„Aus Ideen funktionierende Produkte entstehen lassen!“

Interview mit Berthold Kramer, Geschäftsführer der ENGESSER GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kramer, Sie haben die ENGESSER GmbH 2021 übernommen. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Berthold Kramer: Mich hat die Möglichkeit begeistert, ein erfolgreiches mittelständisches Unternehmen weiterzuentwickeln und gleichzeitig eigene Ideen einzubringen. Die ENGESSER GmbH blickt auf eine lange Geschichte zurück. Firmengründer Heinrich Engesser hat den Betrieb 1988 als Werkzeugbau aufgebaut und ihn Schritt für Schritt zu einem modernen Fertigungsunternehmen entwickelt.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich das Unternehmen seitdem verändert?

Berthold Kramer: Der Werkzeugbau war der Ausgangspunkt. Um die Maschinen besser auszulasten, entstand die Lohnfertigung. Später kamen Spritzgussmaschinen hinzu, zunächst um die eigenen Werkzeuge im Haus zu testen. Daraus entwickelte sich schließlich ein dritter Geschäftsbereich. Heute vereinen wir Formenbau, Zerspanung und Kunststoffspritzguss unter einem Dach und können unseren Kunden komplette Lösungen anbieten.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet Ihre Arbeitsweise aus?

Berthold Kramer: Wir liefern nicht einfach nur Bauteile, sondern begleiten Projekte von Anfang an. Bevor wir ein Angebot erstellen, analysieren wir gemeinsam mit Konstruktion, Fertigung, Qualität und Logistik die Machbarkeit. So erkennen wir Risiken frühzeitig und können unseren Kunden wirtschaftlich sinnvolle Lösungen aufzeigen. Diese intensive Projektvorbereitung ist ein wichtiger Bestandteil unseres Erfolgs.

Wirtschaftsforum: Beratung spielt also eine große Rolle?

Berthold Kramer: Absolut. Gerade bei anspruchsvollen Bauteilen lassen sich durch kleine konstruktive Anpassungen häufig erhebliche Einsparungen erzielen. Wir zeigen unseren Kunden transparent auf, welche Möglichkeiten es gibt und welche Auswirkungen bestimmte Anforderungen auf Qualität, Fertigungsaufwand und Kosten haben. So entsteht eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Wirtschaftsforum: Wie breit ist Ihr Leistungsspektrum?

Berthold Kramer: In der Zerspanung fertigen wir Einzelteile ebenso wie Serien mit mehreren tausend Stück. Im Formenbau entstehen überwiegend individuelle Werkzeuge. Im Kunststoffspritzguss produzieren wir kleinere und mittlere Serien. Unsere Kunden können entscheiden, ob sie die Werkzeuge selbst einsetzen oder die komplette Fertigung der Kunststoffteile an uns vergeben.

Wirtschaftsforum: Aus welchen Branchen stammen Ihre Kunden in der Regel?

Berthold Kramer: Wir arbeiten für Unternehmen aus der Medizintechnik, dem Maschinenbau, der Automobilindustrie, der Elektromobilität und der Verteidigungstechnik. Diese breite Aufstellung macht uns flexibel und eröffnet uns viel Know-How in diesen speziellen Märkten.
 

Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung haben Digitalisierung und künstliche Intelligenz in Ihrer täglichen Arbeit?

Berthold Kramer: Sie werden für unsere Branche immer wichtiger. Besonders bei der Programmierung von Werkzeugmaschinen sehen wir enormes Potenzial. Der Weg vom digitalen 3D-Modell bis zum fertigen Maschinenprogramm lässt sich künftig mit KI deutlich effizienter gestalten. Wer diese Entwicklung frühzeitig nutzt, verschafft sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist ebenfalls ein großes Thema. Wie setzen Sie diese um?

Berthold Kramer: Nachhaltigkeit beginnt für uns bei intelligenten technischen Lösungen. Unsere Spritzgussfertigung arbeitet beispielsweise mit einem energieeffizienten Kühlsystem, das ohne zusätzliches Kälteaggregat auskommt. Für dieses Konzept wurden wir bereits ausgezeichnet. Darüber hinaus bereiten wir aktuell unsere Umweltzertifizierung vor.

Wirtschaftsforum: Was erwarten Ihre Kunden heute besonders?

Berthold Kramer: Verlässlichkeit. Qualität, Termintreue und transparente Kommunikation sind entscheidend. Deshalb investieren wir viel Zeit in strukturierte Prozesse und eine sorgfältige Planung. Unser Ziel ist es, Pro­bleme gar nicht erst entstehen zu lassen.
 

Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie für die Zukunft?

Berthold Kramer: Wir wollen die Digitalisierung konsequent vorantreiben, insbesondere den Einsatz künstlicher Intelligenz. Gleichzeitig möchten wir unsere Marktposition weiter ausbauen und neue Kunden in Deutschland sowie im deutschsprachigen Ausland gewinnen. Wir wollen auch zukünftig technologischer Partner für anspruchsvolle Fertigungsaufgaben sein.

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie persönlich?

Berthold Kramer: Mich begeistert es, gemeinsam mit Kunden Lösungen zu entwickeln und aus Ideen funktionierende Produkte entstehen zu lassen. Außerdem bin ich überzeugt, dass nachhaltiger Erfolg nur gemeinsam möglich ist. Deshalb setzen wir bewusst auf langfristige Partnerschaften mit Kunden, Lieferanten und auch mit Unternehmen, die in einzelnen Bereichen Wettbewerber sind. Zusammenarbeit ist für mich ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Zukunft.

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