Vom Werk zur Baustelle in Rekordzeit

Interview mit DI (FH) Michael Schranz, Geschäftsführer und Günther Greistorfer, Prokurist der G.V. Haustechnik – Montage und Service GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schranz, Herr Greistorfer, G.V. Haustechnik ist ein noch recht junges Unternehmen in der Handler Gruppe. Wie kam es zur Gründung?

Michael Schranz: Die Haustechnik war für uns als Generalunternehmer lange ein strategisches Thema. Wir wollten die Wertschöpfungskette intern erweitern und gleichzeitig unsere Expertise im Bereich Nachhaltigkeit und Hybridbau vertiefen. Die Entscheidung, eine eigene Haustechnikfirma zu integrieren, fiel bewusst – sie sollte mit ihrem Know-how zur Gesamtausrichtung der Gruppe beitragen. Die G.V. Haustechnik ergänzt damit optimal unsere Philosophie des systemischen und nachhaltigen Bauens.

Günther Greistorfer: Wir sehen uns als Engineering-Dienstleister, nicht als klassischen Installationsbetrieb. Das heißt: Wir begleiten Projekte von Anfang an konzeptionell und bringen unsere Planungskompetenz und Systemlösung in jede Phase mit ein.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Sie konkret von anderen Anbietern am Markt?

Michael Schranz: Unser Alleinstellungsmerkmal ist ganz klar die konsequente Vorfertigung. Wir übertragen industrielle Prinzipien in die Bauwelt – das heißt: möglichst viele Elemente werden nicht auf der Baustelle, sondern unter kontrollierten Bedingungen im Werk vorgefertigt. So können wir schneller, präziser, ressourcenschonender und qualitativ hochwertiger bauen. Das ist nicht nur effizient, sondern auch ein klares Zeichen in Richtung Zukunft des Bauens.

Günther Greistorfer: Der Systembau ist unser Herzstück. Wir fertigen beispielsweise komplette Steigschächte im Werk – maßgenau, normgerecht und exakt koordiniert mit allen Gewerken. Dadurch entfallen klassische Problemzonen auf der Baustelle: keine offenen Schächte, kein Verschnitt, keine Verzögerungen.

Das Resultat: Wenn der Rohbau steht, ist bereits bis zu 90% der Heizungs- und 80% der Sanitärtechnik eingebracht. Das reduziert nicht nur die Bauzeit erheblich, sondern sichert auch eine kon­stant hohe Ausführungsqualität.

Wirtschaftsforum: Welche Vorteile ergeben sich daraus für Ihre Auftraggeber?

Günther Greistorfer: Neben der Zeitersparnis und der Planungsstabilität profitieren unsere Partner vor allem von der Zuverlässigkeit. Vorfertigung bedeutet: weniger Schnittstellen, weniger Überraschungen. Alles ist im Vorfeld durchgeplant. Die Koordination ist abgeschlossen, bevor das erste Bauteil auf der Baustelle ankommt. Dadurch können wir auch gleichbleibende Grundrisse effizient realisieren – ein riesiger Vorteil bei Projekten ab 100 Wohneinheiten aufwärts.

Michael Schranz: Ein weiterer Punkt ist die optimierte Flächennutzung. Durch unsere Vorfertigungsstrategie gelingt es, technische Systeme platzsparender zu integrieren. Für Investoren heißt das: mehr nutzbare Fläche, besser wirtschaftlich nutzbarer Raum – bei gleichbleibender Funktionalität.

Wirtschaftsforum: Ist Vorfertigung für Sie eher ein Mittel zum Zweck oder eine grundsätzliche Unternehmensphilosophie?

Michael Schranz: Für uns ist sie ein strategischer Eckpfeiler. Die Vorfertigung ermöglicht es uns, gleichzeitig Nachhaltigkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit zu realisieren. Wir haben nicht den Anspruch, ein starres System zu verkaufen – ganz im Gegenteil. Wir reagieren flexibel auf Kundenwünsche, bieten aber ein technologisch durchdachtes und wirtschaftlich attraktives Konstrukt. Das funktioniert nur, wenn man früh in die Projektentwicklung eingebunden ist.

Günther Greistorfer: Genau. In der Praxis sieht das so aus, dass wir bereits in der Ausschreibungsphase beratend zur Seite stehen. Oft drehen wir konventionelle Ansätze komplett um, entwickeln ein neues vorgefertigtes Konzept und begleiten den Bauherrn bis zur Umsetzung. Diese Frühintegration ist einer unserer größten Stärken.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit in Ihrem Ansatz?

Günther Greistorfer: Eine zen­trale. Durch den hohen Vorfertigungsgrad reduzieren wir Abfälle, vermeiden unnötige Transporte und senken die Fehlerquote. Gleichzeitig setzen wir auf moderne Energiesysteme wie Geothermie, Wärmepumpen oder Bauteilaktivierung. Leuchtturmprojekte wie die Käthe-Dorsch-Gasse 17 in Wien zeigen, dass diese Kombination aus Technologie, Planungs­tiefe und Nachhaltigkeit funktioniert – und auch wirtschaftlich überzeugt.

