Kunststofftechnik als Spezialdisziplin

Interview mit Nils Krüger, Geschäftsführer der Arthur Krüger GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Krüger, die Arthur Krüger GmbH blickt auf über 85 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Wie hat sich das Unternehmen entwickelt?

Nils Krüger: Kunststoff ist im Vergleich zu Stahl oder Holz ein relativ junger Werkstoff. Unser Unternehmen ist mit diesem Markt kontinuierlich gewachsen und befindet sich heute in der 4. Generation. Ein wichtiger Schritt war die Realteilung des Unternehmens: Meine Schwester führt heute die Krüger Aviation im Bereich Luftfahrt, während sich die Arthur Krüger GmbH vollständig auf industrielle Anwendungen konzentriert. Diese klare Fokussierung hat beide Unternehmen effizienter gemacht. Während früher auch Luftfahrtnormen erfüllt werden mussten, richtet sich Arthur Krüger heute konsequent an den Anforderungen industrieller Kunden aus. Wir sind nach DIN EN ISO 9001:2015 zertifiziert und beschäftigen rund 60 Mitarbeiter am Standort Barsbüttel.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihr Geschäftsmodell heute aus?

Nils Krüger: Historisch sind wir über den Halbzeughandel groß geworden – also Kunststoffplatten, Rohre oder Profile als Vorprodukte. Dieses Modell steht jedoch zunehmend unter Druck. Deshalb entwickeln wir uns stärker zum Spezialisten für technische Kunststofflösungen und individuelle Kunststoffbearbeitung. Kunden erhalten bei uns maßgeschneiderte Lösungen nach Zeichnung und technischen Anforderungen. Zusätzlich bieten wir Composites und GFK-Anlagenbau sowie Speziallösungen wie Rhino Hyde® für die Schüttgutindustrie an. Dazu zählen auch GFK-Konstruktionen für Infrastruktur-, Bahn- und Wasserbauprojekte sowie Brückenlösungen. Unsere Kunden kommen vor allem aus der Medizintechnik, der Elektrotechnik, dem Fahrzeugbau sowie aus Infrastruktur- und Energieprojekten wie der Suedlinktrasse, die den Ausbau der deutschen Stromnetze vo­rantreibt. Nachhaltigkeit zeigt sich dabei vor allem in langlebigen Produkten und im Recycling von Produktionsresten. Ein Beispiel sind langlebige Schutzscheiben für Gabelstapler, deren Produktionsreste vollständig recycelt werden.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet ihr Unternehmen vom Wettbewerb?

Nils Krüger: Unsere besondere Kompetenz beginnt bereits bei der Materialbeschaffung. Wir beziehen Kunststoffe weltweit – unter anderem aus Europa, den USA und China – und lassen teilweise spezielle Materialmischungen exklusiv für uns fertigen. Dazu kommt unsere Verarbeitungskompetenz. Kunststoffbearbeitung erfordert viel Erfahrung, weil Materialien empfindlich auf Wärme reagieren und sich verziehen können. Neben Fräsen und Drehen nutzen wir deshalb auch Wasserstrahltechnik. Vieles basiert auf langjährigem Know-how unserer Mitarbeiter und echter handwerklicher Erfahrung.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und Automatisierung?

Nils Krüger: Wir haben unsere komplette IT-Infrastruktur erneuert und dafür zwischen 500.000 und 600.000 EUR investiert. Diese Investitionen erfolgten bewusst antizyklisch. Ziel ist es, Prozesse stärker zu automatisieren und schneller auf Kundenanforderungen reagieren zu können. Zusätzlich investieren wir weiter in Maschinen sowie Handling-Roboter und Automatisierung. Der wichtigste Treiber dafür ist allerdings der Arbeitsmarkt. Unternehmen sind heute auf Automatisierung angewiesen, um überhaupt wachsen zu können.

Wirtschaftsforum: Wie erleben Sie den Fachkräftemangel?

Nils Krüger: Das Thema ist auch für uns herausfordernd. Es fehlen nicht nur Fachkräfte, sondern generell Bewerber. Wir würden sofort neue Mitarbeitende einstellen, besonders in Produktion und Vertrieb. Als Familienunternehmen versuchen wir, ein attraktives Umfeld mit flachen Hierarchien, Eigenverantwortung und offener Unternehmenskultur zu schaffen. Mittelstand funktioniert am besten mit Menschen, die mitdenken und Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig profitiert das Unternehmen von treuen Bestandskunden und einer hohen Lieferquote. Unser Anspruch ist es, der beste Lieferant und Anbieter von technischen Kunststofflösungen zu sein.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie für die Zukunft?

Nils Krüger: Unsere Antwort auf die aktuellen Marktveränderungen lautet Spezialisierung und Internationalisierung. Wir möchten unsere Position als Spezialist für technische Kunststofflösungen weiter ausbauen und unsere Auslandsaktivitäten stärken – insbesondere in Skandinavien, der Schweiz, Österreich sowie perspektivisch in Osteuropa. Der Exportanteil liegt aktuell bei etwa 6 bis 7% und soll mittelfristig auf rund 10% steigen. Gleichzeitig bleiben wir ein regional verwurzeltes Familienunternehmen mit langfristigem Denken.

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