„Mit einem Anstrich Energie sparen – ohne Umbau“

Interview mit Waldemar Walczok, Geschäftsführer der SICC Coatings GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Walczok, Sie sind seit vielen Jahren Geschäftsführer der SICC Coatings GmbH. Wie ist das Unternehmen entstanden?

Waldemar Walczok: Die Firma wurde 2003 von fünf Gesellschaftern gegründet, von denen heute noch drei aktiv dabei sind. Der Ausgangspunkt war ein Produkt aus den USA, das ursprünglich für Dachbeschichtungen entwickelt wurde, um Gebäude im Sommer kühl zu halten. Ich fand die Idee faszinierend und habe mich intensiver damit beschäftigt. Interessant ist vielleicht, dass ich selbst nicht aus der Farben- oder Chemiebranche komme, sondern aus der Elektrotechnik. Dadurch schaut man mit einer anderen Perspektive auf solche Themen – und genau daraus entstand letztlich unser eigener Entwicklungsansatz.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Ihre Produkte von klassischen Wandfarben?

Waldemar Walczok: Streng genommen sind es gar keine Farben, sondern Beschichtungen, die wie Farbe verarbeitet werden. Der Kern ist eine reflektive Membrantechnologie. Sie beeinflusst die Oberflächentemperatur eines Gebäudes, reflektiert Wärmestrahlung und reguliert gleichzeitig Feuchtigkeit. Dadurch können Räume im Sommer kühler bleiben und im Winter die Wärme besser halten. Diese Produkte werden im deutschsprachigen Markt als „Energiesparfarben“ bezeichnet; international verwenden wir die Bezeichnung „Climate Coating“, das heißt Beschichtungen mit Energieeinspareigenschaften.

Wirtschaftsforum: Wo kommen diese Beschichtungen konkret zum Einsatz?

Waldemar Walczok: Praktisch überall: an Fassaden, auf Dächern oder im Innenbereich. Unsere Kunden sind Wohnungsbaugesellschaften, Kommunen, Handwerksbetriebe und natürlich auch private Hausbesitzer. Es gibt aber auch industrielle Anwendungen. Ein Beispiel sind Gondeln eines Schweizer Herstellers für Skilifte – dort reduziert unsere Beschichtung die Kondensatbildung. Solche Projekte zeigen, wie vielseitig die Technologie einsetzbar ist.

Wirtschaftsforum: Welche Vorteile stehen für Ihre Kunden im Mittelpunkt?

Waldemar Walczok: Der größte Nutzen ist natürlich die Energieeffizienz. Je nach Gebäude und Anwendung lassen sich spürbare Einsparungen erzielen. Gleichzeitig verlängert sich die Lebensdauer von Fassaden, weil die Beschichtung UV-beständig ist und weniger zu Rissen oder Versprödung neigt. Ein Projekt in Perleberg, das vor über 20 Jahren beschichtet wurde, sieht heute noch erstaunlich gut aus – das spricht für sich.

Wirtschaftsforum: Ihr Unternehmen ist relativ klein. Wie behaupten Sie sich in einem Markt mit großen Wettbewerbern?

Waldemar Walczok: Wir sind tatsächlich ein überschaubares Team mit zwölf Mitarbeitern. Aber wir haben eine sehr klare Nische. Unsere Stärke liegt in der Entwicklung und im internationalen Vertrieb. Außerdem setzen wir stark auf spezialisierte Vertriebspartner und Servicecenter, die die Produkte regional anbieten und auch technisch beraten können. Das funktioniert besser als der klassische Baumarktvertrieb.

Wirtschaftsforum: Wie wichtig sind internationale Märkte für Sie?

Waldemar Walczok: Sehr wichtig. Der Exportanteil liegt bei über 90%. Unsere Produkte werden unter anderem in Europa, in Asien sowie in Regionen wie Taiwan, Singapur oder Malaysia eingesetzt. Interessanterweise ist das Verständnis für Beschichtungstechnologien im Ausland oft größer als in Deutschland.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Umweltaspekte?

Waldemar Walczok: Eine große. Unsere Produkte sind wasserbasiert, sehr emissionsarm und nach internationalen Standards zertifiziert. Dazu kommt der eigentliche Effekt der Beschichtung: Wenn Gebäude weniger Energie für Heizung oder Kühlung benötigen, reduziert das automatisch auch den CO2-Ausstoß.

Wirtschaftsforum: Wohin soll sich das Unternehmen in den kommenden Jahren entwickeln?

Waldemar Walczok: Ein wichtiger Bereich ist Digitalisierung. Wir arbeiten beispielsweise an KI-gestützten Tools, mit denen sich Energieeinsparungen für konkrete Gebäude berechnen lassen. Gleichzeitig entwickeln wir neue Anwendungen, etwa im industriellen Bereich oder bei speziellen Baumaterialien. Unser Ziel bleibt aber im Kern dasselbe: mit einer vergleichsweise einfachen Beschichtung einen spürbaren Beitrag zur Energieeffizienz zu leisten.

Wirtschaftsforum: Wenn Sie Ihr Unternehmen in einem Satz beschreiben müssten – welcher wäre das?

Waldemar Walczok: Vielleicht so: Wir zeigen, dass man manchmal keinen großen Umbau braucht, um Energie zu sparen – manchmal reicht tatsächlich ein Anstrich.

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