Wirtschaftsforum: Abschließend: Ist G.V. Haustechnik das Modell für das Bauen von morgen?

Michael Schranz: Ich würde sagen: Ja. Nicht im Sinne von One Size Fits All, sondern weil wir zeigen, dass hochgradige Vorfertigung und individuelle Architektur einander nicht ausschließen. Im Gegenteil – sie ergänzen sich. Unsere Vision ist es, mit wenigen, gut aufeinander abgestimmten Systemen die Vielfalt moderner Architektur effizient und nachhaltig umzusetzen.

Günther Greistorfer: Und genau das macht unseren Job so spannend – wir gestalten Zukunft mit System.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Bau

Vom Flachdach zum Klimafaktor

Interview mit Julian Wegener, Geschäftsführer der Wegener Bedachungen GmbH

Vom Flachdach zum Klimafaktor

Manchmal entscheidet sich die Zukunft einer Stadt nicht auf Augenhöhe, sondern ein paar Meter darüber. Auf Flachdächern, die entweder grau bleiben – oder grün werden. Geschäftsführer Julian Wegener spricht ruhig,…

„Für uns ist die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes das Maß der Dinge“

Interview mit Hermann Stegink, geschäftsführender Gesellschafter der Solid.Modulbau GmbH

„Für uns ist die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes das Maß der Dinge“

Bezahlbarer Wohnraum, kurze Bau- und Sanierungszeiten sowie niedrige Betriebskosten zählen heute zu den zentralen Anforderungen der Bauwirtschaft. Genau hier setzt die Solid.Modulbau GmbH aus Ahaus an: Das 2016…

Smarte Elektrotechnik für komplexe Gebäudeprojekte

Interview mit Jens Neumann, Geschäftsführer der TKS-Connect GmbH

Smarte Elektrotechnik für komplexe Gebäudeprojekte

Intelligente Gebäudetechnik, Automatisierung und komplexe elektrotechnische Großprojekte gehören heute zu den zentralen Anforderungen im gewerblichen Bau. Die TKS-Connect GmbH hat sich in diesem Bereich in kurzer Zeit als gefragter Partner…

Spannendes aus der Region Bad Schönau

„Wir backen laufend frisch!“

Interview mit Mst. Reinhold Koll, Geschäftsführer der Koll GmbH

„Wir backen laufend frisch!“

Frische Backwaren und ein leckeres Stück Kuchen tragen wesentlich zum Wohlbefinden bei. Dazu leistet die Bäckerei Koll einen wesentlichen Anteil. Der Familienbetrieb mit dem Hauptsitz im österreichischen Kirchschlag in der…

Mikronährstoffe: Basis für ein besseres Leben

Interview mit Julia Hoffmann, COO der Biogena GmbH & Co KG

Mikronährstoffe: Basis für ein besseres Leben

Die Biogena GmbH & Co KG feiert 20 Jahre Unternehmensgeschichte – und versteht sich heute als weit mehr als ein Anbieter von Mikronährstoffen: als Gesundheitsdestination aus dem Herzen Europas. Im…

Präzision für den Ernstfall

Interview mit Hendrik Hasch, CEO der iSi Automotive Holding GmbH

Präzision für den Ernstfall

Die Automobilzulieferindustrie befindet sich im Umbruch: Elektrifizierung, Kostendruck und fragile Lieferketten erhöhen die Anforderungen an Tempo, Qualität und globale Lieferfähigkeit. Gleichzeitig bleibt ein Bereich konstant essenziell – die passive Sicherheit.…

Das könnte Sie auch interessieren

Serielle Baukonzepte für einen veränderten Markt

Interview mit Mario Haubner, Geschäftsleiter und Stefanie Haubner, Geschäftsleiterin der Haubner Holding GmbH

Serielle Baukonzepte für einen veränderten Markt

Modulares Bauen gewinnt angesichts steigender Kosten und hoher Zinsen zunehmend an Bedeutung. Die Haubner Holding GmbH setzt dabei auf industrielle Vorfertigung, klare Prozesse und eine strategisch breit angelegte Ausrichtung. Mario…

Mut zum Risiko: Wie Wachstum in einem engen Markt gelingt

Interview mit Stefan Gabriel, CEO der Fortimo AG

Mut zum Risiko: Wie Wachstum in einem engen Markt gelingt

Der Schweizer Immobilienmarkt steht unter Druck: steigende Regulierung, begrenztes Bauland, verschärfte Finanzierungsvorgaben und eine anhaltend hohe Nachfrage. In diesem Spannungsfeld hat sich die Fortimo AG aus St. Gallen zu einem…

Barrieren überwinden, ­Versprechen halten

Interview mit Dennis Soblik, Geschäftsführer der Sonilift GmbH

Barrieren überwinden, ­Versprechen halten

Zu Hause ist es doch am schönsten. Eine Erkenntnis, die im Alter eine neue Bedeutung erhält. Auch dann noch eigenständig in den eigenen vier Wänden leben zu können, ist die…

TOP