunkt der Arbeit in der Schweiz, aber wir realisieren Aufträge in der ganzen Welt – zum Beispiel in Melbourne, Australien. Aber auch Projekte in Tokio, Monte Carlo, London und New York stehen auf unserer Referenzliste. 

Wirtschaftsforum: Versteht sich GLAESER als klassische Schreinerei, die vor allem mit dem Werkstoff Holz arbeitet? 

Matthias Renner: Wir arbeiten zwar vorrangig mit Holz, aber je nach Auftrag auch mit Glas, Metall und Kunststoffen. Wichtig ist, dass wir ganze Anlagen realisieren, also zum Beispiel Theken mit integrierten Kühlanlagen oder Vitrinen mit Beleuchtungssystem. Die Komponenten stellen wir zum Teil selbst her, zum Teil kaufen wir sie zu. Mit dieser Vielfalt gehen unsere Arbeiten oft über klassische Schreinerarbeiten hinaus. Dabei arbeiten wir eng mit Architekten zusammen. 

Wirtschaftsforum: Sie selbst sind gelernter Schreiner. Wie sind Sie zu GLAESER gekommen? 

Matthias Renner: Ich habe nach meiner vierjährigen Ausbildung zum Schreiner in verschiedenen Betrieben gearbeitet, um anschließend eine Ausbildung zum Holztechniker zu absolvieren. Nach Auslandsaufenthalten in Melbourne und London bin ich in die Schweiz zurückgekehrt, habe in einer Firma in der Ostschweiz gearbeitet, bevor ich zu GLAESER kam. Da mein Vater mehr als 40 Jahre für die Firma tätig und Mitinhaber war, gab es seit Langem eine Verbindung. 

Wirtschaftsforum: GLAESER steht mit einer 128-jährigen Geschichte für Tradition und Kontinuität. Was unterscheidet das Unternehmen darüber hinaus vom Wettbewerb? 

Matthias Renner: Eine unserer Stärken ist unsere Flexibilität. Ein starkes Partnernetzwerk ermöglicht es uns, in kurzer Zeit Projekte abzuwickeln. Wir pflegen langjährige Beziehungen zu Lieferanten und profitieren damit von kurzen Lieferzeiten. Voraussetzung für zuverlässig abgewickelte Projekte sind zudem ein starkes Projektmanagement und konstante Investitionen in den Maschinenpark. Nur so können die Ansprüche der Kunden in einer entsprechenden Qualität und Zeit realisiert werden. Dieses Partnernetzwerk war auch in Pandemiezeiten, als Materialengpässe eine Herausforderung waren, eine große Hilfe. 

Wirtschaftsforum: GLAESER arbeitet mit Holz, einem nachwachsenden natürlichen Rohstoff. Welche Rolle spielt der Nachhaltigkeitsgedanke? 

Matthias Renner: Nachhaltigkeit spielt auf verschiedenen Ebenen eine große Rolle. Wir versuchen ressourcenschonend zu arbeiten, indem wir zum Beispiel LED-Beleuchtungen einsetzen und in eine neue, energieeffiziente Absauganlage investiert haben. In diesem Zusammenhang kommt auch dem Lean Management eine zentrale Bedeutung zu. 2016 haben wir damit begonnen, sämtliche Prozesse zu analysieren, um nachhaltig zu wirtschaften. Wir arbeiten ausschließlich mit FSC-zertifizierten Hölzern, was von Kundenseite ausdrücklich gewünscht wird. Insgesamt spüren wir, dass der Baustoff Holz in der gesamten Nachhaltigkeitsdiskussion an Bedeutung gewonnen hat.

Wirtschaftsforum: Welche He­rausforderungen sehen Sie für die Zukunft? 

Matthias Renner: Weil wir in unserer eigenen Jungschreiner-Akademie Ausbildung großschreiben, haben wir ein hervorragendes Mitarbeiterteam und können Per­spektiven bieten. Ich denke, KI wird in Zukunft ein zentrales Thema sein, wird jedoch kein Handwerk ersetzen können. Insgesamt hoffen wir auf ein Umdenken in der Wirtschaft. Das Handwerk muss stärker gefördert werden.

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