Mehr als das perfekte Schnitzel
Interview mit Peter Schulze, CEO der Gierlinger Holding GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schulze, Sie sind CEO der Gierlinger
Holding in Ottensheim, ein Name, der zugleich eine Marke ist. Wofür steht der Name Gierlinger?
Peter Schulze: Gierlinger ist in Österreich und darüber hinaus Inbegriff für kompromisslose Qualität rund um ein breites Spektrum an Fleischprodukten, für Authentizität und flexible Lösungen.
Wirtschaftsforum: Heute sprechen wir über eine Holding mit Tochtergesellschaften in Rumänien, Ungarn und Österreich (Andorf). Wie kam es zu dieser internationalen Aufstellung?
Peter Schulze: Den Grundstein legte Johann Gierlinger, gelernter Metzgermeister, im Jahr 2000. In Rumänien begann er zunächst mit der Herstellung von Fleischspießen, bevor er das Sortiment im Laufe der Jahre um weitere Convenience-Produkte erweiterte. Unser Firmengründer war Handwerker und Unternehmer und stand für eine gelebte Hands-on-Mentalität. Gemeinsam mit Gerald Aichinger baute er Schritt für Schritt die Holding auf, bis er 2020 überraschend verstarb und ich die Geschäftsführung übernahm.
Wirtschaftsforum: Was charakterisiert die Holding heute?
Peter Schulze: Neben der Holding in Ottensheim, in der die Bereiche Marketing, Vertrieb, Qualitätssicherung und Controlling gebündelt sind, umfasst die Unternehmensgruppe drei Tochtergesellschaften. Die 2000 in Rumänien gegründete SC Convenience Prod. Srl. spezialisiert sich auf die Herstellung panierter Convenience-Produkte. Die Wiener Schnitzel Manufaktur in Andorf produziert hochwertige Wiener Schnitzel und Cordon Bleu, während die ungarische Tochtergesellschaft Tamási-Hús Kft. ihren Schwerpunkt auf die Herstellung von Bacon-Produkten legt.
Wirtschaftsforum: Wie lässt sich die Holding in Zahlen ausdrücken?
Peter Schulze: Die Holding beschäftigt 1.100 Mitarbeitende und setzt jährlich zwischen 180 und 185 Millionen EUR um. Haupteigentümer des Unternehmens ist mit 70% die Familie Aichinger, 30% halten die Erben von Johann Gierlinger.
Wirtschaftsforum: Gierlinger wird vielfach mit erstklassigen Wiener Schnitzeln in Verbindung gebracht. Welche weiteren Produkte bieten Sie an?
Peter Schulze: Das Wiener Schnitzel ist seit jeher unser Markenzeichen. Den Schwerpunkt bilden dabei rohe, fertig panierte Schnitzel, die erst beim Kunden frisch in Butterschmalz gebacken werden. Darüber hinaus bieten wir fertig gegarte Varianten an. Ergänzt wird das Sortiment durch Cordon Bleu sowie panierte Fingerfood-Produkte wie Nuggets, Sticks und Fingers. In Ungarn produzieren wir zudem Bacon in unterschiedlichen Ausführungen – von klassischem und rohem Bacon über gekochten Bacon bis hin zu Crispy Bacon für die Fast Food-Industrie.
Wirtschaftsforum: Welche Zielgruppen spricht Gierlinger an und wo liegt für diese der Vorteil einer Zusammenarbeit?
Peter Schulze: Wir beliefern ein breites Spektrum an Kunden – von Industriebetrieben über die Gastronomie bis hin zur Lebensmittelindustrie. Sie alle vertrauen auf unsere hohen, zertifizierten Qualitätsstandards nach IFS, BRC, QS und ITW. Qualität beginnt für uns bereits beim Einkauf der Rohstoffe. Unser Fleisch beziehen wir überwiegend aus Europa, auf Wunsch auch regional. Anschließend verarbeiten wir die Produkte nach den Vorgaben unserer Kunden. Dabei können wir ein Höchstmaß an Flexibilität bieten – von gentechnikfreien Produkten bis hin zu Bio-Fleisch.
Wirtschaftsforum: Gierlinger ist mit Tochtergesellschaften im europäischen Ausland vertreten. Trifft das auch auf die Kunden zu?
Peter Schulze: Ja. Österreich macht zwischen 10 und 15% des Umsatzes aus, der Rest verteilt sich auf Europa mit Deutschland als wichtigstem ausländischen Absatzmarkt. Daneben sind Skandinavien, Großbritannien, Osteuropa und hier insbesondere Ungarn zentrale Absatzmärkte. Eigene Vertriebsmitarbeiter oder Handelspartner übernehmen in den jeweiligen Ländern die regionale Betreuung. Eine Sonderstellung nimmt Ungarn ein, wo wir besonders stark im Lebensmitteleinzelhandel vertreten sind. Dort verfügen wir über eine eigene Vertriebseinheit, die sich um die Neukundenakquise und den Ausbau unserer Kundenbeziehungen kümmert.
