360 Grad Bauexperten

Interview mit BM Dipl.-Ing. Jürgen Haider, Geschäftsführender Gesellschafter der Gebrüder Haider Bauunternehmung GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Haider, was ist das Kerngeschäft der Gebrüder Haider Bauunternehmung?

Jürgen Haider: Unser Unternehmen gibt es seit den 1950er-Jahren. Unsere Wurzeln liegen im Tiefbau. Im Laufe der Jahre haben wir uns dann zusätzlich im Hochbau weiterentwickelt. Inzwischen decken wir in unserer Gruppe auch die Bereiche Industrie und Energie ab und haben auch einen eigenen Forstbetrieb. Unser Kerngeschäft ist der gesamte Tiefbau, vor allem der Straßenbau. Hier decken wir außer Tunnelbau und dem Spezialtiefbau alles ab. Aber wir übernehmen auch Abbruch- und Sprengarbeiten, bis hin zur Errichtung von Wasserkraftwerken. Im Hochbau agieren wir als Generalunternehmer.

Wirtschaftsforum: Bitte geben Sie uns doch einige Projektbeispiele.

Jürgen Haider: Im Tiefbau übernehmen wir zum Beispiel Autobahnbauten sowie alle Erdbaumaßnahmen für die ÖBB, bis zum Unterbau und Hochwasserschutz. Im Hochbau geht es meistens um Kraftwerksbauten, Beton- und Ingenieurbauten, Kläranlagen oder um Brückenbau.

Wirtschaftsforum: Was bedeutet die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft für Ihr Unternehmen?

Jürgen Haider: Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt die Baubranche schon lange, noch bevor es ein zentrales Thema der Politik wurde. Für uns bedeutet es konkret Recycling, also die Wiederverwertung von Material, zum Beispiel nach einem Abbruch. Ein Kreislauf schont nicht nur die Umwelt, sondern macht uns gleichzeitig wirtschaftlicher. Wir versuchen, unsere Geräte immer auf dem neuesten Stand der Technik zu halten, arbeiten mit modernen Motortypen und Technologien, die einen geringeren CO2-Ausstoß haben. Das Thema gewinnt zunehmend an Bedeutung, auch bei unseren Kunden, aber es ist nicht immer leicht, dies umzusetzen.

Wirtschaftsforum: Sie sagten, Sie seien auch im Energiebereich tätig?

Jürgen Haider: Wir betreiben schon seit 20 Jahren eigene Wasserkraftwerke. Wir entwickeln selbst Projekte, setzen diese um und verkaufen den Strom dann an Energielieferanten. Insgesamt haben wir bereits 26 Kraftwerke in Österreich und in Rumänien. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Projekten.

Wirtschaftsforum: Apropos Trends: Wie digital ist Ihr Geschäft heute?

Jürgen Haider: Auf der Baustelle läuft viel über Gerätesteuerung. Ein Beispiel sind hier die Baggersteuerungen. Wir arbeiten auch schon lange mit 3-D-Modellen. Für Geländeaufnahmen oder Mengenberechnungen werden Drohnen immer wichtiger. Ein zentrales Thema für uns ist aber vor allem das Lean Construction Management.

Wirtschaftsforum: An welche Zielgruppen richten Sie sich?

Jürgen Haider: Wir sind für die öffentliche Hand, für die Länder und Gemeinden tätig, ebenso wie für die ÖBB oder die ASFINAG. Dabei sind wir in ganz Österreich unterwegs sowie im südlichen Bayern und in den Grenzregionen.

Wirtschaftsforum: Was erwarten Sie im kommenden Jahr vom Markt?

Jürgen Haider: Das Jahr 2024 wird schwierig und wir möchten es stabil bewältigen. Wir merken bereits jetzt, dass die Zahl der Ausschreibungen geringer wird. Wir werden den Winter über den Markt genau beobachten und sehen, wie sich die Auslastung entwickelt.

Wirtschaftsforum: Wie möchten Sie das Unternehmen langfristig positionieren?

Jürgen Haider: Wir sind ein Familienunternehmen, das in der 2. Generation geführt wird. Die 3. Generation beginnt gerade, sodass wir einen fließenden Übergang gestalten können. Wir sind gut für die Zukunft aufgestellt und bleiben unserer Philosophie der soliden Weiterentwicklung weiterhin treu. Wir haben ein tolles Team. Dazu gehört erfahrenes Personal, das schon viele Jahre bei uns ist, sowie auch viele junge motivierte und talentierte Leute. Das Thema Mitarbeiter wird in der kommenden Zeit eine Herausforderung. Etliche unserer Mitarbeiter werden in Rente gehen und wir müssen entsprechend nachbesetzen. Es ist schwierig, Leute für den Tiefbau zu finden. Aber wir haben immer schon viele Lehrlinge ausgebildet. So sichern wir Know-how im Unternehmen. Natürlich werden wir uns auch intensiv mit den Megatrends unserer Gesellschaft beschäftigen. Aktuell sind die Digitalisierung und Nachhaltigkeit zentrale Aspekte, die wir bei unserer zukünftigen Strategie berücksichtigen müssen.

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