Wirtschaftsforum: Welche Marketinginstrumente nutzt Gierlinger?
Peter Schulze: Wir nutzen verschiedene Kanäle. Messen wie die Anuga und Internorga spielen nach wie vor eine große Rolle; hier sind wir mit großen Ständen vertreten und damit sehr sichtbar.
Um Sichtbarkeit geht es auch bei unserem neuen Webauftritt, der durch ein markantes oranges G als zentrales Gestaltungselement geprägt ist. Während soziale Medien in der Vergangenheit eher eine untergeordnete Rolle gespielt haben, möchten wir hier künftig deutlich aktiver werden. Nicht zuletzt unterstützen wir verschiedene soziale und kulturelle Projekte und sind Sponsor zweier Fußballvereine.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen digitale Technologien?
Peter Schulze: Die Digitalisierung habe ich während meiner gesamten beruflichen Laufbahn konsequent vorangetrieben. Dieser Ansatz prägt auch meine Arbeit bei Gierlinger. Sowohl in unseren Produktionsstätten als auch in der Verwaltung treiben wir zahlreiche Digitalisierungs- und Automatisierungsprojekte voran und gestalten bestehende Prozesse grundlegend neu. Ich bin überzeugt, dass die Zukunft in der Digitalisierung liegt und Unternehmen langfristig nicht daran vorbeikommen. Dabei stehen nicht nur Kosten- und Effizienzvorteile im Vordergrund. Digitalisierung und Automatisierung sind auch eine Antwort auf die zunehmende Herausforderung, qualifizierte Fachkräfte zu finden.
Wirtschaftsforum: Neben der Digitalisierung gewinnt das Thema Nachhaltigkeit stetig an Bedeutung. Wie geht Gierlinger mit dem Thema um?
Peter Schulze: Nachhaltigkeit ist für uns ein zentrales Thema, das wir auf unterschiedlichen Ebenen vorantreiben. Dabei handeln wir nicht nur aufgrund gesetzlicher Vorgaben oder steigender Anforderungen des Marktes, sondern vor allem aus eigener Überzeugung. So beschäftigen wir uns mit alternativen Verpackungslösungen und investieren in erneuerbare Energien. Das Werk in Ungarn wird momentan mit einer großflächigen Photovoltaikanlage ausgestattet, um unseren Eigenversorgungsgrad zu erhöhen.
Wirtschaftsforum: Der Fleischkonsum geht insgesamt zurück; dennoch trotzt Gierlinger erfolgreich dieser Entwicklung. Warum entscheiden sich Kunden für die Zusammenarbeit mit Ihnen?
Peter Schulze: Wir genießen den Ruf, Produkte von besonders hoher Qualität anzubieten. Ein Beispiel dafür sind unsere Panaden, die ausschließlich aus Vollei, Mehl und Semmelbröseln bestehen. Grundsätzlich verzichten wir auf Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker und setzen stattdessen auf natürliche Zutaten und einen Geschmack, der an hausgemachte Produkte erinnert. Ergänzt wird dieser Qualitätsanspruch durch eine außergewöhnliche Flexibilität: Neben unserem Standardsortiment realisieren wir individuelle Kundenwünsche. Zugleich bieten unsere fertig vorbereiteten Produkte einen hohen praktischen Nutzen, da sie Köche und Gastronomen im Arbeitsalltag entlasten und für effiziente Abläufe sorgen.
Wirtschaftsforum: Gibt es weitere Erfolgsfaktoren?
Peter Schulze: Unsere Mitarbeiter und der besondere Spirit, der hier herrscht. Ich komme aus der Lebensmittelbranche, habe lange in der Fleischindustrie gearbeitet und beobachte momentan einen deutlichen Kulturwandel. Den robusten Umgangston vergangener Zeiten gibt es heute nicht mehr. Hier herrscht ein freundliches, wertschätzendes Miteinander – das zeigen regelmäßige Mitarbeiterbefragungen und unsere Feste, die bei den Mitarbeitern sehr beliebt sind.
Wirtschaftsforum: Gibt es Pläne oder Visionen für die Zukunft?
Peter Schulze: Unser Ziel ist, mit qualitativ hochwertigen Produkten und Produktneuheiten weiter zu wachsen. In der Gastronomie ist vieles in Bewegung, der Arbeitsmarkt verändert sich und lässt die Nachfrage nach außergewöhnlichen Convenience-Produkten steigen. Diese Chance werden wir nutzen.






















